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Jofef Löwy.
Ort gebracht und getrocknet, und hierauf von rückwärts, das heifst durch die Glasfeite belichtet, Leim und Albumin in Verbindung mit chromfaueren Salzen werden durch die Wirkung des Lichtes unlöslich, es findet demnach eine fehr fefte Verbindung diefer erften Leimfchichte mit der Glasfläche ftatt, auf diefe erfte Schichte, welche gleichfam die Unterlage für das zu empfangende Bild bildet, erfolgt nun ein zweiter Aufgufs für die eigentliche Bildaufnahme, ebenfalls von Leim und chromfauerem Kali, die Platte wird neuerdings natürlich mit Ausfchlufs von Tageslicht getrocknet, und hierauf unter einem gewöhnlichen Negativ je nach der Kraft desfelben und der Stärke des Lichtes länger oder kürzer dem Tageslicht ausgefetzt; nach hinlänglicher Belichtung wird die Platte von allem nicht reducirten Chromfalze durch öfteres Wafchen mit Waffer befreit, und ift druckfähig, es find nämlich alle jene Stellen im Waffer unlösbar geworden, auf welche das Licht durch das Negativ einwirken konnte, und dadurch geeignet, wenn man die Platte mit einer Schwärzerolle übergeht, fette Farbe anzunehmen, während die übrigen durch das Negativ vom Lichte gefchützten Stellen löslich geblieben oder doch wenigftens geneigt find, Feuchtigkeit anzunehmen und demzufolge beim Einwalzen mit der Schwärzerolle die Farbe abftofsen; die Platte mufs defs-halb während des Druckes wie ein lithographifcher Stein durch leichtes Ueberfahren mit naffem Schwamm immer etwas feucht gehalten werden.
Die gröfste Manipulationsfchwierigkeit war, die Druckplatten dauerhaft herzuftellen, das Befeftigen der Schichte ift jedoch fchon fo gut gelungen, dafs die Druckplatten eine unbegrenzte Anzahl von Abdrücken ermöglichen.
Erwähnen mufs ich noch, dafs diefe verfchiedenen Proceffe fich nur auf die Darftellung und Vervielfältigung von Pofitiven beziehen, für die Gewinnung der Negative blieb der Jodfilber- Procefs bis jetzt noch immer beibehalten, doch werden auch das Einftaubverfahren und der Kohlendruck zur Vervielfältigung der Negative mit Erfolg benützt.
Die Photographie als graphifche Kunft auf der Weltausftellung.
Wenn ich nun auf die Betrachtung der Photographie als graphifche Kunft auf der Weltausftellung übergehe, fo glaube ich vor Allem bemerken zu müffen, dafs trotz der reichen Betheiligung von Seiten der Photographen und des vielen Schönen und Gediegenen, welches hier vertreten war, doch die Expofition fo manchen Landes nicht die gegenwärtige wirkliche Höhe der Photographie in demfelben repräfentirte. Vertreten waren von fämmtlichen vorher erwähnten Verfahren in überwiegendfter Weife natürlich der Silberdruck, nach ihm der Lichtdruck, Heliogravuren und photographifche Umdrücke, Kohlendrucke, eingebrannte und Emailphotographien.
Intereffant war es auch, zu beobachten, wie jeder Staat durch feine eigenthümlichen Verhältniffe in Bezug auf Kunftwefen, Induftrie oder durch feine mehr oder minder reichen Naturanlagen speciell auf einzelne Zweige der photographifchen Kunft mehr oder weniger fördernd wirkte, anderfeits, wie durch den Einflufs bedeutender Fachmänner das eine oder andere photographifche Fach befonders hervorragend zur Geltung gebracht wurde, wie z. B. in Deutfchland die Reproductionen von Gemälden und Zeichnungen, durch die ausfchliefslich diefem Fache gewidmeten Beftrebungen einzelner Photographen, fowie durch die Einflufsnahme und das Entgegenkommen der Künftler felbft; in Frankreich die verfchiedenen Druckverfahren durch die Betheiligung hervorragender Chemiker und Gelehrter( befonderen und bedeutenden Einflufs nahm die Société française de Photographie à Paris) und durch die Förderung der Kunftverleger, in Oefterreich das Porträtfach durch die unermüdlichen Anftrengungen einiger tüchtiger Photographen es gerade im Bildnifs zu einer befonders künftlerifchen