Dokument 
Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen

118

J. F. Radinger.

Ein Bufs'fcher Regulator mit einer Ofcillationsfcheibe im Waffergefäfse als Hemmung ftellte die Ausrückklinke und je ein Luftkolben bremfte den Schlufs nach deren und der Wirkung der Feder.

Dingler in Zweibrücken.

Die von L. Ehrhardt, Oberingenieur der Dingler'fchen Mafchinenfabrik und Eifengiefserei in Zweibrücken, conftruirte und von diefer Firma gebrachte Dampfmafchine war wohl einer der intereffanteften und im beften Sinne origi­nellften Motoren der ganzen Ausstellung.

L. Ehrhardt fagt über diefe Mafchine

wörtlich:

Wir legen das Hauptgewicht darauf, dafs fie nicht von dem in Praxis unerreich­baren Ideal einer vollkommenen Dampfma­fchine ausgeht, fondern dafs im Gegentheile den in Wirklichkeit ftets vorhandenen Un­vollkommenheiten und Mängeln möglichft Rechnung getragen ift, und zwar in fo weit­gehender Weife, dafs gerade die Berücksich tigung der unvermeidlichen Verlufte an Wär­me in Folge der inneren und äufseren Ab­kühlungen und an Dampf in Folge der bei normalem Gange einer Mafchine ftets un­vollständigen Abfchlüffe der Steuerungen und der Kolben den Schwerpunkt unferer Conftructionsprincipien bilden.

jo o o

Wir haben bei Verfuchen an unferen fonft fehr gut gehenden und beliebten Ein­cylindermafchinen( 5 Atmoſphären Keffelüberdruck, 8-10fachen, jedoch inner­halb viel weiterer Grenzen felbftthätig veränderlicher Expanfion mit Condenfation und mit mässiger Kolbengefchwindigkeit, 133 Meter per Secunde) vielfach con­ftatirt, dafs das wirklich verbrauchte Dampfquantum 13 bis 1.4mal fo grofs war, als es dem befchriebenen Cylindervolumen nach mit Einrechnung aller fchädlichen Räume der Admiffionsfpannung entsprechend theoretifch hätte fein können.

Je höher der Dampfdruck im Keffel ift, defto gröfser kann die Kolben­gefchwindigkeit genommen werden. Je gröfser die Kolbengefchwindigkeit, defto kleiner die Cylinder. Je kleiner die Cylinder, defto geringer die berührten Verlufte.

Die inneren Wärmeverlufte werden bei jeder Doppel Dampfmaschine dadurch vermindert, dafs der hochgefpannte Dampf nur im kleinen Cylinder arbeitet, und dafs der grofse Cylinder, welcher zugleich mit dem Condenſator in Verbindung fteht, nur noch mässig gespannten Dampf enthält, fo dafs in demfelben die Temperaturdifferenz zwifchen zuftrömendem Dampf und Cylinderwandung und dem zum Condenfator abziehenden Dampf viel geringer ift, als wenn die ganze Expanfion in einem einzigen Cylinder ftattfinden würde.*

Die directen Dampfverlufte in Folge mangelhafter Abdichtung der Steuer­organe und der Kolben reduciren fich dabei fehr bedeutend, weil die Gefammt­Druckdifferenz zwifchen Keffel und Condenfator fich auf zwei Steuerabdichtungen und auf zwei Kolben nacheinander vertheilt,** und dafs der zweite Cylinder den verlorenen Dampf des erften wieder nutzbar macht.

Dafür find die Abkühlflächen zweier Cylinder vorhanden.

** Dafür kommen diefe undichten Theile in zweimaliger Länge vor.

( R.)