Buchbinderei, Cartonnagen und Maſchinen für Buchbinder.
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Schon defshalb verdient Löwy die ehrenvollfte Anerkennung jedes treu meinenden Staatsbürgers und es ift im Intereffe der Menfchheit zu wünſchen, dafs das im Strafhaufe gegründete Atelier blühen und gedeihen und in jeder Hinficht wohlthätige Früchte für die Zukunft reifen möge.
J. Steinbrenner in Winterberg( Böhmen) hat nur Gebetbücher ausgeftellt.- Diefelben in Schafleder, Chagrin, Sammt oder Atlas gebunden und einige mit Elfenbein- Decken gefchmückt, find fehr folid und gefchmackvoll gearbeitet. Steinbrenner, der aufser der Buchbinderei auch eine Buchdruckerei und Broncewaaren- Fabrik betreibt, befchäftigt in diefen diverfen Anſtalten 130-150 Arbeitsleute. Er befitzt aufserdem einen eigenen Verlag von Gebetbüchern, die er felbft druckt und bindet und auch die dazu nöthigen Metallbefchläge erzeugt. Die für drei Gefchäftszweige billig gewonnenen Arbeitskräfte und der riefige Umfatz der maffenhaft producirten Waare ermöglichen Steinbrenner fabelhaft billige Preife zu ftellen und defshalb hat er unftreitig das gröfste derartige Etabliffement in den öfterreichifchen Provinzen. Seine Bücher find, wie erwähnt, durchwegs folid gebunden und wenn man die Maffenfabrikation in Anbetracht zieht, find auch feine Goldſchnitte überraschend fchön. Steinbrenner liefert wohl keine Prachtbände, doch fein Hauptziel ift Billigkeit und in diefer Hinficht vermag keine Firma mit ihm zu rivalifiren.
Von den übrigen Ausftellern ift noch Friedrich Grottendick zu nennen, der zwar meift einfache, aber nach den ftrengften Regeln der Kunft gebundene Bücher exponirte.
Dafs die Fabrikation von Photographie- Albums in Wien im höchften Flor fteht, hat man dem in diefem Gefchäftsartikel Aufserordentliches leiftenden Meifter Eduard Becher zu verdanken. Diefer fo ftrebfame und gefchickte Meifter unferes Faches gründete im Jahre 1857, beinahe mittellos, eine kleine Buchbinderei und verlegte fich dabei faft ausfchliefsend auf die Fabrikation von PhotographieAlbums.
In jeder Beziehung fachgewandt, gelang es ihm, fein Gefchäft in verhält nifsmässig kürzefter Frift derart in Schwung zu bringen, dafs gegenwärtig feine Fabrikate als die beften, folideften und gleichzeitig billigften diefer Art nach allen Richtungen der Welt verfendet und überall als vorzüglich anerkannt werden. Es iſt eine längft allgemein bekannte Thatfache, dafs Becher's PhotographienAlbums faft in jedem Schaufenfter der zahlreichen Galanteriewaaren- Handlungen Wiens zu finden find.
Selbft die Lederwaaren- Fabriken beziehen gröfstentheils ihren diefsfälligen Bedarf von Becher, weil fie nicht im Stande wären, derlei folid und gefchmackvoll gebundene Bücher zu dem verhältnifsmäfsig fo billigen Preife herzuftellen. Er verwendet bei feinen Arbeiten bis in die kleinften Details das allerbefte Material. Sein Atelier befchäftigt durchschnittlich 40 Perfonen, ift fehr praktiſch eingerichtet, die Maſchinen aller Gröfsen und zu den verfchiedenartigften Verrichtungen, welche die Albumfabrikation erheifcht, höchft zweckmäfsig conftruirt, werden von fleifsigen und gefchickten Händen bedient und durch auserlefene, menfchliche Arbeitskräfte wirkfam unterſtützt und fo vermag Becher den zahllofen Beftellungen zu genügen, womit In- und Ausland ihn raftlos beehren. Aufser den internen 40 Arbeitern befchäftigt er aber auch noch deren viele aufser Haufe. Lithographen, Maler, Bronce- und Emailarbeiter, Vergolder, Graveure, Bildhauer etc. liefern nach Becher's Angabe ihm ihre Arbeiten und mit Hilfe diefer von Kunftfleifs befeelten Schaaren ift er nach jeder Richtung hin concurrenzfähig. Er liefert, beiſpielsweife erwähnt, ein Album für 50 Photographien, in feinftes Juchtenleder gebunden, mit eleganten maffiven und doch zart gearbeiteten Broncedecken, Schlofs und Mittelftück, fehr fchönem echten Goldfchnitte für den billigen Preis von 3 fl. 50 kr. Becher's Albums haben die fehr fchätzenswerthe Eigenfchaft, dafs, wenn fie mit Photographien gefüllt find, gleichviel ob mit 50 oder 200 und noch mehr, fie doch ihre Form unverändert bewahren und felbft am Goldfchnitte