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Dampfkessel : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger
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J. F. Radinger.

erwarteten und gleichzeitig einen Mitfchutz gegen eine radiale Formänderung des von aufsen geprefsten Rohres gewähren. Die erfte Bedingung fordert einen dünnen, die zweite einen ftarken Querfchnitt des Ringes, und die rechte Mitte trifft, wenn überhaupt beftehend, nur die Erfahrung für den fpeciellen Fall.

Nachdem aber die Sicherheit unbedingt vorangeht, fo ift die Wahl eines zu ftarken Querfchnittes für einen Verfuchskeffel naheliegend und machte fich auch hier bemerkbar. Das Flammrohr war nämlich ausnehmend ftark, aber federte zu wenig, in Folge deffen es an den Verfchraubungen zerrte und ein Schweifsen Platz greifen liefs. Diefes bemerkte man aber nur in den oberen Theilen, wie es fich auch ganz logifch durch die gröfsere Erwärmung der oberen Hälfte erklärt, welche von der ftrahlenden Hitze ober dem Rofte und den hinftrömenden Flammen getroffen wurde, während unten eine geringere Wärme und vorne felbft eine Kühlung durch die zum Rofte kommende Luft eintrat.

Als aber nach Schlufs der Ausftellung der Keffel zerlegt im Hofe war, konnte man durch den vorderen Stutzen ins Innere des Unterkeffels und auf den Ring fehen. Der Keffelftein war von demfelben nicht abgefprungen, fondern bedeckte ihn ebenfo ungeftört wie die anderen Tafeln, wodurch das Nichtfedern des Ringes wohl am deutlichften kundlag.

Die Verbindungsftutzen befafsen je 40 Centimeter lichten Durchmeffer oder eine Querfchnittsfläche von 0 125 Quadratmeter, welche die Dampf- und Waffer­ftröme vom Unter- zum Oberkeffel leiten mufste. Die untere Heizfläche berechnet fich auf 35 Quadratmeter und das Verhältnifs der Stutzenweite zu diefer betrug daher 1: 280, was fich durch ftarkes Schwanken im Glafe als einen Grenzwerth anzeigte. Die Ausführung der Keffelfchmied- Arbeit war, wie ich mich fchliesslich an dem vom Mauerwerke entblöfsten Keffel felbft überzeugte, eine felten mufter­hafte. Nirgends waren die Biegungen reiner, die Kanten fchärfer, die Niethungen ungezwungener als hier. Mit letzteren war noch mancher Luxus getrieben, und beiſpielsweife die Niethenköpfe der Stutzenflanfchen und der gufseifernen Dom­decke verfenkt.

Die Ausrüftung des Keffels war die normale. Ein centrifcher Vorkopf oben trug zwei Wafferftands- Gläfer und ein Manometer; Dampf- und Sicherheits­ventile fafsen auf einem Dome mit Gufsdecke, deffen Platz nicht eben ganz glücklich gerade über den Vorderftutzen kam. Ein gefondertes Mannloch mit aufgeniethetem Gufskranze, ein vorne unten mündendes Knierohr für Speifung und Ablaffen etc. dienten der Wartung und Reinigung. Zu letzterem Zwecke wurde das Flammrohr. während der Ausftellungszeit( meines Wiffens) nicht herausgezogen.

Im Mauerwerke geftattete ein für gewöhnlich vermauerter Zugang das nöthige Nachfehen und allfällige Reparaturen an der Hinterwand und die Reini­gung der Züge und des ganzen Unterkeffels von Flugafche und Rufs.

Die Heizfläche ftellte fich auf circa 44 Quadratmeter, die Roftfläche auf 15 Quadratmeter, das ift faft 10 der erften. Der Endzug hatte o 4 Quadratmeter oder 18 des Roftes.

Der Keffel war für 6 Atmoſphären Betriebsdruck beftimmt, und aus 9 Milli­meter dicken Blechen oben und folchen von II Millimeter unten hergestellt, was einer Formel von= II D p+ 3 zu entfprechen fcheint.

Diefer Dampfkeffel fammt Feuerungsanlage und Armatur wurde der General­direction von Seite der Mafchinenfabrik für die Dauer der Ausftellung ganz unent­geltlich zur Verfügung gestellt.

Nun beabsichtigt die Fabrik an diefem Verfuchskeffel weitere Studien vor­zunehmen; z. B. ob fich nicht die Verfchraubung des Flammrohres mit dem Unter­keffel durch fefte Niethung erfetzen liefse und die Abfchreckung des Keffelfteines, wie es in ftehenden Feuerrohr- Keffeln genügt, nicht auch hier ausreicht.

Hauptfächlich zielt die Fabrik mit diefem Keffel zu einem Syfteme zu gelan­gen, welches bei ftufenweife wechſelndem Dampfverbrauche( z. B. Beffemer- Anla­gen) pafst.