Dokument 
Dampfkessel : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen

Der Dingler- Hochdruckkeffel.

43

Hälfte es( fammt dem Rücken des Unterkeffels) beftrich, zog an dem Dampfraume des Oberkeffels nochmals nach vorne, um endlich durch den Vorwärmer Röhren­Canal zum Schornftein zu gelangen. Dabei ward der Zug nirgends nach abwärts geführt, denn auch die letzte Verbindung zwifchen Keffel und Schlott fand durch ein horizontales Eifenrohr ftatt.

Der weitere logiſche Gedankengang, nach welchem fich auch anderfeits die Dimenfionen diefes Keffels gaben und auseinander entwickelten, war folgender:

Mehr als 15 Millimeter dicke Bleche find für geheizte Keffelwandungen nicht mehr zuläffig, weil fich folche bei der Herstellung und dem Betriebe unficher verhalten.

Der Unterkeffel vorliegender Conftruction und für 1o Atmoſphären Druck konnte defshalb nur einen Durchmeffer von höchftens 100 Meter bekommen ( was 12 Dp+ 3 entfpricht). Diefer Durchmeffer bedingte den Durchmeffer der Feuerbüchfe von o'70 Meter im Lichten, da man doch 15 Centimeter Abftand für das zweifeitig geheizte ftrömende Waffer und die enthaltenen Dampfblafen etc. zwifchen den beiden Wandungen laffen musste.

In der Stirnwand diefer Feuerbüchfe liefsen fich nicht mehr als 31 Feuer­röhren von 3 Zoll engliſch Durchmeffer( 76 Millimeter äufserem, 70 Millimeter innerem, 38 Quadrat centimeter lichtem Querfchnitte) unterbringen. Die Gefammt­öffnung diefer Rohre bildete den Zug- Querfchnitt 31 X 38.48= 1192 Quadratcenti­meter.*

Diefer Zug- Querfchnitt befchränkt die zuläffige Roft- Oberfläche auf 9 X 1192 10.728 Quadratcentimeter oder rund I Quadratmeter, wobei fchon ein ungewöhnlich gut ziehender Kamin vorausgefetzt werden mufs.**

Der Roft durfte alfo bei o 7 Meter Breite nicht mehr als 14 Meter Länge

erhalten.

Wollte man den Roft länger, alfo die Roffläche gröfser nehmen, fo wäre bei dem geringen Röhren- Querfchnitte ohne künftlichen Zug keine richtige Ver­brennung mehr zu erzielen gewefen. Ein Roft aber von den obigen Dimenfionen fchien fehr überfichtlich und gut zu bedienen, während er doch fchon eine recht intenfive und vollſtändige Verbrennung erhoffen liefs.

Da bei der Steinkohlen- Feuerung eine Vergrösserung der Heizfläche über das 25fache der Roftgröfse hinaus erfahrungsgemäfs nur mehr wenig Einzeln- aber gar keine ökonomifchen Vortheile mehr im Ganzen bietet, fo wurde die unter Waffer ftehende Heizfläche diefes Keffels auf 25 Quadratmeter begrenzt und darnach alle übrigen Dimenfionen beftimmt..

So erhielt denn der Unterkeffel eine Länge von 3.48 Meter, von welchen 125 Meter( nutzbar) auf die Röhren entfielen. Der Oberkeffel follte aus etwas dünnerem Blech angefertigt werden und bekam o 86 Meter Durchmeffer bei 3.62 Meter Länge; er wurde, wie bereits erwähnt, mittelft zwei Verbindungsftutzen,

* Chevalier& Grenier in Lyon, welche ähnliche Keffel bauen, helfen fich dennoch bedeutend dadurch, dafs fie die gleichfalls 70 Centimeter weiten Feuerbüchfen hinten kurz wulftförmig auf 82 Centimeter Durchmeffer austreiben, wodurch 34 Rohre à 82 Milli­meter lichter Weite untergebracht werden können, und ein Röhren- Querfchnitt von rund 1800 Quadratcentimeter ftatt wie an Dingler's gleicher Feuerbüchfe von rund 1200 Quadratcenti­meter gewonnen wird.

Solche Keffel von Chevalier ftehen noch gegenwärtig in ziemlicher Anzahl auf den Baggerfchiffen der Donauregulirungs Unternehmung bei Wien, und das Detail hält tadellos. Dabei ift die Feuerbüchfe excentrifch im Aufsenkeffel( von I'I Meter Durch­meffer) und bei Dingler's Keffel verwendet, bliebe für die Wafferftrömung noch immer ein Ring von 9 Centimeter, mehr als nöthig, frei.

Das Verhältnifs der Rohr- Querschnitte zum Rofte käme aber dann von auf 1; und

wäre jedenfalls günftiger für den Brand.

** Die Verbrennung wurde dabei doch fchon fehr befchränkt, und zwar mit 45 bis 50 Kilogramm Kohle per 1 Quadratmeter Roffläche und Stunde angenommen.