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Die Spinnerei-Maschinen : (Gruppe XIII, Section 2,a) ; Bericht ; Die Nähmaschinen, Strick- und Stickmaschinen : (Gruppe XIII, Section 2,b) ; Bericht / von Johann Zemann ; von Karl Cohn
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Johann Zeman.

Zu den eigentlichen Woll- Spinnmafchinen übergehend, beginnen wir mit der Expofition von Platt Brothers& Comp. in Oldham( England).*) Das aus­geftellt gewefene Sortiment Karden dient fpeciell zur Erzeugung eines fehr wol­ligen, filzfähigen Garnes, aus welchem Grunde zwifchen der zweiten und dritten Krempel eine Kreuzung der Faferlage durch Anwendung des Ferrabe e'fchen Vliefsapparates ftattfindet.

Sämmtliche Karden find mit zwei Einzugs- und einen Putzcylinder, ferner mit Vorreifswalze verfehen, welche jedoch nicht direct, fondern vermittelft einer Uebertrag oder Wenderwalze die Wolle an den Tambour übergibt.

Der Abzug der Grobkarde findet feitlich ftatt; es erhält das abgelöfte Wollvliefs durch einen rotirenden Trichter eine Verdichtung und kommt nach zweimaligem rechtwinkeligen Wechfel des Laufes um Leitrollen zu einem Wickel­apparat, an Stelle der Pelztrommel vor der Mafchine ftehend, um auf eine drei Zoll breite Spule feft aufgewunden zu werden. Die Einrichtung des Patentwickel­Apparates ift von dem Canalfyftem bei Baumwoll- Kratzmafchinen bekannt; auch hier findet die Umftellung des Spulgeftelles nach Aufwicklung einer beftimmten Länge, ebenfo das Abreifsen des auf die frifche Spule fich fortwickelnden Bandes felbftthätig ftatt.

Die zweite Krempel hat einen Auffteckrahmen für 64 Wickel, von welchen die Bänder durch eine Bandleitung knapp vor den Einzugscylinder hindurch­gehen. Damit der Tambour fich nicht muldenförmig ausarbeite- was bei der urfprünglichen Reichenberger Anordnung diefer Art der Fall war erhielt die Bandleitung eine kleine Querbewegung.

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Der Abzug des Vliefses erfolgt mit Hilfe eines verbefferten Ferrabee­fchen Apparates. Das Abzuglattentuch, welches zum Wagen führt, beſteht nicht mehr aus einem, fondern aus zwei endlofen Theilen, welche in einem knieförmigen Rahmen über Rollen laufen. Zu diefem Zwecke find zwei Antriebsketten für das auffteigende und dann für das abwärts führende Lattentuch getrennt in Anwen­dung gebracht, auch die Spiralfeder zur Spannung des früheren Lattentuches als überflüffig befeitigt.

Die hin- und wiederkehrende Wagenbewegung findet hier nicht mehr mit­telft eines endlofen Lederriemens, fondern durch ein Mangelgetriebe ftatt.

Eine nach dem Principe des Mangelrades conftruirte Zahnftange- ,, Mangel­ftange" ift fo eingerichtet, dafs durch Verftellung der Wendeftücke an beiden Enden derfelben der Ausfchlag des Wagens, fomit die Breite des entſtehenden Vliefses abgeändert werden kann.

Die Mangelftange liegt äquilibrirt in parallel gefchlitzten Stelleifen und verfchiebt fich fehr leicht beim Wechfel des Eingriffes des Getriebes nach auf­wärts oder abwärts.

Der Wagen läuft mittelft Laufrollen auf Schienen und wird hiebei durch Zahnftangengetriebe auf beiden Seiten ftets parallel geführt.

Die Fortrückung des Vliefstuches gefchieht von der unteren Lattentuch­Walze aus, nahe dem Peigneur, ftatt mittelft Riemenkegel durch Stellkurbel und Sperrrad- Mechanismus.

Was endlich die Vorfpinnkrempel anlangt, welcher zwei Wickel der Mittelkarde vorgelegt werden können, fo ift diefelbe mit dem von Cöleftin Mar­tin in Verviers erfundenen Fadenapparat verfehen.

Um nämlich möglichft gleichförmige und feinere Vorfpinnfäden zu erzie­len, wird das Vliefs von der voll befchlagenen Kammwalze durch einen Hacker ungetheilt abgenommen und darauf in einem zwifchen dem Peigneur und den Würgelwerken eingefchalteten Riemchen- Theilapparat in einzelne Bänder getrennt.

* Von Weften nach Often durch die Mafchinenhalle fchreitend, wäre die amerika­nifche Spinnmafchine von J. Avery zunächft zu behandeln. Wir knüpfen aber deren Befpre­chung an die Martin'fche Spinnmafchine( S. 20) an.