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Die Spinnerei-Maschinen : (Gruppe XIII, Section 2,a) ; Bericht ; Die Nähmaschinen, Strick- und Stickmaschinen : (Gruppe XIII, Section 2,b) ; Bericht / von Johann Zemann ; von Karl Cohn
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Johann Zeman.

Gewichte oder durch Hebelgewichte, mittelft Ketten, Rollen und Gewichthebel zur Erleichterung der Aushängung der Preffionsgewichte.

Die fchon von Paris 1867 her bekannte Lagerung der Flyerfpindeln bei Vorfpinnmafchinen und die Lagerung des unteren Conus des Differential­mechanismus hat fich feither fehr gut bewährt. Drähte, welche zwifchen den zwei Fadenreihen vor den vorderften Streckcylindern ausgefpannt wurden, vermindern das Zufammenlaufen eines geriffenen Bändchens mit einem guten Faden und erhöhen dadurch nicht unbedeutend die Production der Flyer.

Etwas eingehender mufs von den Verbefferungen und Neuerungen am Selfactor gefprochen werden. Beide ausgeftellte Selfactors waren mit Parr Curtis- Steuerung eingerichtet.

Der Selfactor für mittlere Nummern weicht von bekannten Con­ftructionen zumeift dadurch ab, dafs der Abwindemechanismus fich im Wagen befindet. Bei jedem Wagenfpiel müffen bekanntermafsen die mit hoher Gefchwindig­keit fich drehenden Spindeln behufs Abfchlagens der Fäden zum Stillftand gebracht und in entgegengefetzter Richtung gedreht werden. Bisher gefchah dies durch Verfchiebung des Treibriemens auf eine zweite Scheibe, welche mit dem Abfchlag­conus gekuppelt, durch geeignete Räderüberfetzung die Hauptwelle und den ganzen anfchliefsenden Bewegungsmechanismus für die Spindeln in rückläufige Drehung verfetzte.

Durch Verlegung des Abwindemechanismus in den Wagen entfällt die Nothwendigkeit, bei jedem Wagenfpiel die Hauptwelle und alle Rollen, über welche die Twiftfchnur läuft, in der Bewegung aufzuhalten und umzukehren, was eine nicht unbedeutende Erfparnifs an Kraft, Abnutzung und Zeit vorftellt.

Die Ausführung näher betreffend, fo trägt die frei auf der Spindel- Trommel­welle im Wagen laufende Seilrolle auf der einen Seite eine excentrifche Nabe, auf welche ein doppeltes Stirnrad aufgefchoben ift, deffen Zähne in zwei ent­fprechende, innen verzahnte Räder eingreifen. Das eine derfelben ift feft auf der Welle, das andere lofe und mit einem Ring verfehen, auf welchen ein feft auf der Welle aufgeftecktes Frictionsrad A aufgefchoben werden kann. Auf der anderen Seite ift die Seilrolle conifch ausgedreht, entſprechend einem anderen Frictions­rade B, welches wie A mit Feder und Nuth auf der Welle fitzt und vom Drehungs­zähler die Umftellung empfängt.

Beim Ausfahren des Wagens ift das Frictionsrad A eingerückt, daher die Seilrolle die Bewegung der Twiftfchnur direct auf die Spindel- Trommelwelle über­gibt. Hat letztere die erforderliche Zahl von Umdrehungen vollendet, fo rückt der im Wagen von der Trommelwelle angetriebene Drehungszähler das Frictionsrad A aus, B dagegen ein; es erfolgt nun die Bewegungsübertragung von der lofen Seil­rolle vermittelft der Differentialräder auf das Frictionsrad B, beziehentlich die Trommelwelle, langfam im rückgängigen Sinne.

Aus diefer Dispofition ergeben fich verfchiedene Vortheile:

1. Schonung des Riemens, welcher fich fonft beim unausgefetzten Hin- und Herfchieben von der Triebfcheibe auf die Abfchlagfcheibe und umgekehrt rafcher abnützt.

2. Die lofe Riemenfcheibe läuft nun nicht mehr auf der Hauptwelle, fondern auf einer Verlängerung des vorderen Lagers mit eigener Schmier­vorrichtung.

3. Die Hauptwelle erhält bedeutend vergröfserte Lagerflächen, daher geringere Abnützung.

4. Verminderung der Erfchütterungen im Wagen. Derfelbe wird nun ohne Sperrhaken in feiner äufserften Stellung gehalten, lediglich durch den Zug der ftets nach derfelben Richtung bewegten Twiftfchnur.

5. Da der Drehungszähler für den Twift im Garn von der Spindel- Trommel­welle aus bewegt wird, fo erhalten die Fäden zuverläffiger die berechneten Drehungen; ein Gleiten der Twiftfchnur bleibt ohne Einfluss.