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Webereimaschinen : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Johann Zemann
Entstehung
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Webereimafchinen.

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Innerhalb des Hafpels aber dreht fich ein vierarmiger Flügel, durch welchen eine Luftbewegung hervorgerufen wird, welche die Trocknung der Kette beftens einleitet.

Wenn nun auch die Erfte Brünner Mafchinen- Fabriksgefell­fchaft nicht als Originalconftructeur des befchriebenen Maſchinenfyftems ange­fehen werden kann, fo hat fie durch Aufnahme und die Aufftellung desfelben in der Mafchinenhalle ein unbeftrittenes Verdienft fich erworben, fo dafs wir auch nicht anftehen, die Hauptvortheile diefer maſchinenmäfsigen Vorbereitung der Schafwoll- Ketten gegenüber der Handarbeit mit den eigenen Worten der obigen Firma nachftehend zufammenzufaffen.

" Vor Allem ift hier die grofse Leiftungsfähigkeit hervorzuheben, nachdem diefes Mafchinenfyftem mit einer Bedienung von fieben Perfonen darunter fechs Mädchen mit einem beiläufigen Kraftaufwand von 2 Pferdekraft per Stunde 70 Meter fertige, aufgebäumte Kette in jeder Fadenzahl liefert.

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Neben diefer anfehnlichen Production gewährt die Einfachheit, leichte Zugänglichkeit und grofse Ueberfichtlichkeit der verfchiedenen Mafchinen, eine fo leichte Bedienung, wie fie keinem anderen Syfteme eigen ift.

Die Kette wird in ihrer ganzen Breite zugleich geleimt, getrocknet und aufgebäumt, ohne dafs die Fäden über einen Trocken cylinder gehen; vielmehr werden fie fchwebend in der Luft getrocknet, fo dafs ihre Elafticität erhalten bleibt. Die Kette ift in der Qualität fo befchaffen, dafs die mechanifchen Web­ftühle 20 bis 30 Procent Mehrleiſtung ergeben, weil eben die Kette viel egaler und beffer geleimt, daher viel fefter ift; Fadenbrüche werden unter folchen Umftänden feltener eintreten.

Eine folche Einrichtung genügt für 30 bis 40 mechanifche Webftühle und koftet ohne Heizröhren loco Brünn 2800 Gulden."

Neben diefen fowohl an Gröfse wie auch wirklicher Bedeutung am meiften hervorragenden Ausftellungsobjecten find an diefer Stelle nur noch einige kleinere defshalb nicht unnütze Apparate oder Vorrichtungen zu bemerken.

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Bei den bekannten Schufsfpulmafchinen von L. Schönherr( jetzt Sächfifche Webftuhlfabrik), ferner bei den fchon oben bemerkten Spulmafchinen von Küchenmeifter und von Voigt ift kaum auf etwas Neues hinzuweifen. Nähere Beachtung verdient aber die höchft zweckmäfsig eingerichtete Anfeucht­und Ausfchwingmafchine von Rudolf Voigt in Chemnitz, welche fchon in vielen Schafwollwebereien Eingang gefunden hat. Es ift bekannt, dafs neben anderen Gründen auch zur Erleichterung der Arbeit des Webers der Einfchlag vielfach feucht eingefchoffen wird. Ungleich gefeuchtetes Schufsgarn erzeugt aber, wie man befonders nach dem Walken bemerkt, dünne und dicke Stellen in der Waare und defshalb ift ein verlässlicher Apparat für diefe Operation jedem Weber fehr willkommen. Es befteht derfelbe zunächst aus einer kleinen Hand­pumpe, deren mundftückähnlich erweitertes Saugrohr in einen kleinen Waffer­kaften reicht.

Hält man nun die Schufsfpulen einzeln unter das Mundftück, fo werden diefelben durch einige Kolbenfpiele vollkommen durchnäfst. Ein Ausfchleudern des zuviel aufgenommenen Waffers erfolgt durch Aufftecken der Spulen auf eine horizontale, mit Stiften befetzte Scheibe, welche durch Kurbel und Schnecken­trieb mit einer genügenden Gefchwindigkeit herumgedreht werden kann. Hierdurch erhält man alle Spulen gleichmäfsig feucht; auch bleibt bei diefer Manipulation das Garn vollſtändig unverfehrt und läuft leicht und ficher beim fpäteren Ver­

weben ab.

Die Ausfchleuderfcheibe ift in einem oben offenen cylindrifchen Gehäufe eingelagert, an welches die Handpumpe mit dem Wafferkaften direct angefchraubt ift.

Platt Brothers& Comp. in Oldham waren auch mit einer fchönen Schufsfpulmafchine vertreten, auf welcher man von Kötzern, Spulen oder auch Strähnen auf Blechpfeifen oder Papierröhrchen abwickeln konnte. Die eine