Graveur- und Guillochirarbeiten.
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von Meffing- oder Zinkblech erzeugten, welche alle mit der Hand gefertigt werden und ift der Unterfchied nicht merklich.
In Frankreich beftehen Etabliffements, welche fich nur mit Anfertigung von Chablonen befaffen, und ihre Agenten bereifen die Welt. um die Waaren an Mann zu bringen. Trotz diefer Concurrenz gibt es in Wien aufser den obengenannten Herren noch eine Menge Graveure, welche Chablonen erzeugen, und die Firmen L. Lindner, R. Mayer, F. Schöll, Zehngraf und Hecht, welche die Bedürfniffe des Kaufmannes an Graveurarbeiten decken, führen diefen Artikel meift eigener Erzeugung. Die Ausftellung des deutfchen Reiches, Gruppe XII, zeigte Chablonen für den Haushalt, für den Handel, für den Kaufmann und Chablonen für Kinder als Spielzeug, alle auf Kupfer gravirt oder durchgeätzt.
Email und Emailgravirung.
Ein weiterer Zweig der Gravirung bildet die Kunft des Gravirens für Email und die Emaillirung felbft.
Wie eingangs erwähnt, ift diefe Technik fehr alt, wurde im vorigen Jahrhundert befonders cultivirt. In unferer Zeit ift die Kunft fehr vernachläffigt worden. Die Bijouterie- Arbeiten Oefterreichs mit Email bringen nur meiftens Handelsartikel als: Manchetten- und Hemdknöpfe, Bracelets, Ringe und Madaillons. Diefe Arbeiten entbehren jeder eigentlichen künftlerifchen Richtung und hängen vollſtändig vom Gefchmacke des Kaufmannes ab, welcher als Vermittler zwifchen Erzeuger und Confumenten fteht. Selbftftändigkeit und gediegener Gefchmack in der Zeichnung wie im Email ift daher felten zu finden, da die Chablone hier ihr Unwefen treibt. Zu keiner Zeit herrfchte eine folche Eintönigkeit in den Producten der Bijouterie, als diefs heute der Fall. Die herrfchende Mode und eine ängftliche Sorgfalt bei Bijouteriarbeiten, dem Emailleur wegen Zeitaufwand und Umftändlichkeit möglichft aus dem Wege zu gehen, fchadet diefen Arbeiten mit wenigen Ausnahmen fehr, fo dafs das Email nur mehr als Deckungsmittel befchränkter mittelmäfsiger Ausführung und zur Hebung des Effectes für fchlechte Steine dienen mufs. Aber auch diefe Arbeiten werden mit ängftlicher Vermeidung jedes Farbenwechfels nur mehr in Schwarz durchgeführt.
Wäre nicht die Haft, mit der folche Arbeiten vom Emailleur ausgeführt werden müffen, würde der Emailleur nicht oft von dem Graveur abhängig fein ( denn nicht alle Emailleure find Graveure), fo würde durch das künftlerifche Zufammengehen zweier Factoren noch Gutes gefchaffen, aber durch Chablonenarbeiten find oft die talentvollften Arbeiter ihren Aufgaben entrückt worden. Es wäre jedoch ungerecht zu behaupten, dafs das oben Gefagte auf einen Rückfchritt in diefem Fache hinweife. Die Emaillirkunft hat in den letzten Jahren die gröfsten Fortfchritte nachzuweifen, befonders in der Behandlung des Emails auf unedlem Metall. Die ausgeftellten Arbeiten haben ein ganz klares Bild der Emailleurkunft gezeigt. Hier mufs in erfter Reihe der Arbeiten für kirchliche Kunft gedacht werden, mit welchen Herr Jofef Chadt in Wien die Ausstellung bereicherte und von denen der Berichterftatter über diefes Gebiet des Weiteren ſpricht.
Aber nicht diefe Arbeiten allein find es, die ihm den erften Rang einräumen. Wir fahen bei der Ausstellung des Herrn Auguft Klein Gegenftände der Kunftinduftrie, welche von Chadt gefertigt waren. Hier zeigt fich ein Fortfchritt in der Nachahmung von Lapis lazuli, der Emailfchmelz auf Becher, Teller ect., fo dafs das Auge des Befchauers getäufcht, derfelbe diefe Objecte für Lapis lazuli halten kann. Um die Eintönigkeit zu vermeiden, hat Herr Chadt auf diefen Gegenständen Länder mit fortlaufenden Rennaiffance ornamenten in vielfärbigem Translucide Email angebracht und damit diefe Objecte zu kleinen Kunftwerken gemacht. Auch begegnen wir Limoufiner Emailarbeiten von dem Kunstgewerbefchüler Mach unter technifcher Leitung Chadt's gefertigt nach Zeichnungen von den Profefforen Laufberger und Storck, welche die ausgeftellten Limochen aller Länder
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