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Graveur- und Guillochirarbeiten : (Gruppe XII, Section 3) ; Photographie : (Gruppe XII, Section 4) ; Musterzeichnungen und Decorations-Malerei : (Gruppe XII, Section 6) ; Berichte / von Johann Schwerdter ; Josef Löwy ; F. Lieb
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Graveur- und Guillochirarbeiten.

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Muftern gearbeitet wurde. Die Technik diefer Flachgravirung ift in den meiften Fällen bewundernswerth durch die Reinheit und Kraft der Stichelführung.

An diefer Stelle fei noch einer Arbeit eines Ausländers erwähnt, welche bei uns in Oefterreich nicht vorkommt; es ift die Gravirung von Zinntellern mit der Nadel und dem Grabftichel vom Zinngiefser und Graveur Waltenberger in Aibling in Oberbaiern, welche als Mufter in der Behandlung diefes Metalles aufgeftellt werden können. Landfchaften in Ornamentrahmen, Figuren und Porträts nach Photographien find gleich vorzüglich gearbeitet und fanden keinen Con­currenten auf der Ausstellung.

Die Flachgravirungen der Schweiz haben ihren alten berühmten Werth gezeigt, jedoch nur auf Uhren ihren Ruhm vollinhaltlich bewährt. Wir fahen gravirte Uhrdeckel in verfchiedener Flachgravirung mit Figuren, Land­fchaften etc. mit bewundernswerther Reinheit des Stiches, aber ohne befondere Genialität in der Erfindung. Man fah den Ausftellern dafelbft an ihren Werken an, fie möchten gern zur Weltausftellung Befonderes leiften, konnten fich aber von der Chablone nicht ganz befreien, daher diefe Arbeiten auch nicht erwärmen konnten. Sie fahen fteif und ängftlich aus. Ein Porträt nach einer Photographie auf eine Uhr gravirt wäre wohl erwähnenswerth, wenn die Arbeit nicht denfelben ängftlichen Eindruck gemacht hätte. Es fei jedoch mit diefem Urtheile nicht das Verdienftvolle diefer Arbeit abgeleugnet. Die in den meiſten Fällen vorzüglichen Entwürfe von Uhrengravirungen waren fehr intereffant und zeugten von Fleifs und Studium. Die Genfer Firmen J. Sokoloff, Emil Briffand, Bonnet& Comp. theilten fich in obiges Verdienft.

Wirklich Neues hat in Flachgravirung Rufsland zur Ausftellung gebracht, es waren diefs von unbekannter Hand auf Silber gravirte Porträts von Beethoven, Mozart und Kaifer Alexander für Albumdecken beftimmt und in gravirten Orna­menten Rahmen gefafst. Diefe Arbeiten waren fo vorzüglich, dafs man die Hand des geübten Kupferftechers eher vermuthet hätte, als die des Graveurs, und nur die Verficherung der Ausfteller, die Bilder feien von dem Graveur, konnte die erfte Vermuthung unterdrücken.

Die in der Kunfthalle ausgeftellten Flachgravirungen Italiens find in Kupferftecher- Manier gravirte Porträts auf Gold, welche geniale Arbeit nur von diefem Lande ausgeftellt wurde und gerechtes Auffehen machte.

Bei Flachgravirungen, welche grofse Flächen, wie Taffen etc. mit Orna­menten und architektonifchen Verzierungen zu decken haben, wird feit langer Zeit auch die Guillochirung, eine Mafchinenarbeit, zu Hilfe genommen.

Die Engländer, welche blofs mit ftilgerechten Ornamenten ihre Taffen, Theekannen etc. verzieren, bedienen fich nur felten der Guillochirung, während die Franzofen und befonders die Schweizer das meifte Verftändnifs in Anwendung der Guillochirung zeigen.

Die Guillochirmafchine ift eine englifche Erfindung und gelangte von dort nach Frankreich und der Schweiz, wo fie die mannigfachfte Verwendung fand, noch ehe fie in Deutfchland und Oefterreich bekannt wurde. Mit Anfang diefes Jahr­hundertes wurde die Guillochirkunft am Wiener Polytechnicum gepflegt und Profeffor Altmüller fowie der noch jetzt lebende Profeffor Karmarfch zu Hannover erfanden Verbefferungen an diefer Mafchine. Während aber das Ausland fort­während diefe Mafchinen verbefferte und diefelben praktifcher geftaltete, blieb man in Wien ftehen und vernachläffigte diefe Erfindungen. Es wurden keine Hilfsmafchinen angefchafft, keine Gehilfen herangebildet, die Ateliers daher auch nicht vergrössert. Die noch vor Jahren im Gebrauch ftehenden Mafchinen konnten nur kleine Gegenftände, Uhrgehäuſe etc. mit Mafchinengravirung verfehen, daher man vor Jahren auch auf Taffen Eintheilungen in kleine Felder vornehmen musste, um diefe Mafchinen verwenden zu können, während die Arbeiten des Auslandes grofse Flächen tadellos guillochirt bedeckten.