Buchbinderei, Cartonnagen und Mafchinen für Buchbinder.
43 Befonders die dort übliche, ftreng eingehaltene Theilung der Arbeit bietet unfchätzbare Vortheile und fo wird es unferen englifchen Gewerbsgenoffen leicht, tadellofe, den rigorofeften Anforderungen vollkommen entſprechende Arbeit zu liefern.
Der englifche Buchbinder weiht den einfachen Büchern, Prachtbänden und Gefchäftsbüchern gleiche Sorgfalt, jeder Arbeiter übernimmt einen Theil der diefsfälligen Arbeit. Das Falzen und Heften beforgen in England durchgehends Frauenhände und weil der männliche gut gefchulte Arbeiter eben nur jenen Theil der Buchbinder- Arbeit zu leiften hat, in welchem er als zumeift gefchickt fich bewährt, kann das Gefammtrefultat der Arbeit nur das Günftigfte fein.
Zähnsdorf, höchft verdienter Weife mit der Fortfchrittsmedaille bedacht, exponirte fowohl einfach gebundene Bücher wie Prachtbände. Der Kenner mufs geftehen, dafs das einfach gebundene Buch ebenfo forgfältig und zweckmäfsig gearbeitet ift wie der überrafchendfte Prachtband. Befonders rühmenswerth zeigten fich zwei Exemplare von Dorée's Prachtbibel in Maroquin de Levante gebunden mit färbiger Ledermofaik und reicher Vergoldung aus freier Hand. Die Pracht der Farben- Zufammenftellung, der edle Stil der Zeichnung, die meifterhaft ausgeführte Handvergoldung ftempeln diefe Bände zu wahren Kunft
werken.
Die übrigen Einbände Zähnsdorf's find nach alten Modellen gearbeitet, theils in Chagrin und Schweinsleder mit blind geprefsten Ornamenten, theils in polirtem Maroquin gebunden, mit Prefs- und Handvergoldungen gefchmückt.
Gefchäftsbücher waren von englifcher Seite nicht ausgeftellt, doch fei hier erwähnt, dafs auch in diefer Arbeit, wie die Parifer Ausftellung 1867 zeigte, an eleganter Einfachheit, Solidität und Gebrauchsbequemlichkeit England das Befte leiftete.
Frankreich. Den zweiten Rang behauptet wohl Frankreich. Wie faft jeder, wenn auch noch fo geringe Gewerbs und Kunftfleifs- Artikel, den Frankreich bietet, feiner Nettigkeit und Eleganz wegen den franzöfifchen Urfprung nicht verkennen läfst, fo ift diefe Bemerkung vorzugsweife auf die Erzeugniffe dortiger Buchbinderei anzuwenden. Frankreichs Expofition können wir schon eingehender befprechen, da felbe wohl auch nicht fehr ftark, doch jedenfalls mehr vertreten erfchien als die Englands.
Frankreich hat einfache Bücher, von in Papier gebundenen angefangen, dann Prachtbände von verfchiedener Ausftattung, Gefchäftsbücher und PhotographieAlbums ausgeftelllt. Wie weltbekannt, hat Frankreich in diefem Fache die bedeutendften Firmen aufzuweifen, als deren gröfste unftreitig Alfred Mame& fils in Tours zu nennen ift. Ehe wir die Ausftellungsobjecte einzelner Firmen beleuchten, fei es uns vergönnt, im Allgemeinen zu fagen, dafs Frankreich im grofsen Ganzen in der Buchbinder- Arbeit England durchaus würdig zur Seite steht. Mag es in Frankreich auch einzelne Firmen geben, deren Arbeiten minder minutiös und exact fcheinen als die der englifchen, werden doch gröfstentheils in Frankreich eben fo fchöne Buchbinder- Arbeiten geliefert wie in England und das franzöfifche Buch befticht meift durch feine, faft coquet zu nennende Zierlichkeit
Wie in England ift auch in Frankreich die Theilung der Arbeit wohlthätig fördernde Gefchäftsfitte. Der franzöfifche Buchbinder arbeitet meift in Chagrin und Maroquin de Levante; auf den Schnitt des Buches verwendet er die gröfste Sorgfalt, worin er es auch zur höchften Vollkommenheit gebracht hat. Faft kein Goldfchnitt wird in der Buchbinder- Werkstätte gemacht; das Buch kommt, nachdem es gefalzt, geheftet, gefchlagen und befchnitten ift zum Goldfchnitt- Verfertiger, deren es in Paris ziemlich viele gibt, die ganz felbftftändig arbeiten, aufser den Gold- und anderen Schnitten mit keinerlei Arbeit fich befaffen und daher natürlich hierin die höchfte Kunftfertigkeit gewonnen haben. In Frankreich