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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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J. F. Radinger.

Fläche nur ungefähr bis 4/5 zur Achfe und der fo entſtehende freie Raum verengt fich trichterförmig nach unten zu, fo dafs fich der Dampf fangen mufs, das Waffer aber nach unten zu frei entweichen kann. In Folge deffen rotirt das Waffer mit dem Mantel und bewegt fich nur, um dem Dampf im oberen Theil jeder Windung Platz zu machen, vielmehr fich ins Niveau zu ftellen, um bei erfolgter Drehung des Mantels die alte Stelle in demfelben wieder einzunehmen.

Die Condenſations- Schraubenrohre find faft wafferleer, indem fie das in ihnen condenfirte Waffer fortwährend zurückfchrauben, und fo die Stelle der Speifepumpen erfetzen. Da das Zurückführen des Waffers entgegen dem Dampf­ftrom ftattfindet, fo tritt das durch die Condenfation gewonnene Speifewaffer voll­ftändig vorgewärmt in den Dampferzeuger zurück.

Für gröfsere Dampfmafchinen diefer Art könnte man den Condenfator fort­laffen, weil derfelbe bei Ausnützung einer höheren Wafferdruck- Säule einen ver­hältnifsmässig geringen Nutzen gewähren würde.( Warum nicht in die Höhe, ftatt nach abwärts hängend gebaut werden? R.) Bei der Arbeit ohne Condenſation würde der Mantel in Folge der geringeren Expanfion des Dampfes mehr cylinder­förmig eingerichtet und der verengte Theil des Mantels oben offen bleiben und mit einem Trichter verfehen werden, welcher als Wafferrefervoir benützt wird, durch welchen das verdampfte Waffer von Zeit zu Zeit nachgefüllt werden kann. Auch der Keffel als getrennter Raum dürfte dann fortfallen und zwar ohne die Leiftungsfähigkeit der Mafchine wefentlich zu beeinträchtigen.

Die Form des Mantels mufs bei Condenſationsmafchinen mit natürlich fehr entwickelter Expanfion des Dampfes im Profil in der Form einer Expanfionscurve eingerichtet, und dem entſprechend die Spirale nach oben zu erweitert werden, je dem vergröfserten Volumen des Dampfes entſprechend.

Anftatt mit Waffer kann diefe Mafchine auch mit anderen Flüffigkeiten, wie Oel oder Quecksilber, betrieben werden. Im letzteren Falle würde der Krafteffect in Folge des gröfseren fpecififchen Gewichtes der Flüffigkeit viel gröfser ausfallen und in Folge der geringeren ſpecififchen und latenten Wärme des Quecksilbers und der Queckfilberdämpfe eine wefentliche Oekonomie an Brennmaterial er zielt werden.

Die Vortheile diefes Motors beftehen( nach Fried. Siemens) neben der grofsen Vereinfachung in der Anlage in einer eben fo grofsen Vereinfachung des Betriebes und der Handhabung, ferner in der Erfparung an Brennmaterial, welche aus folgenden Gründen fehr bedeutend fein mufs:

1. Die Wirkung des Dampfes ift direct, anftatt wie bei gewöhnlichen Dampfmaschinen in entfernt liegenden Mafchinentheilen allerlei Verluften durch Leckung und Abkühlung ausgefetzt zu fein.

2. Wegfall der fo nachtheiligen Flächencondenfation, welche in gewöhn­lichen Dampfmaschinen dadurch entſteht, dafs der Dampf von höherer Spannung und entsprechend hoher Temperatur abwechfelnd denfelben Flächen ausgefetzt wird, mit welchen der expandirte Dampf, welcher bedeutend kälter ift, in Berüh­rung gekommen war.

3. Faft vollkommene Ausnützung der Expanfionskraft des Dampfes. 4. Geringe Widerstände durch Reibung von Mafchinentheilen.

Das in der Ausftellung vorhandene Modell diefes Motors hatte einen Mantel von 19 Meter Länge, deffen Durchmeffer unter 270 und oben, wo die Innenfpirale end ete, 540 Millimeter betrug. Die Condenfator Rohre, circa 25 Millimeter weit, waren aus Kupfer und lagen in einer Doppelfchraube von 0.84 Meter gröfstem Durchmeffer. Die Heizung foll mit einer Gasflamme ftattfinden, deren Schornftein beim Verlaffen der Umhüllung 65 Millimeter Weite befafs.

Calorimotor von Friedrich Siemens. Diefer neue Calorimotor befteht aus zw ei concentrifchen halbkugelförmigen Schalen, deren jede doppelte