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Apparate der chemischen Grossindustrie : Abdampf- und Destillir-Apparate für Laboratorien und pharmaceutische Zwecke, Eismaschinen und Apparate der Leuchtgasfabrication ; (Gruppe III) ; Bericht / von Johann Stingl, Präparator an der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Apparate der chemifchen Grofsinduftrie.

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breit ift. Diefe fchiefe Ebene wird von unten durch die abgehende Wärme eine Flamm- Röftherdes B, nachdem diefelbe zuvor eine Mufel C umfpielt hat, auf eine Temperatur erhitzt, dafs an allen Stellen Antimon fchmilzt. Damit die Erzfchliche auf diefer geneigten Fläche gleichmäfsig nach abwärts gleitet und nicht an der tiefften Stelle fich anhäuft, find 15 Scheidewände 6 in Abftänden von 05 Meter angebracht, die perpendiculär auf die fchiefe Ebene ftehen, von derfelben aber um o'or Meter abftehen, um dem Erze einen Weg frei zu laffen.

Diefe Scheidewände erftrecken fich nicht über die ganze Breite der fchiefen Röftplatte, fondern ftehen abwechfelnd bald von der linken, bald von der rechten Umfaffungsmauer der Röftfläche um o 4 Meter ab, während fie mit dem entgegen­gefetzten Ende, an die Mauer dicht anliegend, befeftigt find, fo dafs die Röftgafe in Zickzackwindung auf einem langen Wege über die zu röftende Blende ftreichen Am unteren Ende der fchiefen Fläche befindet fich eine cannelirte Walze a welche die Breite der erwähnten Fläche abfchliefst. Diefe Walze ift innen hohl damit ein Luftftrom hindurchftreichen kann, um diefelbe zu kühlen. Wird nun diefe Walze gedreht, fo wirft fie ein beftimmtes Quantum Erz, von der Röftfläche entnehmend, auf die Sohle der Muffel C. Nach der Schnelligkeit diefer Bewegung läfst fich die Menge des Erzes genau reguliren, die in einer beftimmten Zeit in die Muffel gebracht werden foll. Hiedurch kommt die auf der Röftplatte ausge­breitete Blendefchicht in Bewegung und rutfcht in dem Mafse abwärts, als die Walze Erz in die Muffel wirft.

Diefe befitzt eine Länge von 6.4 Meter, eine Breite von 1.8 Meter und eine Höhe von o'3 Meter und wird von den Feuergafen eines unter der Muffel liegenden Flammen- Röftherdes B umfpült und fo erhitzt. Das in die Muffel gelangende Erz wird nun von Arbeitern von Zeit zu Zeit durch feitlich angebrachte Arbeitsöffnun­gen R( Fig. 3), 5 an der Zahl, die zugleich den Luftzutritt vermitteln, auf der Sohle der Muffel nach vorwärts bewegt bis dasfelbe nahe am Ende der Muffel zu einer Oeffnung t gelangt, durch welche es auf die Sohle eines Flammen- Röft­herdes B fällt, wo die Erze durch ein directes Flammenfeuer zu Ende geröftet werden. Während nun die Röftgafe aus der gefchloffenen Muffel über die fchiefe Röftfläche ftreichen und von hier mit 7 bis 9 Volumen Percent fchwefliger Säure beladen in die Kühlkammer und hierauf in die Bleikammer ftreichen, fo geht jener Theil der fchwefligen Säure, der im Röftherde fällt, mit den Feuergafen des Flammen­ofens, nachdem fie die Muffel- und Röftfläche erhitzt, in den Schornftein S und fomit für die Schwefelfäure- Fabrication verloren.

Die Heizung des Flammenherdes gefchieht durch Gasfeuerung.

Was nun den Grad der Abröftung in den drei verfchiedenen Röfträumen diefes Ofens betrifft, fo möge folgendes Beiſpiel denfelben erläutern. Nach Hafen­clever zeigten fich bei einer fchwefelarmen Blende mit 20 Percent Schwefelgehalt: am Ende der fchiefen Ebene noch ein Schwefelgehalt von

Muffel noch ein Schwefelgehalt von

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6.9

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79

und abgeröftet am Ende des Röftherdes ein Schwefelgehalt von fo dafs 82 Percent des Gefammtfchwefels der Schwefelfäure- Fabrication zu gute kamen und die geröftete Zinkblende nur mehr 12 Percent Schwefel enthielt, ein Schwefelgehalt, der die Verhüttung der Zinkblende vortheilhaft geftattet.

Ueber die Gröfse des Durchfetzquantums und die Menge des Brenn­material- Verbrauches für ein beftimmtes Quantum abzuröftender Blende liegen für diefen Röftofen keine Daten vor. Die Vortheile diefes finnreichen Röftappa­rates find mehrfach. Vor Allem geftattet er die vollkommene Abröftung der Blende in einem Zuge ohne Unterbrechung der Röftoperation; ferner wird der gröfste Theil des Schwefelgehaltes gegen 80 Percent zur Schwefelsäure­Fabrication verwendet und doch fallen Röftrückftände, die zur Verhüttung auf Zink vollkommen tauglich find. Brennmaterial- Verbrauch und geringeres Durch fetzquantum gegenüber den Schüttöfen wird ihm vorgeworfen.