Apparate der chemifchen Grofsinduftrie.
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Deckel d pafst, der ein Anfatzrohr hat. Die Röhre ift unten offen und wird fo weit in die Heberröhre gefchoben, dafs ihr unteres Ende etwas über die oberfte Feuergrenze a b zu ftehen kommt. Oeffnet nun bei diefem Stande der Röhre der Arbeiter den Ablafshahn, fo wird folange Säure aus dem Keffel fliefsen, als das Ende der Röhre noch in Säure taucht, mithin gefchloffen ift. Sobald diefs nicht mehr der Fall, tritt durch die offene Röhre Luft in den Heber, derfelbe entleert fich und hört auf, als Heber zu functioniren.
Soll der Keffel ganz abgelaffen werden, fo wird das obere Ende der Röhre durch einen Platinpfropfen luftdicht verfchloffen und diefelbe fo wirkungslos gemacht.
Diefe Vorrichtung hat den Nachtheil, dafs beim Stofsen der fiedenden Flüffigkeit im Keffel, welches häufig vorkommt, Säure aus demfelben durch die Röhre herausgefchleudert wird.
Die Firma Johnfon, Mathey& Comp. brachte auch den bekannten Platinapparat zur quantitativen Beftimmung von Gold in Legirungen mittelft Salpeterfäure zur Ausftellung.
Aufser der hier erwähnten Methode der Concentration der Schwefelsäure auf 66 Grad Beaumé brachte A. de Hemptinne fein Syftem der Schwefelfäure Concentration durch eine Zeichnung zur Anfchauung. Dasfelbe beruht auf den fchon von Kuhlmann 1844 gemachten Beobachtungen, dafs 66grädige Schwefelfäure, die bei gewöhnlichem Drucke bekanntlich erft bei 325 bis 327 Grad Celfius fiedet, in einem luftverdünnten Raume von 3 bis 4 Centimeter Queckfilberdruck fchon bei 190 bis 195 Grad Celfius fiedet, wobei Blei noch nicht angegriffen werden foll.** musiqu
De Hemptinne conftruirte nun einen ziemlich complicirten Apparat, um die früher erwähnten Thatfachen nutzbar zu verwerthen, was fchon im Jahre 1859 von Keller gefchah.***
Diefer Apparat befteht der Hauptfache nach aus einem bleiernen Keffel, der mit Kiefelfteinftücken oder Kugeln von Steinzeug oder Glas angefüllt iſt, damit er dem Atmoſphärendrucke widerfteht. In diefen Keffel gelangt die vorgewärmte verdünnte Schwefelfäure und füllt die Zwifchenräume aus. Auf diefem Keffel befindet fich ein Dom, aus welchem eine im Kühlwaffer liegende horizontale Röhre geht, die fich in eine Schlangenröhre fortfetzt, welche vertical in einem Kühlgefäfse fich befindet; diefe Schlangenröhre mündet in ein Refervoir und entleert in dasfelbe das fchwefelfäurehältige, aus dem Keffel abdeftillirte Waffer. Alle diefe Verbindungen find luftdicht. Das Sammelrefervoir für das abdeftillirte Waffer fteht in directer Verbindung mit einem zweiten wichtigen Theile des Apparates, mit der Luftverdünnungsvorrichtung. Diefelbe befteht nach de Hemptin ne aus einem innen mit Holzdauben ausgelegten Eifenkeffel, in welchen oben ein Dampfrohr und daneben ein Rohr zum Einfpritzen von kaltem Waffer mündet. Durch eine Röhre ift diefer Keffel mit dem früher erwähnten Sammelrefervoir in Verbindung.
Wenn noch erwähnt wird, dafs auf diefem Sammelrefervoir eine Barometervorrichtung fich befindet, um den Grad der Luftverdünnung zu beftimmen, dafs ferner der Concentrationskeffel einen Ablafsheber hat, welcher in einen Brunnen von fechs Meter Tiefe mündet, und dafs die Säure, nachdem fie concentrirt und gekühlt ift, durch mit Asbeft, Kiefelfand oder Glasftückchen gefüllte Bleifiebe filtrirt wird, um das fchwefelfaure Bleioxyd zurückzuhalten, fo find die Hauptbeftandtheile erwähnt, die den Gang des Apparates leicht verftändlich machen.
Ift die verdünnte Säure in den Bleikeffel gefüllt, fo wird ein Hahn gefchloffen, der die Verbindung der Deftillationsvorrichtung mit dem Luftverdün
* Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 243.
** Siehe dagegen Hafenclever's Angabe in Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 238. *** Wagner's Jahresbericht 1859, pag. 139.
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