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J. F. Radinger.
Bei Hochwaffer fuchte ein Schwimmer das Speifeventil mit einem ftark überfetzten Hebel zu fchliefsen, und weckte mit dem einen Widerftand, der die Speifung reduciren oder gänzlich unterbrechen konnte.
In der Feuerbüchfe lag keine Niethe und kein doppeltes Blech, welche ein paffendes und verfteifendes Aufbiegen der Hitze entrückte; die anderen Böden waren ausgetrieben, die Stutzen aus einem Stücke und beiderfeits angeniethet, und das Mannloch durch einen Ring verftärkt.
Die Verfchraubung des ausziehbaren Innenkeffels vorne, welche möglicherweife fchweifsen konnte, barg eine aufgelegte Gufsplatte, die gleich die( gegitterte) Heizthüre und den einen Roftträger enthielt. Das Ausziehen wäre durch fünf oder fechs Lüftfchrauben im vorderen Rande und zwei Schlitteneifen hinten erleichtert gewefen. Zwei Ankerfchrauben im horizontalen Durchmeffer, gleichfam der neutralen Achfe liegend, verbanden noch die Rohrwände und fichern die richtige Entfernung, wenn felbft fämmtliche Rohre zum Auswechfeln kämen.
So lag der Keffel, vollendet nach heutiger Art, im deutfchen Keffelhaufe. Ein Blechrohr von 0.5 Meter Quadratfeite enthielt die Droffelklappe und führte vom letzten Zuge zum eifernen Schlote, der unten 60, oben 40 Centimeter Weite befafs.
Der Roft hatte alfo 25 der Heizfläche, und es boten feinen Gafen die Rohre 19, die Züge zum Keffel und zum Schornfteine 4 und diefe felbft unten 1/ 3.5 und oben 1/8 der Roftfläche dar.
Ich brauche nicht zu wiederholen, dafs ich trotz der ausgezeichneten übrigen Conftruction diefes Keffels den Rohrquerfchnitt von der Roftfläche nicht gutheifsen kann.
Der Zug war kein völlig energifcher, und bei geöffneter Feuerthür verrieth eine ftarke, rückfchlagende Hitze den gedroffelten Gang. Diefs wird auch noch durch Mittheilung der Fabrik beftärkt, dafs an Quadratmeter Roft im Mittel 45 bis 50 Kilogramm Kohle per Stunde verbrennen, während bei gutem Zuge das Doppelte und mehr erreichbar und das 1% fache normal ift. Er foll damit und wird 270 bis 300 Kilogramm Dampf erzeugen, wovon alfo per Quadratmeter Heizfläche und Stunde II bis 12 Kilogramm entfallen, was im gleichen Verhältniffe wie oben zurückfteht. An ein Forciren des Keffels, was doch auch manchmal wünschenswerth oder nothwendig werden kann, ift dabei ohne Unterwind gar nicht zu denken.*
Aus dem Ganzen ift nun zu entnehmen, dafs diefes fonft gute und logifche Syftem mit dem Ausftellungskeffel faft in feinem gröfstmöglichen, in einem übergrofsen Exemplare vertreten war, und dafs es für 10 Atmoſphären Druck und geniethete Bleche nur bis ungefähr/ diefer Gröfse als normal verwendbar erfcheint, wenn das Chevalier'fche Detail nicht herangezogen wird und hilft.
Was die Ausführung betrifft, fo war diefelbe tadellos und das Verhalten des Keffels während der ganzen Ausftellungszeit derartig vollkommen, dafs feine Mafchine nie zu ftehen brauchte. Als er aus dem Mauerwerke kam und verladen wurde, zeigte er fich ohne irgend welche fchweifsende Stellen, deren Auftreten gerade bei innen geheizten Syftemen am früheften zu erwarten fteht.
Das Gewicht diefes Keffels ftellte fich ohne Armatur auf 4421 Kilogramm; der Röhren- Vorwärmer hatte 353 und die ganze übrige Heiz- und Sicherheits
* Zur Begründung diefer Anficht habe ich ferner noch beizufügen, dafs bei guten Locomobilen das Verhältnifs zwifchen Rohr- und Roftquerfchnitt zwifchen 1/5 bis höchftens 1½ fchwankt. Die Clayton'fchen Spferdigen( 15 Quadratmeter Heizfläche) z. B. haben 750 Quadratzoll Roft und 30 Rohre à 23% Zoll licht; dic 20pferdigen( 31 Quadratmeter Heizfläche) 1550 Quadratzoll Roft and 49 Rohre à 23 Zoll. Die Verhältniffe ftellen fich daraus auf 1: 5'6 und auf 1: 7'1, und der Zug wird durch das Blasrohr angefacht.