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Johann Zeman. Die Spinnereimafchinen.
Bewegung der Preffe( etwa drei Umdrehungen per Stunde) nach und nach an drei continuirlich bewegten, an die Cylinderpreffe fich anfchmiegenden Kratztüchern ohne Ende vorbeigeführt werden.
Nach vollendeter Kämmung werden die Bücher mit den zur Hälfte ausgekämmten Seidenbärten felbftthätig ausgefpannt und an deren Stelle von einer Arbeiterin frifche Bücher eingelegt, welche gleichfalls ohne deren weiteres Zuthun von der Mafchine feftgeklemmt werden.
Das erfte endlofe Band mit Kratzdeckeln liegt oberhalb der Circularpreffe und kämmt die zugeführten Seidenbärte entgegengefetzt der Bewegungsrichtung der letzteren. Am Ende des erften Kratzbandes legt eine Bürftenwalze die vorftehenden Seidenbärte nach der anderen Seite um, welche alsdann von dem zweiten, entgegengefetzt fich bewegenden Kratztuche ausgekämmt wird. Zuletzt kommen die neuerdings umgelegten Seidenbärte an das dritte, unterhalb der Rundpreffe ausgebreitete und derfelben am nächften geftellte Kammtuch, welches die kürzeften Fafern auszieht.
Diefe Seidenfafern werden durch eine Bürftwalze von den Kratzleiften abgenommen und der Wergfpinnerei zugeführt. Die Seidenkämmlinge des zweiten Kratztuches dagegen werden durch eine Bürftwalze an das erfte Kratzband übertragen, hier zeitweilig von den Kammleiften mittelft Klappbrettchen entnommen und, fofern die Qualität es noch geftattet, auf einer anderen CircularKämmmafchine nochmals behandelt.
Im Allgemeinen ift es bei der Geheimthuerei der Befitzer von Florettfpinnereien fchwierig über die Manipulation des Kämmens fich eingehend zu belehren; daher mag manche Abweichung des oben fkizzirten Vorganges der Zubereitung von Florettmaterial vorkommen. Es lag aber auch nicht in unferer Abficht, hier eine erfchöpfende Abhandlung über die Seidenkämmerei zu bieten, bemerken daher zum Schluffe ebenfalls nur flüchtig, dafs in Feinfpinnereien auch Heilmann'fche Kämmmafchinen verwendet werden, um eine Abfonderung der kurzen Fafern von den fchönften, langen Seidenfäden zu bewerkstelligen.
Anhang. Was die Garnituren und kleineren Beftandtheile für Spinnereimafchinen aller Branchen betrifft, fo war kaum etwas Neues zu bemerken und könnten wir daher hier nur verfchiedene, zum Theile wohlbekannte Firmen, darunter auch manchen fehr angefehenen Namen aus Oefterreich, mit den verfchiedenen Ausftellungs- Objecten einfach anführen, was wir aber, als aufser dem Rahmen unferes Berichtes gelegen, unterlaffen müffen.
Nur darauf foll hingedeutet werden, dafs bei Kardenbefchlägen ftatt Runddraht die Anwendung von Flachdraht eine immer gröfsere Bedeutung erlangt. Diefe Befchläge befitzen folgende Vortheile: Beffere Schärfen der Drahtfpitzen; längere Erhaltung der Schärfe; geringere Inanfpruchnahme und gröfsere Feftigkeit der Befchläge wegen der hochkantigen Stellung der Drähte gegen die Angriffsrichtung; unter fonft gleichen Verhältniffen breitere Zwifchenräume für Ablagerung der aus der Baumwolle fich abfcheidenden Unreinlichkeiten etc.
Der flache oder dreikantige Draht für die Befchläge wird entweder direct durch Ziehen oder neuerdings auch durch Plätten von rundem Stahldraht ( Ashworth's Patent) erzeugt.
Kratzbefchläge aus gezogenem Flachdraht( Dreikant- Draht) hatte die engliſche Firma D. Bateman and Sons zu Bradford exponirt; darunter auch Mufter von verzinnten Garnituren für Schafwoll- Krempeln.
Deutfcherfeits war die mechanifche Kratzenfabrik, vormals. A. C. Lossius Nachfolger in Mittweida( Sachfen) mit Flachdraht- Kratzen aus geplättetem Runddraht zur Wiener Weltausftellung gekommen.