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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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J. F. Radinger.

Dampfverlufte in Folge der grofsen todten Räume und des grofsen Abdichtungs­Umfanges der Canäle.

Vorliegende Mafchine hat nun ganz kurze Dampfcanäle und jedes Cylinder­Ende wird für fich durch einen befondern Steuerkegel gefteuert. Die Steuerung durch diefe Rotationskegel gefchieht in fo rapider Weife, dafs fchon bei o'I des Kolbenhubes der volle Canalquerfchnitt geöffnet ift,** ohne dafs zu vielfach ge­fchlitzten Durchlafs canälen( Farcot) von verhältnifsmäfsig grofser Breite gegriffen wurde. Je mehr fich nämlich der abzudichtende Canalquerfchnitt der Quadratform annähert, defto kleiner wird der zu dichtende Umfang; je mehr er fich fchlitzför­mig in die Länge ftreckt, defto gröfser wird die Abdichtungslinie, defto unficherer der Abfchlufs, defto gröfser alfo auch der Verluft in Folge mangelhaften Ab­fchluffes.

Die Umgehung derartiger Mifsftände, die Erzielung eines fehr rapiden und präcifen Dampfwechfels in der complicirten Weife, wie es eine Doppel- Dampf­mafchine verlangt, ift vollständig erreicht durch die zugleich fehr einfachen und dauerhaften Rotationskegel, welche in durchaus origineller Weife bei vorlie gender Mafchine als Steuerorgane benützt find.

Nur mit Hilfe diefer Steuerung ift die correcte Durchführung der vorher entwickelten Grundfätze praktiſch ausführbar.

Die Gefammtanordnung der Mafchine beruht auf diefer Steuerung, fie ift. die Grundlage der ganzen Conftruction. Die erfte feit 1870 im Betriebe befind­liche Mafchine diefes Syftemes hat in jeder Hinficht fehr befriedigende Reſultate gegeben und hauptfächlich den hohen praktifchen Werth der Steuerung aufser allen Zweifel geftellt.

Was nun die Frucht diefer Erwägungen, die Mafchine felbft betrifft, fo war es eine Woolf- Mafchine mit Kurbeln unter 180 Grad, welche normal mit Dampf von 10 Atmoſphären Ueberdruck und 10facher Gefammtexpanſion betrieben und von zwei entſprechend gehöhlten Drehkegeln gefteuert wurde. Die Füllung änderte fich mit dem Stande des Regulators und die Condenſation war durch einen Dreiweghahn ausfchaltbar.

Die zwei Dampfcylinder bildeten fammt dem Dampfmantel des kleinen Cylinders und den beiden Steuergehäufen an beiden Cylinder- Enden ein einziges Gufsftück.

Die Cylinder hatten 125 und 250 Millimeter Bohrung, und da der Hub beider Kolben gleich grofs war und o 50 Meter betrug, fo verhielten fich ihre Volumen wie I: 4.

Das Zuftröm- Dampfrohr befafs circa 45 Millimeter, das Rohr zum Conden­fator hin 70 Millimeter Durchmeffer, was für erfteres 1/7 bis 18 des kleinen und für letzteres 1/12 des grofsen Cylinderquerfchnittes als Fläche gibt.

Die Kurbelwelle drehte fich 115 Mal per Minute, was eine Kolbengefchwin­digkeit von 19 Meter per Secunde mit fich brachte. Die Einftrömung ift alfo, falls nicht Verengungen im Drehfchieber vorkommen, zu weit, indem die Conftante 1/13 bis 15 beträgt.

Normal wird der kleine Cylinder zu o 4 feines Hubes gefüllt, was nach. beendeter Ueberftrömung in den viermal fo grofsen Niederdruck Cylinder eine 1ofache Expanfion und einen Enddruck gibt, welcher auch ohne Condenſation. nur bis zum Gegendruck fällt.

Die Dampfkolben bewegen fich dicht neben einander in genau entgegen. gefetztem Sinne. Dadurch heben fich die Druckwirkungen auf die Achslager

* Doch nur wenn man mit Vollfüllungen arbeiten wollte, indem fonft der Dampf nach der Abfperrung aus dem fogenannt fchädlichen in den Cylinderraum expandirt.

** Diefs gefchieht um nichts fchneller als von einem normalen Excenter, welches mit kleinem Voreilwinkel( theoretifcho) auf der Kurbelwelle fteckt.

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