Graveur- und Guillochirarbeiten.
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Intarfien kennen lernen, denn der Werth des ganzen Stückes beſteht nur in feiner Zeichnung und der Gravirung, und wurde um den Betrag von fechzig Taufend Gulden verkauft.
Neben diefem Objecte ftand ein Tifch mit eingelegten Buxholz- Ornamenten, welche mit eben folcher ftaunenerregenden Technik und Fertigkeit gravirt ift. Das etwas weiter nach vorne ftehende Cabinet ift mit Bux- und Elfenbeineinlage in fremde Hölzer gefertigt; Buxeinlage und Elfenbein von derfelben Meifterhand gravirt. In der Zeichnung und Einlage ift jedoch ebenfo wie im Ausfchneiden der Fourniren ein bedeutender Künftler zu erkennen. Es war unmöglich, die Namen zu erfahren.
Einer nicht bekannten Technik foll hier auch gedacht werden. Diefe befteht darin, eine in Holz eingelegte Elfenbeingravirung mit Bronzefarbe einzulaffen, fo dafs die Zeichnung zu den verwandten Hölzern, in welche das Elfenbein eingelegt wurde, ftimmt und diefes felbft nicht mehr fchreiend wirkt. Ein Tifch und ein Kaften in diefer Behandlung waren in der englifchen Abtheilung ausgeftellt.
Die in der franzöfifchen Abtheilung erfcheinenden Möbel von Ebenholz mit Elfenbeineinlage zeigten keine befondere Technik in der Grabftichel- Führung und erheben fich nicht über gewöhnliche gute Arbeiten in diefem Genre. Die Urfache, warum die franzöfifchen Arbeiten hinter den englifchen zurückbleiben, liegt nahe, wenn man weifs, dafs die Graveure in Paris, welche diefe Arbeit beforgen, in den verfchiedenen Tifchler- Werkftätten ihre Arbeiten machen nach Zeichnungen, welche ihnen vorgelegt werden. Diefe Graveure wandern von einer Werkstätte in die andere und arbeiten um geringen Lohn. Vor Jahren bekamen Wiener Firmen von Paris fertige Möbel mit folcher Gravirung, welche als muftergiltig angefehen wurden, obwohl die Technik keinen künftlerifchen Mafsftab vertrug. Man fah viel Uebung in der Stichelführung, aber die Zeichnung war in den meiften Fällen durch die Gravirung fteif geworden. Es fehlte da die Vermittlung der Töne vom Grabftichel und der Nadel; erftere ift fchwarz, die Nadelgravirung grau. Auch ift hier nothwendig zu erwähnen, dafs zu diefen Arbeiten nicht nur vorzügliche Zeichner, fondern auch gefchulte Ausfchneider gehören. Aber die Fabrication von Intarfienmöbeln, wie fie derzeit in Paris getrieben wird, ift zurückgegangen, wahrfcheinlich in Folge des Krieges und des Ausweifens der deutfchen Arbeitskräfte aus Frankreich, da nur vorzügliche deutfche Arbeiter diefe Arbeiten beforgten.
In der italienifchen Abtheilung waren Möbel derfelben Gattung ausgeftellt gewefen mit Elfenbeingravirung. Freunde von alten Renaiffancemöbeln konnten hier finden, was ihr Herz erfehnt; aber anders urtheilte der Fachmann. Wir erblickten hier eine vorzügliche Nadelgravirung( eine Gravirung, welche mit der fcharfen Nadel ins Elfenbein geriffen wird). Die Elfenbein Einlage in das Ebenholz ift tadellos, ohne fichtbare Leimfuge. Die mit Medaillons und Köpfen gezierte Zeichnung ift vorzüglich und dem unbekannten Meifter gebührt alles Lob. Wir fahen auch auf Tifchlerarbeit von anderen Ausftellern diefelbe geübte Hand.
Aber es ift eine merkwürdige Erfcheinung, dafs in der Ausftellung von Italien beinahe fämmtliche Elfenbein- Gravirung nur Nadelarbeit ift, während Frankreich und das deutfche Reich bei feinen Arbeiten in diefem Genre nur die Grabftichel Technik zeigt. Diefe Technik ift eben gänzlich überwunden und erfcheint unferer Zeit als Künftelei, nicht als Kunft.
Bei den in Oefterreich ausgeftellten Möbeln ift dem befferen Gefchmacke fchon Rechnung getragen. Das Aufblühen der Intarfientechnik in Oefter reich ift zum grofsen Theile dem Einfluffe des k. k. Muſeums und dem Profeffor der Kunftgewerbe- Schule dafelbft, Jofef Storck, zu danken, welcher die Zeichnung für das im Auftrage Seiner Majeftät angefertigte Cabinet entworfen und die Arbeiten der verfchiedenen Kunfttechniker perfönlich überwacht hat. Diefes Cabinet wurde in dem Atelier für Kunfttifchlerei des Herrn Michel angefertigt und ist von