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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
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Magneto- elektrifche Mafchine, Syftem Gramme.

273 der Umkehrlinie verfchwindet, taucht auf der anderen Seite derfelben ein anderes auf.

So erzeugen die einfeits der Theillinie befindlichen Elemente einen con­ftanten Strom, beispielsweife pofitiver Richtung, während die auf der anderen Hälfte befindlichen Elemente einen gleich ftarken negativer Richtung ergeben. Hätte die Mafchine keine weitere Zugabe, fo wurden fich die Ströme ftets in der Theillinie aufheben und man würde nichts von dem inneren Vorgange erfahren.

Nun find die Enden jeder einzelnen Section der fortlaufenden Drahtfpule mit je zwei radialen Kupferftäben verbunden, welche, obgleich nahe aneinander ftehend, doch völlig von einand ifolirt find.

Diefe radialen Stäbe find in der Nähe des Mittelpunktes im rechten Winkel umgebogen und laufen dann zu je zwei und zwei in einen gemeinſamen Kupfer­keil aus, fo dafs das Ende des Drahtes des einen Elementes und der Anfang des nächften durch dasfelbe Kupferftück in Verbindung fteht, wodurch die Continuität der Windung principiell nicht geftört erfcheint.

Diefe einzelnen Kupfer Keilftücke, welche natürlich vollständig von einand ifolirt fein müffen, bilden einen zum weichen Eifenkern concentrifchen Ring.

Die äufsere Cylinderfläche diefes Ringes wird nun von zwei aus dünnen Kupferdrähten hergeftellten Bürften berührt, und zwar genau in jener Theillinie, in welcher die von den beiden Gruppen von Elementen herrührenden gleich­ftarken Ströme fich gegenfeitig aufheben. Dadurch werden nun aber die Ströme den mit den Auffangbürften verbundenen Drähten folgen und diefe werden con tinuirliche Ströme führen, indem die Bürften, ftets über mehrere Keilftücke reichend, nie aufser metallifchen Contact gelangen.

Die init der Mafchine zu erzielenden Effecte ändern fich mit der Umfangs­gefchwindigkeit des rotirenden Magnetes; es dürfte jedoch nach den bisherigen Verfuchen fehr wahrfcheinlich erfcheinen, dafs der Effect bei einer gewiffen Gefchwindigkeit ein Maximum erreicht, dann aber, wenn man diefe überfchreitet. entweder conftant bleibt oder gar abnimmt.

Dafs die Stromftärke um fo gröfser wird, je längerer Draht auf den Kern gewickelt ift, dafs zur Erzielung gröfserer Strömftärken mehrere Maſchinen gekuppelt werden können und durch Vergrösserung der Dimenfionen überhaupt der Effect gefteigert werden mufs, bedarf keiner weiteren Begründung.

Die gröfsere mir bekannte Mafchine befteht aus vier Elektromagneten, deren acht Säulen zu zwei und zwei übereinand ftehen, wodurch zwei Gruppen von Magneten und Folge dem auch zwei rotirende Scheiben auf der gemeinfamen Welle erfcheinen.

Diefe find auf einem gufseifernen Sockel von 580 bis 590 Millimeter Seite und 400 Millimeter Höhe aufgeftellt. Die Säulen felbft meffen 120 Millimeter im Durchmeffer und 680 Millimeter in der gekuppelten Höhe.

Die rotirenden Drahtfpulen haben je 280 Millimeter Durchmeffer und 150 Millimeter Breite, die kupfernen Ableitungsfcheiben meffen 150 Millimeter Durchmeffer bei 60 Millimeter Breite.

Die Welle wird von einer 300 Millimeter grofsen, 80 Millimeter breiten. Riemenfcheibe mit 300 Umdrehungen per Minute betrieben und die Mafchine confumirt ungefähr 1 Pferdeftärke.

Gramme fchliefst nun aus folgenden Thatfachen, welche auch bei den von mir vorgenommenen Verfuchen auftraten, auf die Vollkommenheit feiner Mafchine:

Wenn man von der in rafcher Bewegung befindlichen Mafchine einen Strom ableitet, welcher einen gleichen oder gröfseren Widerftand findet, als feine eigene Stärke beträgt, fo erhitzt fich kein Theil der Mafchine, woraus man fchliefsen mufs, dafs die ganze in die Mafchine geleitete Arbeit in Elektricität umgewandelt wird, indem fich kein Theil in Wärme verwandelt.