Dokument 
Buchdruck : (Gruppe XII, Section 1) ; Bericht / von Ludwig Lott
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen

Buchdruck.

21

in den deutfchen Annexen beinahe auf jedem ausgeftellten Gegenftande, gleich­viel ob Rohproduct oder fertige Waare, ob aus Papier, Holz oder Eifen beſtehend, ein grofsgedruckter Zettel, der vor der Berührung der Objecte warnte.

Die Frage: ob durch diefen Vorgang das Intereffe der deutfchen Ausfteller gewahrt wurde, indem man das Publicum verhinderte, fich von der Güte der aus­geftellten Gegenstände zu überzeugen, überlaffen wir der deutfchen Ausstellungs­Commiffion zu beantworten.

Warum fo viele geachtete Druckfirmen Deutſchlands auf der Weltaus­ftellung fehlten, ift uns ein Räthfel. In den Schaufenftern beinahe jeder gröfseren Wiener Sortimentsbuchhandlung kann man mehr deutfche Firmen finden, als auf der Weltausftellung vertreten waren, und unter dem in diefen Schaufenstern Aus­geftellten befindet fich fo Manches, das im Prater auch an feinem Platze gewefen wäre.

In der deutfchen Abtheilung verdient vor Allem die ,, Collectiv- Aus­ftellung der württembergifchen Buchhändler, Xylographen etc." in Stuttgart unfere Aufmerksamkeit. Die J. G. Cotta'fche Buchhandlung hatte nur Meifterhaftes ausgeftellt, da fie etwas Anderes auch nicht ausftellen konnte. Denn Alles, was aus ihrer Buchdruckerei hervorgeht, ift ftyl- und kunftgerecht, weil von A bis Z an Nichts gefpart wird, um Alles fo vollendet als möglich her­zuftellen. Ihre Prachtausgaben fowohl wie ihre Cabinets- und Miniatur- Ausgaben der deutfchen Claffiker find zu bekannt, als dafs wir fie näher befchreiben dürften. Der Druck und der Verlag, fowie die xylographifche Anftalt von Eduard Hall­berger find ebenfalls rühmlichft bekannt, fo dafs man auch darüber nur wenig zu fagen braucht. Sein Ueber Land und Meer" und die anderen gut gedruckten illuftrirten Lieferungswerke find beinahe in jeder Hütte zu treffen. Seine Doré'fche Bibel verdiente prachtvoll genannt zu werden, denn die Holzfchnitte auf feinftem Papier find mufterhaft gedruckt und ftehen den franzöfifchen nicht nach; auch der Druck des Textes liefse nichts zu wünſchen übrig, wenn er nicht etwas zu fcharf gehalten wäre, ihm fehlt die letzte Feile( auf die bei Cotta fo viel Gewicht gelegt wird), nämlich das Glätten in der Packpreffe. Wenn man die prachtvollen Doré'fchen Holzfchnitte mit Vergnügen betrachtet und dann den Blick auf den Text richtet, fo erhält das Auge einen ordentlichen Stich durch die ftark vor­tretende Schattirung.

Wir haben leider die Bemerkung gemacht, dafs fo manches deutfche Prachtwerk fich viel beffer darftellen würde, wenn nicht an Geringfügigem gefpart werden möchte. Bei dem einen könnte das Papier und die Druckerfchwärze beffer fein, beim zweiten wurden Lettern oder Linien verwendet, die nicht mehr ganz fcharf waren, und das Dritte, das Alles hat, was dazu gehört, ift. wieder nicht geglättet u. f. f. In diefer Hinficht müffen wir uns die Franzofen und Engländer zum Mufter nehmen.

Hallberger's xylographifche Anftalt lieferte ein Album von Holzfchnitten, deren Feinheit nichts zu wünſchen übrig liefs. Eine Stereotypplatte aus, Ueber Land und Meer" war fcharf und tief. Eine grofse galvanifche Platte war fehr fchön, hatte jedoch einen Sprung.

,, Aus deutfchen Bergen", Verlag von A. Kröner in Stuttgart, war mit fchönen Holzfchnitten illuftrirt, der Druck derfelben war jedoch nicht fo fchön. Die Werke in ruffifcher und orientalifcher Sprache von Carl Grüninger in Stutt­gart waren zwar gut gedruckt, doch theilweife mit altmodifchen Typen.

J. B. Metzler's illuftrirte und mathematifche Werke waren gut gefetzt und gedruckt, die Illuftrationen, wie bei A. Kröner, von Clofs, liefsen an Feinheit der Ausführung nichts zu wünfchen übrig.

Der Gefammteindruck der Stuttgarter Ausftellung war fo recht für das Herz eines Jüngers Guttenberg's gemacht und wird wohl Jeder Gelegenheit gefucht haben, diefe Expofition mehrmals befichtigen zu können.