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Johann Zeman.
Die jetzige Quadrantenfchraube hat eine gegen oben abnehmende Ganghöhe; die Quadrantenregulirung wird in Folge deffen wieder einfach durch eine endlofe Schnur erzielt, welche eine lofe Rolle mit Sperrrad im Wagen umfchlingt und immer dann an der Wageneinzugs- Bewegung theilnimmt, wenn vom Gegenwinder aus durch Einfallen einer Klinke ins Sperrrad die Scheibe verhindert wird, fich frei zu drehen. In dem Mafse, als der Kötzeranfatz gröfser wird, erhebt fich die Laufmutter wegen der abnehmenden Gewindhöhe der Quadrantenfchraube immer weniger, ohne Anwendung eines eigenen Regulirungsmechanismus, wie das z. B. bei dem Buckley'fchen Quadrantenregulator der Fall ift.
Um die Kötzerfpitzen in jedem Stadium der Aufwicklung feft zu winden, ift der Aufhängepunkt der Quadrantenkette nicht feft an der Laufmutter, fondern mittelft eines Sperrrades befeftigt, durch deffen Drehung eine Verkürzung der Quadrantenkette erreicht wird mit derfelben Wirkung, wie mit dem bekannten am Quadrantenarm rechtwinkelig abftehenden Correctionhebel. Das Sperrrad läfst fich jederzeit mit einem Griff leichter manipuliren, wie der in den Schlitz des Correctionshebels verftellbare Bolzen, welcher gegen Ende der Wageneinfahrt die Kette noch ein wenig von der Quadranten- Kettentrommel abzieht.
Die Steuerwelle, welche fchon vor der letzten Parifer Weltausftellung als Zweitempo- Welle( arbre à deux temps; two motion shaft) ähnlich wie bei dem bekannten Parr- Curtis Selfactor eingerichtet wurde, erhält, unabhängig von der Hauptwelle, ihre Bewegung durch eine eigene Riemenfcheibe auf einer parallel, hinter derfelben gelagerten Hilfswelle, von welcher auch noch die Drehung der Einzugswelle durch Kegelräder und die Bewegung des auf der Hauptwelle fitzenden Abfchlagrades durch ein Stirnrad abgeleitet wird. Stellt fich dem ausfahrenden Wagen ein Hindernifs entgegen, fo kann der Riemen von feiner Scheibe abrutfchen und der Wagen bleibt ftehen. Im gewünſchten Falle kann jedoch die Hauptwelle und die Hilfswelle direct durch zwei Räder verbunden werden, wobei das Rad auf der Hilfswelle an der Stelle der Riemenfcheibe aufgekeilt wird.
Seit mehreren Jahren ift der Platt'fche Selfactor mit einer Ausrückftange ausgerüftet, welche parallel unter der Gegenwinderwelle angeordnet ift und geftattet, die Mafchine von irgend einem Punkte des Wagens bei deffen Einfahren durch Verfchieben diefer Ausrückftange zum Stillftand zu bringen. Der Wagen vollendet hiebei die Einfahrt, auch die Steuerwelle macht noch ihre halbe Umdrehung und bereitet Alles für den neuen Auszug vor; aber der Riemen wird durch den mit der Ausrückftange verbundenen Mechanismus gehindert, auf die Triebfcheibe zu rücken. Diefe Verbefferung ift rafch von allen andern Conftructeuren nachgeahmt worden. Der grofse und kleine Headstock ruhen jeder für fich auf Unterlagsplatten, welche durch zwei breite Traverfen zu einem feften Bodenrahmen verbunden find. Die Traverfen dienen zugleich als Wagenfchienen. Was endlich den Auffteckrahmen des Selfactor anlangt, fo ift derfelbe fowohl zur Aufnahme von Vorgefpinnftfpulen als auch, für den Fall des Doppelfpinnens, zum Aufftecken von Vorgefpinnftkötzer eingerichtet.
Bei der Woll doublir- und Zwirnmafchine ift zunächft bei der Ringfpindel der Läufer nicht einfach, nur auf der oberen Kante der Ringbank laufend, fondern langgeftreckt, doppelt oben und unten die Ringkante umfaffend. Statt Wechfelräder zur Veränderung der Spindelgefchwindigkeit find Stufenconuffe mit neun Abftufungen für Riemenbetrieb angewendet. Die Mafchine ift doppelfeitig und jede Seite für fich unabhängig von der anderen in Gang zu fetzen. Die Ringbank- Bewegung ift fo eingerichtet, dafs ein Unterwinden der Fäden ftattfinden kann, um ähnlich wie beim Selfactor ohne grofsen Zeitverluft nach dem Abnehmen der fertigen Kötzer die frifche Aufwindung beginnen zu können.
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Der nächſte Ausfteller für Wollspinnerei- Mafchinen war die belgiſche Firma Bède& Comp.( Société Houget& Teston) in Verviers. Ihre Mafchinen waren mit Ausnahme des Selfactor und der Sykes'fchen Spinnmafchine nicht zum Betriebe ausgerüftet.