Dokument 
Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
Seite
70
Einzelbild herunterladen

70

J. F. Radinger.

Société de Mariemont.

Diefe grofse Gefellſchaft ftellte u. A. die Zeichnungen einer Wafferhaltungs­mafchine aus, welche bezüglich der Gefchwindigkeitsberechnung etc. in diefem Berichte erwähnt fein mufs.

Das Geftänge für die drei Pumpenfätze von je 80 bis 85 Meter Förder­höhe hängt einfeits eines Blechbalanciers, auf deffen anderer Seite ein doppel­wirkender Dampfcylinder fteht. Die Doppelwirkung des letzteren ift trotz des Umftandes, dafs das Pumpengeftänge nicht auf Druck beanfprucht wird, durch ein Gegengewicht ermöglicht, welches an der Kolbenftange in die Fundamente hängt. Letztere find hier in Gufseifen ftatt in Mauerwerk aufgeführt.

Oben trägt die Kolbenftange, bevor fie noch an den Balancier greift, eine Traverfe, von welcher längs den Cylinderfeiten zwei rückgreifende Schubftangen auf die Kurbelzapfen wirken. Die Kurbelwelle liegt unter dem Cylinder und trägt zwei fymmetriſche Aufsen- Schwungräder, welche mit je einem eingefteckten Kurbelzapfen zur Verbindung mit der Schubftange verfehen find.

Die Vortheile diefer Aufftellung, die, infoferne fie die Maschine betreffen, dahin gehen, dafs hohe Expanfion felbft bei einem einzelnen Cylinder verwendbar ift, dafs der Balancier ftets nur nach einer Seite gebogen werden will, wodurch u. A. die Nietungen immer auf denfelben Flächen laften und fich daher nicht verfchlagen, dafs diefelben Umftände auch den Stangenköpfen des Balanciers zu Gute kommen, dafs die Kurbelftangen zu den Schwungrädern Nichts als nur die Differenzdrücke zu übertragen haben und dafs endlich die erzwungene Bewe. gung kleinere fchädliche Räume zuläfst etc., möge hier nur im Vorübergehen

erwähnt fein.

Die Steuerung des Dampfcylinders gefchieht mit Schieber und deren Antrieb nach Syftem Guinotte, dem Director diefer Gefellſchaft.

Nun handelt es fich um die Bedingungen einer hohen Leiftungsfähigkeit, welche bei gleichbleibenden Dimenfionen der Pumpe offenbar allein von der zu­läffigen Kolbengefchwindigkeit abhängt. Diefe wird aber in erfter Linie nur durch die Stöfse befchränkt, welche ein rafcher Hubwechfel in den Ventilen veranlafst. Die Bedingung war daher, das Schwungrad derart zu dimenfioniren, dafs es eine gewiffe erfahrungsmässige Gefchwindigkeit( 18 Meter per Secunde reducirt am Kurbelkreis als Maximum und o 25 Meter Minimum wegen der Gefahr des Stehen­bleibens) nicht überfteigt, während es gegen den halben Hub zu fehr grofse Ge­fchwindigkeit haben foll, welche die mittlere Gefchwindigkeit und mit dem die Leiftungsfähigkeit des Ganzen erhöhen. Dazu eignet fich nun eine zweicylindrige Woolf'fche Mafchine fchlechter als eine ein cylindrige mit gleicher Expanfion, wie es dem gleichmässigeren Gange der erfteren zufolge von vorne herein einleuchtet, aber auch durch das fpecielle Studium hier noch feftgeftellt wurde.

Aus dem Dampfdiagramm wurden nämlich mit Rückficht auf die Maffen­befchleunigungen und unter Annahme eines Schwungradgewichtes und einer mäfsigen Gefchwindigkeit am todten Punkte( z. B. 5000 Kilogramm und o 5 Meter) die Gefchwindigkeitscurve für fämmtliche übrigen Lagen des Hubes conftruirt und daraus die mittlere Gefchwindigkeit und die Tourenzahl berechnet, diefs mit einer anderen Gefchwindigkeit am todten Punkte( Io Meter) wiederholt und abermals die Curve und die Tourenzahl beftimmt und fo Einblick in den Einflufs derfelben gewonnen. Dasfelbe Verfahren wurde für ſchwerere Räder 15-, 40­und 80.000 Kilogramme wiederholt und aus dem Ergebniffe neue Diagramme gezeichnet, in welchen die Umdrehungszahlen als Abfciffen und die Gefchwindig­keiten am todten Punkte als Ordinaten auftreten.

Aus diefen Diagrammen wurde ein neues abgeleitet, in welchem die Schwungrads- Gewichte die Abfciffen und die Gefchwindigkeit am todten Punkte die Ordinaten abgeben. Diefe Linien wurden unter der Annahme gezogen, dafs