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Apparate der chemischen Grossindustrie : Abdampf- und Destillir-Apparate für Laboratorien und pharmaceutische Zwecke, Eismaschinen und Apparate der Leuchtgasfabrication ; (Gruppe III) ; Bericht / von Johann Stingl, Präparator an der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Apparate der chemifchen Grofsinduftrie.

Concentration der Schwefelsäure.

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In diefem Zweige der Schwefelfäure- Fabrication wurden in neuefter Zeit wefentliche Fortfchritte gemacht, da einestheils durch die Maffenhaftigkeit der erzeugten Schwefelfäure, andererfeits durch die Preiserhöhung der Brenn­ftoffe der Fabrikant genöthigt war, diefen Umftänden Rechnung zu tragen. In letzterer Beziehung war es vorzüglich die rationelle Benützung der mit den Röft­gafen abgehenden grofsen Wärme quantitäten zum Behufe der Concentration, welche eine wefentliche Erfparnifs an Brennftoffen und mithin billigere Erzeugung ermöglichte. Ein zweckmäfsiger Apparat, um den erwähnten Zweck zu erreichen, indem derfelbe hiedurch die heifse fchwefelige Säure auf 70 Grad Celfius kühlt, ift der Glowerthurm, in welchem aufser den früher erwähnten Vorgängen auch die Zerfetzung der nitrofen Säure bewerkstelligt wird.

Derfelbe kam zwar nicht zur Ausftellung, allein da er in den Schwefelfäure­Fabriken, die Kiefe verröften, immer mehr und mehr Eingang findet, foll er hier kurz befchrieben werden. Er beſteht aus einem aus Bleiplatten geformten Thurme von 20 bis 25 Fufs Höhe, der innerhalb der Bleiplatten ausgemauert ift, um dem Thurme Feftigkeit zu geben und hauptfächlich, um die rafche Temperaturver­minderung in Folge des guten Wärmeleitungsvermögens des Bleies zu verhindern.

Diefer Thurm ift nun von unten nach oben angefüllt mit einem Gitterwerke aus feuerfeften Ziegeln( wegen ihrer Reinheit benützt), dann mit Quarzftücken und zuletzt mit Coaks. Gefchloffen ift der Thurm durch Bleiplatten. Ueber dem Thurme befinden fich zwei Refervoirs, wovon das eine für die 50grädige Kammerfäure und das zweite für die aus dem Gay- Luffa c- Thurme kommende nitrofe Säure dient. Jede diefer Flüffigkeiten läuft genau regulirt auf ein aus Glasröhren verfer­tigtes Segner'fches Rad, damit diefelben ordentlich vertheilt werden; denn die Säuren werden hiedurch in durch Zwifchenwände abgetheilte runde Bleigefäfse entleert. Aus jeder diefer Abtheilungen geht ein Bleirohr weg. Ein folches Rohr mit 500 Säure und ein entſprechendes mit nitrofer Säure münden immer gemeinfchaftlich in eine Oeffnung der oberen Decke des Thurmes. Diefe Oeffnun­gen find nun regelmässig vertheilt, fo dafs Kammer- und nitrofe Säure gemifcht, gleichmäfsig und richtig vertheilt über die Füllmaffe des Thurmes, der heifsen fchwefeligen Säure entgegenfliefsen, hiedurch Waffer abgeben, welches im Ver­eine mit Wärme die nitrofen Dämpfe entbindet, welche mit fchwefeliger Säure gemengt wieder der Schwefelfäure- Fabrication zu gute kommen.

Die beiden Säuren gelangen an der unterften Stelle des Thurmes auf 60 Grad B. concentrirt an.

Lunge behauptet gegen Bode, dafs die Concentration bis 62 Grad Beaumé im Glowerthurm getrieben werden kann.

Handelt es fich bei der Schwefelfäure- Fabrication um eine concentrirte 66grädige Säure, fo gefchieht diefe Concentration jetzt beinahe ausfchliefslich in den Platinretorten, deren Werth in Folge der Concurrenz und der Bearbeitungs­methode des Platins nach H. St. Cl. Deville, welche die Engländer acceptirten, bedeutend heruntergegangen ift.

Auf der Ausftellung hatten die zwei berühmten Firmen: Johnfon, Ma­they& Comp. in London und Desmoutis, Quenneffen& Comp. in Paris neben anderen Platingegenständen auch Platinkeffel zur Ausftellung gebracht. Der Keffel der englifchen Firma hatte eine fchlanke Form und war mufterhaft gearbeitet; dadurch, dafs der Helm unter einem ftumpfen Winkel nach aufwärts ftieg, mithin höher wurde, ift die Möglichkeit einer vollkommeneren Condenſation der mitgeriffenen Schwefelfäure gegeben.

Statt der bis jetzt gebräuchlichen Breant'fchen Kühlvorrichtung der concen­trirten heifsen Schwefelfäure, beftehend aus einer heberartigen Vorrichtung, deren. längerer Schenkel in mehrere enge gerade Röhren getheilt ift, welche in Kühlwaffer liegen, verwenden J. Mathey& Comp. als Erfatz für diefe Röhren eine Kühl­