Dokument 
Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen

256

J. F. Radinger.

Peter Kieffer in Cöln.

Die Cölner Waffermotoren Fabrik baut zweicylindrige Kolbenmaschinen für die Arbeitsausbeutung von gefpanntem Waffer, wobei hauptfächlich auf die Benützung ftädtifcher Wafferleitungen gerechnet wird.

Die Mafchine beſteht aus einem Gufsftück, welches die Grundplatte und zwei aufrechte Seitenfchilde mit den oberen Lagern für eine unter 90 Grad doppelt gekröpfte Kurbelwelle enthält. Zwifchen den Schilden befinden fich zwei dünnwandige broncene Treibcylinder, welche um ihre Querachfe ofcilliren, während ihre Kolbenstangen direct auf die Kurbeln wirken.

Die Waffervertheilung findet mit angeg offenen Canälen auf den einander zugekehrten Seiten der beiden Cylinder ftatt, wo die Canäle, in je einen hohlen Drehzapfen mündend, in ein gemeinfames auf die Grundplatte gefchraubtes Mittel­ftück tauchen.

In diefes führen die Rohre für die Zu- und Ableitung des Nutzwaffers und die Canäle fetzen fich an der Stirnfeite des Drehzapfens mit denfelben in Ver­bindung oder ſchliefsen fich, je nachdem die Neigung der Cylinder unter dem Zwang der Kurbelbewegung erfolgt. Diefe einfache Steuerung genügt im Principe Lineares Voreilen fcheint keines vorhanden zu fein und würde auch ein gleich grofses Nacheilen nach dem Hubwechfel bedingen, indem der Cylinder zu Beginn und zu Schlufs des Kolbenlaufes in der gleichen Richtung fteht, und auch die Ausftrömung fcheint fymmetriſch ohne jedes Voreröffnen zu wirken.

Die Weite der Wafferrohre beträgt 12 des Cylinderdurchmeffers, während die Spalten 4 diefes Durchmeffers breit und 12 desfelben hoch find, wodurch fich die Fläche der ie für zwei Cylinder dienenden Rohre auf und die des ein­zelnen Canales auf 16.3 der einzelnen Kolbenfläche ftellt, was wohl geringe Querfchnitte find. Nach nicht weiter klargeftellten Verfuchen foll aber der Nutz Effect diefer Mafchinen 80 Percente betragen.

Aufser dem hohlen Steuer- Drehzapfen findet fich jeder Cylinder noch an einen diefem gegenüberftehenden und in das Seitenfchild gefchraubten, rundǝn Körner geftützt, welcher gleichzeitig das Andrücken der fteuernden Stirnfläche an das Geficht des Mittelftückes beforgt. Beim Austritt des hohlen Drehzapfens aus diefem Mittelflück war keine Stopfbüchfe angebracht oder eine fonft ange­brachte Dichtung von aufsen zu bemerken.

Die Kolben waren mit zweifeitigen Ledermanchetten verfehen, die fchmied­eifernen Böden an die Cylinder mit Ohrflanfchen gefchraubt, die innere Schale für den Kurbelzapfen direct auf die Kolbenftange gekeilt und die beiden Seiten­fchilde waren durch eine Traverfe oberhalb der Kurbelwege gegenfeitig feitlich. verfteift.

Die Maſchinen haben kein Schwungrad, fondern nur eine vorn glatte Riemenfcheibe, welche aufsen auf der Welle fitzt.

Die Fabrik gibt an, mehr als hundert folcher Motoren gebaut zu haben un ihre Mafchinen koften 150 bis 300 Thaler je nach dem Effecte zwifchen 1/ und 212 Pferdekraft, wobei 5 Atmoſphären Wafferdruck angenommen find.

A. Schmid in Zürich.

Der Waffermotor von A. Schmid in Zürich ift wohl bekannt. Er befteht aus einem ofcillirenden Cylinder, deffen Kolben, ftatt von Dampf, von hoch­gefpanntem Waffer betrieben wird, während das übrige Geftänge völlig jenem einer Dampfmaschine gleicht.

Die Schildzapfen des Cylinders find in zwei Hebel gelagert, welche fich vorne beim Kurbellager in angegoffenen Augen der Grundplatte oder vielmehr des mitgegoffenen Lagerblockes ftützen, während fie hinter dem Cylinder durch eine Traverfe vereinigt find. In Mitte diefer Traverſe greift eine unten in die