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J. F. Radinger.
vertheilung an den vier Cylinderenden ftattfand und deren Füllung vom Stande des Regulators abhing.
Der Cylinder hatte 300 Millimeter Bohrung und der Kolben o 60 Meter Hub. Normal arbeitete diefer mit 70 Touren per Minute oder 14 Meter Kolbenweg per Secunde. Das Dampfrohr von 63 Millimeter Weite bot 22 der Kolbenfläche als Querfchnitt( Conftante 1/1), was eben genügt. Die Ausftrömung mit 1/20 Cylinderfläche fcheint zu eng.
Der Cylinder war doppelwandig gegoffen und der frifche von unten kom mende Dampf durchftrömte vorerft das Hemd und kam dann durch ein auf diefem oben in der Cylindermitte fitzendes Ventil und einen oberen Längscanal zu den beiden Einftrömungen nahe dem Deckel.
Die Dampfeinftrömungen fanden durch je acht Radialfpalten ebener Kreisflächen ftatt, welche von je einem oscillirenden Spaltfchieber geöffnet und überdeckt wurden. Diefe Spalten hatten je 32 Millimeter radiale Länge und 11 Millimeter mittlere Breite, was ihre Gefammtfläche auf circa 1/25 der Cylinderfläche und wegen der Contraction auf noch weniger ſtellt.
Diefe Spalt Drehfchieber bekommen ihre geringe Winkelbewegung( Maximum 25 Grad) durch je eine kurze verticale Achfe, welche oben( mit Klemmfchraube) einen Arm trägt; diefer greift mit einer Lenkftange in ein horizontales Führungsrohr und wird durch eine um letzteres gewundene Spiralfeder mit Luftpuffer ftets fo zu drehen gefucht, dafs die Spalten fchliefsen.
Die beiden Führungsrohre liegen einander gegenüber und aus deren inneren zugekehrten Seiten ragt je ein Anfchlag hervor, welcher ähnlich einer Fallklinke geformt ift.
Zwifchen den ftahlarmirten Stirnflächen diefer Anfchläge pendelt nun ein Daumen hin und her, deffen Vor- und Rückfeite abwechslungsweise einen und den andern Anfchlag andrückt und durch ihn den Spaltfchieber auf das Oeffnen dreht. Diefs gefchieht fo lange, als der Kreis, den die Daumenkante befchreibt, jene Gerade überragt, welche der mit dem Rohr geführte Anfchlag durchläuft. Dabei wird die Spiralfeder, welche um das Führungsrohr gewunden ift, gefpannt und wenn der Daumen jene Gerade unterfchneidet, fo fchliefst die Feder den Spaltfchieber fofort. Diefes Unterfchneiden wird defto früher ein treten, alfo die Füllung defto kleiner fein, je kürzer der Daumen felbft ift, indem von feiner Länge die Zeitdauer der Eröffnung abhängt. Scheller& Berchtold machen daher die Daumenlänge veränderlich und zwar den Arbeitskopf in einer Schwalbenfchwanz- Führung des eigentlichen Daumenkörpers verfchiebbar.
Diefes Verfchieben beforgt bei der neueren Conftruction diefer Steuerung der Porter- Regulator direct, indem von deffen Manchette eine Zugftange( ziemlich fchief) gegen die riegelförmige Daumenfpitze niederreicht, und diefelbe bei feinem Steigen einwärts zieht.
Der Angriffspunkt diefer Zugftange an dem Daumenriegel ift aber nicht zugleich Drehpunkt für den ganzen Daumenkörper, der um einen unabhängigen Drehzapfen fchwingt und deffen Hinterende den Antrieb durch eine DreiecksBewegung erhält.
Jede Arbeitsfläche des Doppeldaumens weicht fo viel von der radialen Richtung zurück, dafs fie bei Beginn der Bewegung parallel zur Stirnfläche des Schieberanfchlages fteht, wodurch in Verbindung mit der unabhängigen Schwingungsachfe des Daumenkörpers ein gleiches lineares Voreilen für alle Expanfionsgrade erreicht wird, was hier wegen den acht gleichzeitig öffnenden Einftrömkanten höchft nothwendig ift.
Das Steuer- Dreieck und der Regulator befinden fich an einer gemeinfamen Verticalwelle, welche neben dem Cylinder in deffen halber Länge ſteht und mittelft einer fchieflaufenden Transmiffionswelle von der Kurbelachfe aus angetrieben wird. Die Anzahl der Drehungen der Regulatorwelle mufs der Steuer