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Conrad Grefe.
nach irgend einem künftlerifchen Schmucke geltend macht, denn diefen Pionieren der Kunft werden bald andere wirkliche und gehaltreichere Kunftwerke folgen. Auch darf aus diefen Bemerkungen nicht der Schlufs gezogen werden, als ob Amerika gar keine befferen Werke confumire; es braucht auch von diefen eine grofse Zahl, nur verfchwinden fie gegen die ungeheure Maffe des Unbedeutenden. Amerika deckt jedoch feinen Bedarf an Oeldruck Bildern nicht blofs aus Europa, es erzeugt auch felbft eine grofse Zahl derfelben und darunter Arbeiten die zu dem allerbeften gehören, was überhaupt auf diefem Gebiete gemacht wird. Die grofse lithographifche Anftalt von L. Prang& Comp. in. Bofton, mufs in diefer Beziehung in erfter Reihe genannt werden; aufser den alten, bereits bekannten Bildern, brachte fie auch einige neuere auf die Ausftellung, worunter insbefondere einige Seeftücke und Genrebilder von feltener Vollendung, fowohl was die Lithographie, als den Druck betrifft, fich auszeichneten. Es find wahrhaft geiftvolle Imitationen guter Gemälde!
Auch die Bedürfniffe der öffentlichen Schulen, für die in Nordamerika, fowohl von Seite der Staaten, als durch patriotifche Bürger, aufserordentlich viel gefchieht, hat diefe Anftalt mit richtigem Verſtändnifs erfafst und fich wefentliche Verdienfte um fie erworben. Ueberfichtlich zufammengeftellte, fehr rein gravirte und in Farben gedruckte Tableaux von Thieren und Pflanzen( ausgeftellt in der amerikanifchen Schulabtheilung) lieferten den Beweis dafür. Die Anftalt von Duval& Hunter in Philadelphia, brachte gleichfalls ein gutes effectvolles Seeftück und mehrere trefflich ausgeführte kleinere Bilder; im Grofsen und Ganzen aber herrfcht noch die Abficht, durch grelle Contrafte zu wirken, allzufehr vor, und wird viel zu wenig Rückficht auf den künftlerifchen Werth der Originale genommen.
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Die Schwarzlithographie war nur durch untergeordnete Arbeiten vertreten, durchgehends ift grofse Sorgfalt auf die technifche Ausführung verwendet, die Zeichnung und bei ornamentalen Arbeiten der Stil laffen dagegen Vieles zu wünfchen übrig.
Die übrigen amerikaniſchen Staaten leiften in Bezug auf die Lithographie nichts was über gewöhnliche Illuftrationszwecke hinausginge, und da find es meift geologifche, botanifche, hie und da auch ethnographifche Werke, welche damit ausgeftattet find.- Rio Janeiro brachte z. B. in diefer Beziehung einige fleifsig ausgeführte anerkennenswerthe Arbeiten. Die englifchen Colonien: Canada u. f. w. hatten nichts ausgeftellt; ob auch nichts gemacht wird, wiffen wir nicht, möchten es jedoch kaum unbedingt verneinen.
Von Amerika lenken wir den Schritt nach England und fanden, wie wir fchon oben erwähnt, den künftlerifchen Farbendruck vollständig unvertreten und auch den Illuftrations- und technifchen Druck nur in der Abtheilung für Buchdruck auf eine kleine Anzahl von Objecten befchränkt. Diefe Lücke mufs wahrhaft bedauert werden, denn der englifche Farbendruck, welcher von ganz befonders günftigen Verhältniffen getragen wird und in Folge deffen auch eine ebenfo reiche als gediegene Production zeigt, hätte den Fachmännern Gelegenheit zu lehrreichen Vergleichen und ernften, eingehenden Studien geboten; er entwickelte fich ganz naturgemäfs aus der englifchen Waffermalerei, für deren Pflege in London allein fünf Specialvereine beftehen, imitirte daher auch zunächft die feltenften oder vorzüglichften Aquarelle und machte es dadurch möglich, in jedem Salon, deffen Befitzer die fehr hohen Preife für die Originalwerke nicht bezahlen konnte oder wollte, wenigftens ein Album von Imitationen derfelben aufzulegen, welche nur gewiegte Kenner von ihren Vorbildern zu unterfcheiden vermochten.
Eine weitere ebenfo natürliche Folge war die Imitation vorzüglicher alter Gemälde; in England, wo die claffifchen Studien noch mit grofsem Eifer gepflegt werden, fammelt man auch mit Vorliebe Gemälde alter Meifter; auf diefem Gebiete find jedoch noch weniger Perfonen in der glücklichen Lage, ein