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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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J. F. Radinger.

fonft die Flammen faft zum Erlöfchen gebracht werden. In manchen Mafchinen geht noch ein horizontales Wafferrohr quer durch die Rauchkammer, in welchem eine Kupferftange an einem Ende feftgehalten liegt. Das freie Ende reicht aber durch die Keffelwände zum Gashahn. So lange genug Waffer im Keffel, das heifst noch folches im Wafferrohre enthalten ist, bleibt die Kupferftange ruhig; follte jedoch das Waffer tiefer finken, fo erwärmt fich die Kupferftange rafch und bei 300 Grad foll fie den Gaszutritt gänzlich abfchliefsen.

Die Dampfmafchine felbft befteht aus einem Cylinder von circa 30 Milli­meter Bohrung und 50 Millimeter Hub; fie foll bei 14 Füllung und 300 Touren per Minute im Mittel 5 Kilogramm- Meter per Secunde leiften, und dafür circa 0-44 Kubikmeter Gas per Stunde brauchen. Die fämmtlichen Fixtheile der ganzen Mafchine find aus einem einzigen vollgegoffenen Stück Metall herausgebohrt, zu welchem Zwecke nicht nur die Geradführung, fondern auch die Dampfwege und der Schieberkaften rundcylindrifch gezeichnet find. Um die hohe Expanfion mit einem einzigen Schieber zu gewinnen, mufste diefer grofse Ueberdeckungen erhalten, und um trotzdem nicht unvortheilhafte Compreffionen einzuführen, ift die innere Deckung negativ, fo dafs durch eine Zeit hindurch die Ausftrömung von beiden Kolbenfeiten weg ftattfindet.

Diefe kleinen Motoren werden auch ohne Keffel geliefert, um der Klein­induftrie noch leichter zugänglich zu fein, wenn nur deren Mehrere fich den Dampf in einem gemeinfamen Keffel zu erzeugen vereinigen wollten.

Guppa& Co. Auf dem bereits im Keffelbericht befchriebenen Dampf­erzeuger lag eine Mafchine direct, d. i. ohne Grundplatte aufgefchraubt. Um die Axe derfelben möglichft tief zu erhalten, war eine Kurbelgrube durch Einwärts­drückung des Keffelbleches erzeugt, an deffen Rand gefondert die zwei fchiefen Lager der gekröpften Welle ftanden. Diefe Lager, deren Deckel übergreifend waren, hatten eine Zeichnung, als ftänden fie mit Zwifchenplatten am Keffel, was aber nicht der Fall war. Die Geradführung fand auf einem einzigen hohlliegenden Führungsbarren ftatt, auf welchem der Kreuzkopf mit einer Gegenplatte unter­fangend lief. Eine Meyer- Steuerung beforgte die Vertheilung und ein riemen­betriebener Watt'fcher Linfenkugel- Regulator die Droffelung des Dampfes. Die Schwungrad- Arme fchienen befremdlich ftark gekrümmt.

Backer& Rueb in Breda ftellten eine fogenannte 4pferdige Mafchine aus, deren Cylinder von 160 Millimeter Bohrung oben an einen gufseifernen Rahmen gefchraubt war, welcher feitlich am Querröhren- Keffel( fiehe Keffel­bericht) ftand. Der Rahmen ftützte fich unten auf eine Grundplatte und die gekröpfte Welle lag bei der Kurbel in einem an den Rahmen gegoffenen Lager und aufsen fowohl als in der halben Länge in je einem ziemlich hohen Stehlager, welches auf die Grundplatte gefchraubt war. Der Dampfcylinder hing hoch oben und die niederreichende Kolbenftange wurde von einem Auge geführt, welches die faft 7 Kurbel- Halbmeffer lange, gegabelte Schubftange umfafste. Diefe Stange hatte bei den Verbindungen mit der Kolbenftange zwei und bei der Kurbel einen mit flachen Flanfchen endenden Schaft, welcher je mit aufgelegten Schalen, Flach­deckel und zwei Durchfteck- Schrauben die Zapfen umfchlofs( Marineform). Die aufserhalb der Lager fitzende Schwungrad- Riemfcheibe war balancirt.

Die Dampfvertheilung gefchah durch zwei Excenter, und das zur Expanfion dienende war wohl nicht während des Ganges, aber doch beim Ruheftand der Mafchine verftellbar, um die Füllungsgröfse zu ändern. Statt der Charniere waren eingefchweifste Flachftahl- Stücke zwifchen Excenter und Schieberftange ver­wendet. Ein Watt'fcher über der Welle ftehender und mit einem holzverzahnten Kegelrad betriebener Regulator wirkte in feiner fortgefetzten Achfe nach oben auf die Einftrömdroffel. Eine Speifepumpe lag feitlich auf der Grundplatte und fandte ihr Waffer durch einen Hohltheil des Mafchinenrahmens, durch