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Buchdruck : (Gruppe XII, Section 1) ; Bericht / von Ludwig Lott
Entstehung
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Ludwig Lott.

platten, von denen einige ausgeftellt waren, hergeftellt worden. Soviel Mühe man fich auch mit diefem Porträt gegeben hatte, es lieferte dennoch aufs Neue den Beweis, dafs durch Zinkplatten der xylographifche Farbendruck oder die Chromo­lithographie nicht fo leicht zu erreichen und zu verdrängen find.

Ignaz Fuchs, k. k. Hofbuchdruckerei, Lithographie und Mafchinenpapier­Fabrik in Prag, hatte aufser mehreren Mufterbüchern, worin Werthpapiere und fonftige Accidenzen enthalten waren, viele lithographifche Arbeiten ausgeftellt. Doch war alles Gebotene nur Durchfchnittswaare und die Leiftungsfähigkeit der Buchdruckerei liefs fich daraus nicht erkennen. Als einer Specialität müffen wir der fogenannten transparenten Gefchäftsadreffen gedenken.

Rudolf M. Rohrer in Brünn hatte die Ausftellung mit Vielem bedacht. Am auffallendften waren die bei ihm erfchienenen Kalender, von denen er die Jahrgänge von 1863 bis 1873 ausgelegt hatte. Jeder diefer eilf Jahrgänge war in einer anderen, von den früher erfchienenen abweichenden Art ausgeftattet. Das hinderte jedoch nicht, dafs mancher Vorgänger von feinem Nachfolger nicht übertroffen wurde. Der Band Schriftproben, fowie auch die für die Ausftellung, befonders auf Cartonpapier gut gedruckten mercantilen und anderen Accidenz­arbeiten zeugten von der guten Einrichtung diefes Gefchäftes.

W. Burkart in Brünn hatte zwei Albums ausgeftellt, von denen das eine die gewöhnlichen, das andere die befferen und feineren Arbeiten enthielt. Auf den Satz wurde in diefem Gefchäfte viel Zeit verwendet, um ihn fo kunftfertig wie möglich erfcheinen zu laffen, wofür diefe Firma Lob verdient; doch gab es auch Manches, das zwar mühfam aufgebaut war, aber wenig oder keinen Gefchmack verrieth. Der Druck diefer Firma, die beftrebt ift, die lithographifche mit der Buchdruckerpreffe Hand in Hand gehen zu laffen, mufs durchgehends als ein guter bezeichnet werden.

Gebrüder Stiepel in Reichenberg in Böhmen hatten viele Druckforten für das Gefchäftsleben, fowohl für das mercantile als für das induftrielle, aus­geftellt. Auch diefe Firma nimmt die lithographifche im Verein mit der Buch­druckerpreffe in Anfpruch, um ihre gut gedruckten und gut ausgeftatteten Erzeug­niffe herzuftellen.

Alfred Trafsler in Troppau hatte neben mehreren anderen Druck­fachen auch die Jahresberichte des Gymnafiums und der Unter- und Oberrealfchule zu Troppau ausgeftellt, über die wir gern einen Schleier ausgebreitet hätten, um ihre typographifche Ausführung den Blicken der Befucher zu entziehen. Die lithographifchen Arbeiten diefer Firma überragen die typographifchen in keiner Weife. Wodurch die Jury bewogen wurde, diefer Firma das Anerkennungs­Diplom und dem technifchen Leiter derfelben die Mitarbeiter- Medaille zuzuerken­nen, wird wohl für immer eine ungelöfte Frage bleiben.

Jofef Wimmer in Linz hatte nur zwei Bände ausgeftellt, welche die fauber gedruckten Proben feiner Typen und Cliché's enthielten; beide lieferten den Beweis, dafs diefe Buchdruckerei eine gut eingerichtete fein mufs.

Carl Faulmann, Lehrer der Stenographie an mehreren k. k. Unterrichts­Anftalten in Wien, hatte früher als Schriftfetzer in der k. k. Hof und Staats­druckerei mit den Typen, welche Auer für diefe Anftalt hatte fchneiden laffen, ftenographifchen Satz geliefert. Da aber diefe Typen aus vielen und verfchieden zufammenzufetzenden Strichen und Zeichen beftanden und daher fehr mühfelig zu fetzen waren: fo hat Carl Faulmann ein eigenes, einfacheres ftenographifches Typenfyftem entworfen, das nur aus ganzen Zeichen befteht, die wie andere Typen aneinander gereiht werden. Diefe feine Typen hatte Faulmann fowohl in einem Setzkaften ausgeftellt, als auch eine Satzprobe in ganzen Stücken vorgelegt. Durch diefe Vereinfachung hat fich Herr Faulmann bereits grofse Verdienfte um den ftenographifchen Druck erworben, doch hoffen und wünfchen wir, dafs derfelbe bei den bis jetzt gewonnenen Ergebniffen feiner Studien nicht ftehen bleiben werde, fondern noch weitere Vereinfachungen anftreben möge.