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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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J. F. Radinger.

z. B. ftädtifchen Wafferleitungen fo fehr erfchweren, und welche im Vereine mit dem Umftande, dafs man den Effect der Mafchine vernünftigerweite nicht anders als nur durch die Umdrehungszahl verändern kann, wohl die Haupthin­derniffe für eine rafche Verbreitung diefes Motors find. Er pafst eigentlich nur für den Betrieb einzeiner, conftant kleine Arbeit verzehrende Mafchinen, ift aber dafür bereits erprobt. Nebenher fei erwähnt, dafs in Zürich ein folcher Motor, auf einem kleinen ambulanten Wagen ftehend, das Rad einer Bandfäge treibt und Brennholz verkleinert. Der nächfte Wafferwechfel liefert die Kraft, das ausge nützte Waffer läuft der Goffe entlang, und deffen Bezahlung gefchieht dem Hub­zähler nach.

Solch ein pferdiger Motor nimmt nach jeder Seite ungefähr 3/4 Meter Raum ein, ift 150 Kilogramm fchwer und koftet 224 fl. fammt Schwungrad und kupfernem Windkeffel. Diefe Maſchinen werden aber kleiner bis/ Pferd( 40 Millimeter Durchmeffer, 60 Hub, 300 Umdrehungen per Minute, 28 Kilogramm fchwer fl. 132) und gröfser bis zu 7.2 Pferde( 300 Millimeter Durchmeffer, 370 Hub, 48 Umdrehungen per Minute, 1300 Kilogramm fchwer fl. 1120) gebaut, wobei der Effectsbeftimmung ftets 20 Meter Druckhöhe zu Grunde liegen. Für höhere Gefälle fteigt der Effect in proportionalem Mafse.

Will man ein Sauggefälle zur Benützung ziehen, fo ift ein zweiter Wind­keffel unmittelbar beim Austritt aus der Pumpe anzuwenden, während dort ein Luftventil hinkommt, um durch den ungehinderten Zutritt von Luft in das Abflufsrohr den gleichförmigen Abflufs des Waffers zu erleichtern und Stöfse zu vermeiden.

Philipp Mayer in Wien.

Der Waffermotor von Philipp Mayer gleicht völlig einer gewöhnlichen Dampfmafchine mit erweiterten Canälen, nur erfcheint nicht der Druck des Dampfes, fondern jener des Waffers als betreibende Kraft.

Von anderen ähnlichen Waffermotoren unterfcheidet fich diefer durch den vorzeitigen Abfchiufs des zuftrömenden Waffers( bei circa 85 Percent des Kolbenweges) und Benützung der Expanfionswirkung eines Luftvolumens, welches von je einem gefonderten kleinen Windkeffel an jedem Cylinderende geliefert wird. Die Gröfse diefes Windkeffel: ändert fich mit der Spannung des Nutzwaffers und der Zweck desfelben befteht in dem langfameren Niederbringen des Druckes auf den Kolben, wodurch der Hubwechfel fanfter erfolgt. Sonftigen effectiven Nutzen gewährt aber derfelbe nicht, indem er felbft früher durch Nutzwaffer gefpannt werden muss.

Um diefen Windkeffel ftets voll Luft zu erhalten, fteht feitlich an jedem Cylinderende je ein kleines, fich nach einwärts öffnendes Luftventil, welches in der Ausftrömperiode faugt, und nach Bedarf feinen Windkeffel fpeift, der fich am höchften Punkte des Cylinders befindet.

Die Mafchine felbft befteht aus einem Cylinder mit angegoffenem Schieber­kaften und hohlem Tragfufse, in welchen die Ausftrömung ftattfindet. Der Cylinder enthält ferner den Vorderdeckel angegoffen und an diefen fchliefst fich der im Kreife verfchraubte, hohlliegende Grundbalken mit angegoffener unterer Führung und den angegoffenen fchiefgefchnittenen Lagern der gekröpften Kurbelwelle, welche aufsen das gedrehte Schwungrad trägt. Die bronzene Innen­fchale des Schubftangenkopfes ift direct auf das runde Ende der Stange gekeilt und hält andererfeits die Aufsenfchale mit Durchfteckfchrauben feft.

Die Waffervertheilung findet auf einem normalen Schiebergefichte mit einem entlafteten Schieber ftatt, welcher ganz dem Schieber der Allen- Mafchine gleicht. Der Normalfchieber ift nämlich feiner ganzen Länge nach von einer feftftehen­den Platte überdeckt, deren über den Lauffchieber niedergebogenen Seiten­wände auf genau gleiche Höhe mit diefen gefchliffen find und auf dem feften