Dokument 
Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen

52

J. F. Radinger.

E. R.& F. Turner in Ipswich

Die Mafchine von E R.& F. Turner in Ipswich zeichnete fich durch mehrere Eigenthümlichkeiten aus.

Der Cylinder war mit Dampfhemd und Schieberkaften zufammengegoffen, an deffen rückwärtiger Schmalfeite die Einftrömung ftattfand, und feine Pratzen ftanden direct auf die Steinunterlage gefchraubt.

Ebenfo waren auch die beiden Lager der gekröpften Kurbelwelle direct auf das Mauerwerk gefetzt.

Cylinder und Lager wurden nur durch zwei[-Eifen verbunden, welche beiderfeits genau in der Höhe der Längsachfe hinzogen und einestheils die ganze Cylinderlänge( mit je 8) und anderntheils breite Lappenangüffe der Lager mit ( je 5) Schrauben fafsten und dergeftalt die Drücke völlig centrifch übertrugen.

Bei der Ausftellungsmafchine von nominell 8 Pferdekräften hatte der Cylinder 165 Millimeter Bohrung und der Kolben o 254 Meter Hub. Sie war beſtimmt, mit 8 Atmoſphären Ueberdruck und 270 Touren oder 23 Meter Kol­bengefchwindigkeit zu arbeiten, welche Gefchwindigkeit auch für die gröfsten Modelle diefer Firma unverändert beibehalten erfcheint.

Diefs foll nun durch das fteife centrifche Rahmenfyftem ermöglicht fein, welches keine Biegungsdrücke erfährt, und für die geradlinig übertragenen Kräfte übermäfsige Stärke befitzt, und merkbare Streckungen nicht zulässt. Bei diefer 8pferdigen Mafchine hatten die Eifen ungefähr 120 Millimeter Höhe und 120 Millimeter Rippenvorfprung.

Die Lager waren je nur mit einem auf der Aufsenfeite befindlichen Ver­ticalkeil ftellbar und vorne mit einem Querblech und Winkeleifen gegeneinander feitlich verfteift. Zwifchen Lager und Cylinder fügte fich aber noch eine hoch­kantige Blechwand- Traverfe ein, welche gefenftert war und die gufseifernen Geradführungslineale in einer an die Locomotivconftruction erinnernden Weife ftützte. Diefe Lineale fchloffen hinten an die Stopfbüchfen Angüffe und nahmen den Kreuzkopf und das ihn umfchliefsende kurzgegabelte Schubftangen Ende auf, welches nur mit Stahlbüchfen verfehen, aber fonft nicht nachftellbar war.

Die Seitenarme der Kurbelkröpfung hielten in ihrer Verlängerung keil. förmige gufseiferne Balanzgewichte dadurch feft, dafs fich um die Arme halbver­fenkte Flacheifen Schleifen fchmiegten, welche als Rundeifen durch die Guis­gewichte hindurchgingen und aufsen mit gemeinfamen Unterlagsftreifen und ftarken Schraubenmuttern angezogen waren.

Aufserhalb des Lagers auf der Schieberkaften Seite fafs die fliegende Schwungfcheibe. Diefe nahm auf ihrem abgedrehten Kranz den Riemen und im Raum zur Nabe hin einen Regulator auf, welcher auf das beigefteckte Excenter direct einwirkte.

Diefer Innenraum der des fchnellen Ganges halber kleinen Schwungfcheibe war durch eine eingegoffene Trag- und eine vorgefchraubte Ringplatte bis auf einen Kreisausfchnitt einfeits um die Welle völlig gefchloffen.

Durch diefen Ausfchnitt reichte ein kurzes Rohr ins Innere. Diefes Rohr war wohl über die Welle, aber mit grofsem Spielraum, gefchoben und trug aufsen das Excenter und innen radial der Excentricität gegenüberflehend einen Arm, der in einem Auge nahe des Scheibenumfangs mit einem angegoffenen End­zapfen drehbar eingefteckt war.

In der todten" Lage fiel die Richtung diefes Armes mit der Kurbelrich­tung zufammen, fo dafs der Voreilwinkel des Excenters 90 Grad betrug.

Um den fernen Drehpunkt im Armende kann nun das Excenter verftellt werden, wodurch der von ihm geführte Schieber bei weiter ausgefchlagenem Arm die Bewegung gleichfam von einer gröfseren Excentricität, aber mit kleiner gewordenem Voreilwinkel erhält, wodurch ein rafcheres, weites und länger an­dauerndes Oeffnen des Canales erfolgt.