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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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J. F. Radinger.

Das Material.

Ueber das Material, feine Feftigkeit und deffen übriges Verhalten ergeht fich ein anderer Bericht( Heft 30). Eine neue für den Mafchinenbau verwend­bare Verbindung dürfte in der Phosphorbronce gefunden fein, über welche dort gleichfalls ein Näheres zu finden ift.

Hier kommt allenfalls zu erwähnen:

Das hämmerbare Gufseifen, wie folches von Clarke Bros.& Odling in Nottingham und von F. Fifcher in Traifen( Oesterreich) ausgeftellt wurde, fcheint fich insbefondere für den Klein- Motorenbau bereits einzubürgern und die Verwendung von Schmiedeifen zu complicirteren Formen ziemlich ver­drängen zu können. Clarke behauptet, dafs ihr Material dem Gufsftahl an Güte gleichkommt, fich aber dabei leichter drehen und verarbeiten läfst. Es kann gehärtet und polirt werden wie Stahl.

Verwendet erfchien es zu Kurbeln und Kurbelachfen, Kreuzköpfen, Couliffen, Schrauben, Zahn- und Sperrrädern etc., ferner mit eingegoffenen Nietlöchern zu Kingeinlagen der Locomotiv- Feuerthüren, zu Schraubenfchlüffeln etc. Vor meinen Augen wurde ein Kreuzkopf zufammengedrückt und ein Schraubenfchlüffel um 90 Grad verwunden, ohne dafs fich eine Rifsfpur zeigte.

Zerreifsproben gaben bei Fifcher's Material ziemlich gleichmäfsig circa 28 Kilogramm Zugfeftigkeit per Quadratmillimeter und o o1 Längen Dehnung nach dem Bruche.

Der Preis beträgt für kleinere Stücke, o 5 und für gröfsere o 2 Gulden per Kilogramm.

Die Gufsftahl und Waffenfabrik Witten( vormals Berger& Comp.) in Witten an der Ruhr, welche feit Jahren das Schmieden ſchwieriger Maſchinen­beftandtheile aus Stahl als Specialität betreibt, ftellte eine doppelt gekröpfte Kurbelachfe für eine Zwillingsmaschine von circa 300 Millimeter Cylinderweite und eine Sammlung von Kolben- und Schubftangen etc., alles in jenem halb­fertigen Zuftande aus, wie es diefes Etabliffement meiftens liefert.

Erwähnenswerth find zwei ftählerne Dampfkolben von 400 Millimeter Durchmeffer, welche mit ihren 65 Millimeter dicken, über ein Meter langen Kolbenstangen und Kreuzkopfftau in Einem, das ist ohne Schweifsung hergestellt waren. Einer diefer Kolben war in gefchmiedetem und der andere in fertigem Zuftande ausgeftellt und der Letztere liefs das vorzügliche Material beftens erkennen.

Bochumer Verein Eine Gufsftahlwelle von 5.60 Meter Gefammtlänge und 418 Millimeter gröfster Dicke mit zwei um 90 Grad verdrehten Kurbel­kröpfungen( in o 425 Meter Halbmeffer), wie fie für eine Walzenzugsmaschine beftimmt ift, bildete nebft dem Dampfcylinder eines Hammers von 15.000 Kilo­gramm Fallgewicht, der mit Dampfcanäien, Tragplatten etc. aus einem Stück Tiegelftahl( 7000 Kilogramm fchwer) hergestellt war, die hier zu erwähnende Ausstellung diefer bekannten Werke für Bergbau und Gufsftahl- Fabrication.

Unter Anderem waren hier auch zwei hydraulifche Prefscylinder für 483 und von 632 Millimeter Kolbendurchmeffer ausgeftellt, deren letztere bei 102 Millimeter Wandftärke( zu Haswell's Schmiedepreße in Wien verwendet) 460 Atmoſphären mit Sicherheit erträgt.