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Ludwig Lott.
wir Entlichers Fibel und erftes Lefebuch für Blinde bezeichnen. Dasfelbe kann mit Recht als das befte bisher erfchienene Buch für Blinde bezeichnet werden. Auf die in neuerer Zeit beendeten fünf Bände von„ Physiotypia plantarum Austriacarum", kommen wir bei der Firma Fr. Tempsky in Prag
zurück.
Die Mittheilungen der k. k. Central- Commiffion zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Jahrgang 1872", und der erfte Band der„ Illuftrirten WeltAusftellungs- Zeitung" zeugten von dem Fleifse und der Gefchicklichkeit ihrer
Drucker.
Die übrigen reich vertretenen graphifchen Fächer müffen wir, als nicht zum , Buchdruck" gehörend, übergehen.
An der Wand, rechts von der Staatsdruckerei, befand fich die Firma Carl Fromme in Wien, welche neben ihrem reichhaltigen Kalenderverlage, dann mehreren Werken und ihren gut gedruckten Schriftproben, auch ein Erzeug. nifs ihrer Schriftgiefserei, nämlich eine aus Einfaffungsftücken zufammengefetzte Firmatafel, ausgeftellt hatte. Beim Betrachten der letzteren konnte fich jeder Fachmann überzeugen, dafs der gute Ruf, den die Fromme'fche Schriftgiefserei in Wien geniefst, ein wohlverdienter fei. Der reichhaltige Kalenderverlag Fromme's ift allgemein bekannt. Ein Kalenderplacat, in Quodlibetform, aus zehn Formen und zwölf Drucken beftehend, legte Zeugnifs ab für den guten Gefchmack des Setzers und die Kunftfertigkeit des Druckers und des Stereotypeurs. Von den übrigen ausgeftellten Werken und Brofchüren, denen ebenfalls guter Gefchmack beim Satze der Titel und der in denfelben vorkommenden Ueberfchriften nachgerühmt werden mufs, wollen wir nur ein einziges hervorheben, das fich durch feine befondere Schönheit auszeichnete: es ift der für Faefy& Frick in Wien gedruckte„ Katalog der Gallerie Gfell".
Nächft Fromme, unmittelbar hinter der Staatsdruckerei, waren die typographifchen Farbendruckbilder von Heinrich Knöfler's xylographifcher Anftalt und Kunftbuchdruckerei in Wien theils ausgelegt, theils an der Wand befeftigt. Herr Knöfler hat es vom Tifchlergefellen durch Fleifs und Mühe und durch den Befuch der Akademie der bildenden Künfte in Wien zum Maler, zum fehr gefchickten Xylographen und zum Befitzer einer nur mit Handpreffen arbeitenden Kunftbuchdruckerei gebracht, deren Erzeugniffe einzig in ihrer Art daftehen. Diefer Meifter arbeitet vorzüglich nur für den xylographifchen Farbendruck, bei dem ihm fein Malertalent und feine Fertigkeit im Zeichnen fehr zu ftatten kommen. Dafs der gröfste Theil feiner Erzeugniffe, alle in der Technik ausgezeichnet, zumeift kirchlichen und religiöfen Zwecken dienen, kommt daher, dafs ihm eben nur die kirchliche Kunft bisher einigen Lohn für feine Mühen abwarf. Es verfteht fich wie von felbft, dafs eine folche, wir wollen fagen ein feitige Richtung zugleich auch eine ein tönige werden mufs. Alle bunten Heiligenbilder leiden, wenn eine gröfsere Anzahl derfelben neben einander gelegt ift, an Eintönigkeit der Farben, weil gewiffe Farben wie blau, roth, grün u. f. w. allen Bildern gemeinfchaftlich find. Dafs Herr Knöfler jedoch auch andere als Heiligenbilder erzeugt, wenn ihm dazu ein Auftrag wird, davon konnte man fich an den von Zamarski in der Rotunde ausgeftellten typographifchen Farbenbildern mit Befriedigung über
zeugen.
Wie hoch man in Frankreich, das doch im Farbendrucke fo Vorzügliches leiftet, Knöfler's Kunftfertigkeit hält, geht daraus hervor, dafs Firmin Didot beim Befuche der Wiener Weltausftellung Knöfler auffuchte und ihm einen fehr ehrenvollen, reichlich lohnenden Poften in feinem berühmten Parifer Inftitute antrug, den aber Knöfler höflich ablehnte, wofür wir ihm an diefer Stelle den Dank im Namen Oefterreichs wohl ausfprechen dürfen, um das er fich durch diefe Ableh nung aufs Neue hochverdient gemacht hat. Was wäre das Los unferer Kunftgewerbe, wenn die tüchtigften Kräfte für die ohnehin auf Oefterreichs Künftler und Induftriellen übermüthig herabfehenden Fremden arbeiteten?