Dokument 
Dampfkessel : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen

56

J. F. Radinger.

Diefes Keffelfyftem ift in England und Frankreich faft gar nicht verwendet, jedoch in Deutſchland und Oefterreich eines der beliebteften und häufigft gewähl ten. Dic Vortheile, welche es bietet, beſtehen hauptfächlich in hoher Sicherheit und leichter Reinigung; es liefert trockenen Dampf( per 1, Quadratmeter Wafferfläche entfteigen circa 80 Kilogramm Dampf per Stunde gegen 300 bei den horizon­talen Röhrenkeffeln) und hält in Folge des grofsen Inhaltes Druck und Wafferhöhe mühelos conftant. Die Bleche liegen allfeitig für die Unterfuchung frei, und eine Reparatur fällt nirgend leichter als hier. Die verfchiedenen Temperaturen können einem Syfteme keinen Schaden bringen, wo fowohl der Hauptkeffel als der letzte Sieder nur durch je einen einzigen Stutzen nahe an ihren Enden feftgehalten werden, und fomit Nichts die Ausdehnung unter Wärme und Druck hemmt. Solche Keffel werden im zerlegten Zuftande transportirt und der Vorwurf, den man ihnen mit dem möglichen Undichtwerden der Verbindungsverfchraubung machte, entfällt. feit die Dichtung zwifchen den gedrehten Flächen der angenietheten Flanfchen bewirkt oder noch beffer ganz umgangen wird, indem man die Stutzen aus Einem herftellt und deren aufgebogene Ränder am Orte der bleibenden Aufstellung verniethet.

Die Nachtheile, welche feine Gegner betonen, find: gröfseres und tief gehendes Volumen der Anlage, theueres Mauerwerk, längeres Anheizen und leichter eintretende Corrofion der Siedertafeln. Letzterer Mifsftand, deffen häufiges Vorkommen nicht blofs den Blechen zugefchrieben werden darf, hat doppelten Grund. Liegen die Sieder zu wenig oder gar falfch geneigt( was befon­ders bei Ein- Siederkeffel wegen des hinteren Ablaufes öfter beliebt wird), fo geber. die Luftblafen Veranlaffung zum Durchbrennen etc. der Platten. Zweitens ift es aber im Syfteme liegend, dafs das eingeführte Waffer nicht wie anderswo durch eine Circulation erfafst und im ganzen Keffelraume vertheilt wird, fondern als compacte Maffe hinten bleibt und nur langfam vorrückt. Enthält es nun für die Bleche fchädliche Beftandtheile, fo concentrirt fich deren Wirkung auf kurzer Länge, und der Keffel leidet örtlich, aber rapid.

Dem erften Fehler beugt nun die Senkung des Keffels, dem zweiten die Verwendung reinen Speifewaffers vor, und Beides wird hier verlangt.

Von der Einmauerung der Ausftellungskeffel mufs noch bemerkt werden, dafs der Feuercanal bis circa 12 Centimeter über den horizontalen Durchmeffer des Hauptkeffels reichte. Dort fchlofs er mit mehreren Ziegelfchaaren dicht an die zu begrenzende Wand. Oben wölbte fich jedoch eine freigespannte Tonne in Abftand von 8 Centimeter über dem Keffel, und der fchmale Raum, der dadurch entftand, blieb hinten durch eine verengte, aber offene Stelle mit dem Feuerzuge in Verbindung und hielt fo rings um den Dampfraum( und den Dom) ruhende, aber doch heizende Luft. Zwifchen je zwei Keffeln blieb ein Spalt im Mauerwerke ausgefpart. Die Blechftöfse waren derart vertheilt und die Feuerbrücke fo gerun­det, dafs die Stichflamme keine Niethung traf.

Die Keffel waren weitaus geräumig, dafs ihr Befahren und Putzen bequeni vor fich gehen konnte, wie es alle jene Keffel erheifchen, welche ftarke Nieder­fchläge aus dem verdampften Waffer erwarten laffen, und diefs beifpielsweife am Rande der Alpen der Fall ift, wo oft ein Keffelftein an die Wandungen wächft, der mit dem Meifselhammer Splitter für Splitter weggefchlagen werden mufs, denn er ift hart wie ein Fels.

Jeder Keffel bot ungefähr 60 Quadratmeter Heizfläche dar. Die Zeh'fchen Schüttelrofte, deren Bewegung eine Transmiffion von den innengehenden Speife­pumpen aus beſorgte, hatten je 177 Quadratmeter, was 1/3 entfprach. Die Züge waren ganz befonders weit und befaffen um die Keffel 1/ 1.8, beim Regifter 1.7 und wenn man die Effe( Durchmeffer 12 Meter) für zwei gleichzeitig betriebene Keffel hält, dort der Roftfläche. Jeder wog 11.000 Kilogramm ohne Armatur und koftete 4840 fl.( 44 fl. per 100 Kilogramm).