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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Die Indicatoren.

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Diefes Ventil mit feiner Hubhöhe von 15 Milli­meter erfetzt nun den Indicatorkolben. Auf diefes drückt die Belaftungsfeder und die Spitze feiner( Kolben-) Stange trägt den fchreibenden Stift.

Nun würde fich die ganze Wirkungsweife des Instrumentes darauf befchränken, auf der von der Mafchine in gewöhnlicher Weife angetriebenen Papier- Trommel fo lange eine Horizontale zu fchreiben, als der Dampf unter jener Spannung bleibt, welche dem Druck der Feder entspricht und dann einen 15 Millimeter hohen Ruck zu machen, wenn die Dampf die Federfpannung überholt, worauf wieder die Linie horizontal fortginge. Diefs gefchieht auch thatfächlich, nur kann wäh rend des Verfuches die Federfpannung mittelft einer Schraubenfpindel und Kurbel von der Hand des Beob­achters in beliebigem Zeitmafs geändert werden, wodurch die Millimeter hohe Stufe in der Horizontalen, welche ftets jene Punkte des Kolbenweges kennzeichnet, wo fich Dampf- und Federfpannung gleichen, entsprechend weiterrückt.

Wird aber auch die Papiertrommel auf ihrer Achfe und zwar durch diefelbe Spindel verfchoben, welche die Federfpannung ändert, fo decken fich die einzelnen Horizontalen nicht mehr, fondern bilden ein Syftem paralleler Linien, deren jede eine einzelne kleine Stufe zeigt, aber deren Gefammttheil das Dampfdiagramm gibt.

Die Schraubenfpindel fteht zwifchen Gehäufe und Trommel. Die Feder­ftange des erfteren wird nun durch eines von den drei Radpaaren verfchiedener Ueberfetzung mitgenommen, welche zwifchen Spindel- und Federfchraube ein­gefchalten find, wodurch man das eine oder andere in Eingriff nehmend die Theilung des Diagramms feiner oder gröber einftellen kann.

Diefes Inftrument ift derartig wohl erdacht, dafs es für den erften Anblick überraschend einfach und zweifellos ficher erfcheint. Wenn man aber näher nach­denkt, fo kommt man zur Einficht und durch anderweitige Verfuche kam ich zur Ueberzeugung, dafs felbft diefes Inftrument bei fchnellem Gang nicht abfolut genaue Angaben machen kann.

Jeder Körper braucht nämlich zu feiner Ingangbringung einer gewiffen Arbeit, welche in feiner Maffe die Bewegungsgefchwindigkeit erzeugt. Diefe Arbeit kann als endlich grofs nur in einer endlichen Zeit aufgenommen werden und daher erfolgt jede Bewegung mit einer gewiffen Nacheilung gegen ihren Impuls. Diefes Nacheilen ift in der Regel verfchwindend, aber bei fchnellgehen­den Dampfmaschinen bereits merkbar.

Macht beispielsweife eine Mafchine nur 180 Umdrehungen per Minute, fo kommen drei ganze oder fechs halbe Umgänge per Secunde. In der Nähe der

fenkrechten Lage entfpricht ferner 120 des Kolbenhubes

TT

20

ungefähr

1/31 des halben Umfanges und findet die Drehung mit gleicher Winkelgefchwin­

I

I

I

digkeit ftatt, fo vergehen weniger als

0.0054 Secunden,

31

6

186

während der Kolben 5 Percent Weges zurücklegt.

Ein verfpätetes Eintreten der Bewegung um 1/186 Secunde fcheint aber nicht unmöglich, wenn man die kleinen Druckdifferenzen bedenkt, welche die Bewegung von der Ruhe aus veranlaffen und wird zur vollen Gewifsheit, wenn