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Graveur- und Guillochirarbeiten : (Gruppe XII, Section 3) ; Photographie : (Gruppe XII, Section 4) ; Musterzeichnungen und Decorations-Malerei : (Gruppe XII, Section 6) ; Berichte / von Johann Schwerdter ; Josef Löwy ; F. Lieb
Entstehung
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J. Schwerdtner

diefe Einführung den Graveuren neue Arbeit zugeführt wurde. Was damals an Stempeln für Papieroblaten angefertigt wurde und noch heute von den Graveuren für Siegelmarken gemacht wird, entzieht fich jedem künftlerifchen Mafsftabe.

Die Papieroblaten wurden in Broncefarben mit verfchieden färbigem Unterdruck geprägt, welche Gattung Druck man Congrevedruck nennt. Der Luxus in diefen Prägungen ging fo weit, dafs man geprägte Vifitkarten( congreve oder weifs) von gravirten Stempeln anfertige und fomit den Vifitkarten- Kupferftich unterdrückte.

Da brachte der Hofgraveur Singer in Wien, von einer Reife nach London zurückgekehrt, die erfte kleine Preffe zum Prägen des Papieres. Es fanden fich eine Menge Fabrikanten, welche folche Preffen erzeugten und fomit wieder die Graveure leider nicht würdig befchäftigten. Eine künftlerifche Ausführung ift für einen folchen Stempel weder möglich noch geboten, da das Haupthindernifs in der mangelhaften Ausprägung der Gravirung mittelft einer vom Stempel in Kupfer geprägten Matrize gefchieht, welche, da diefelbe genau in die Gravirung pafst, das Papier bei Einführung in den Stempel an der Contour der Gravirung abreifsen mufs, da das Papier keiner Ausdehnung fähig ift, um die Gravirung voll­kommen auszuprägen. Auch wurden diefe Arbeiten immer fchlechter durch die fteigende Concurrenz honorirt, fo dafs fie, weil immer fchlechter angefertigt und der Bedarf durch vieles auf den Markt bringen gedeckt war, heute wenig mehr gefucht wird. Die Abnahme diefer Arbeit ift nahezu achtzig Percent. Bedeutende Vertreter im Preffen waren Wertheim, F. Wiefe, J. J. Bachrach und W. Zettl, welche noch heute den Markt beherrfchen und den Bedarf an Siegel­preffen decken.

Als nun nicht nur in Oefterreich, auch im Auslande durch die Vorgänge der Jahre 1848 und 1849 der hohe und niedere Adel an Anfehen eingebüfst, war die nothwendigfte Folge, dafs die Aufträge zur Gravirung von Wappen immer weniger wurden und nur den vorzüglichften Vertretern diefer Kunft noch Gelegen heit geboten war, Ausgezeichnetes zu leiften. Es waren diefs die Hofgraveure Jauner und Radnitzki in Wien und Birnböck in München u. A. Die Arbeiten Jauner's aus diefer Zeit find bekannt und Birnbök's Arbeiten habe ich Eingangs erwähnt. Als nun im Jahre 1860 die Regierung den k. k. Poftämtern die Annahme von mit Gummi gefchloffenen Briefcouverts geftattete, hat zur felben Zeit Theodor Theyer( Firma Theyer& Hardtmuth in Wien) die erften Monogramme, in Farben gedruckt, in Wien eingeführt und gaben den Firmen H. Braun, Fried& Fiedler Gelegenheit, den Kupferftich im Graveur fache zu verwerthen. Die Ausstellung der Firmen Theyer& Hardtmuth gab den Beweis, was die öfterreichische Kunft induftrie auch in der Luxuspapier­Branche leiftet. Es bedient fich faft Niemand mehr des Siegellacks, fondern es wird in der Anfertigung eigens componirter Monogramme in den verfchie­denften Formen und Arten Alles überboten, was die Franzofen und Engländer geleiftet. Die Einfuhr der franzöfifchen Luxuspapiere ift auf Null gefunken, und die Arbeiten der Firma Theyer& Hardtmuth find nicht nur in ganz Deutfch­and, Belgien und Frankreich, fondern auch in Rufsland, England, Amerika überall zu finden.

Zur Zeit als die Poftbehörde ungefiegelte Briefe anzunehmen fich ent­chlofs, hatten die Lithographen Siegelmarken erzeugt, welche auf dunklem Papier in Gold oder Silber bedruckt, allgemein Eingang fanden. Die Schrift­graveure, welche durch das Abnehmen der Arbeit für die Handpreffen- Fabrication gezwungen waren, an eine andere Arbeit zu denken, haben nun die Congreve­marken wieder zu Ehren zu bringen gefucht und erzeugten Siegelmarken von Papier in Siegellackroth, fpäter in fchönen Farben und in vorzüglicher Zeichnung und Schrift. Auf dem Wiener Platze lieferte Braun die fchönften Stempel, und Lithographiebefitzer Klein die fchönften Marken.