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Webereimaschinen : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Johann Zemann
Entstehung
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Johann Zeman.

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Je nachdem man die Backen an den Seitenwänden weiter vor- oder zurück. fchiebt und zu diefem Zwecke ift jeder Backen in einer Schlitzführung mit Hilfe einer Stellfchraube verftellbar wird das Rückfchnellen des zurück­gehaltenen Blattes etwas später oder früher erfolgen und, je nachdem man die Blattfpannfeder mehr oder weniger angezogen hat, wird der Schlag kräftiger oder fanfter ausfallen- Umstände, welche die Bezeichnung, battant libre" oder ,, freier Blattfchlag" in dem Sinne vollkommen rechtfertigen, dafs es dem Arbeiter vollkommen freigelaffen ift, durch Stellung des Mechanismus den für das zu verwebende Material, für die zu erzielende Waarenqualität denkbar beften Schlageffect, wie der Handweber mit feiner Pendellade, zu erzielen, zumal noch durch eine Stellfchraube der Verdrehungswinkel des Blattes variirt und dadurch die Gröfse der Blatt- Schlagbewegung regulirt werden kann.

Die einer Abnützung ausgefetzten Theile diefer Schlagvorrichtung find folid aus Stahl hergeftellt, fo dafs die Gewähr einer grofsen Dauer und unver­ändert guten Wirkfamkeit geboten ift.

In wieweit der Laden- oder Blattfchlag bei offenem oder gefchloffenem Fach gegeben werden kann, ift fchon oben bei der Gefchirrbewegung bemerkt worden.

Es bleibt uns fomit, um diefe intereffanten und lehrreichen Ausftellungs­objecte zu erledigen, nur noch übrig, die Conductorfchütze zu erwähnen, welche Honegger für feinen Faillesftuhl conftruirt hat, um den Faden möglichft weit in die Spitze des Faches einzulegen, fo dafs er beim Ablauf von der Schütze nicht zu lang, der Stoff nicht kraus, fondern feiner Qualität entſprechend möglichft glatt werde. Für leichtere Waare bleibt die fchon feit der Parifer Ausftellung bekannte Schütze in Verwendung.

Der Hauptkörper der Conductorfchütze ift fymmetriſch gebaut wie alle Schnellſchützen; an der vorderen Seite jedoch, welche der Spitze des Faches zugekehrt ift, fchliefst fich an den Schützenkörper eine allmälig verjüngte Aus­bauchung an. Der von der Schleiffpule abgehende Faden tritt, nachdem er die eine oder die andere Spannvorrichtung paffirt hat, durch ein in der Mitte des Schützen­körpers und der Ausbauchung( Conductor) durchbohrtes Loch heraus.

Im Uebrigen ift in diefem Capitel kaum mehr etwas Befonderes vorzubringen.

Felix Tonnar in Dülken führte den Sallier'fchen Webftuhl vor, welcher von der Parifer Ausftellung her bekannt ift.** Demfelben war, um jedes beliebige einfache Muftergewebe herftellen zu können, eine einfache, in der Seidenweberei vielfach gebräuchliche Kamm- Mafchine( Schaftmafchine) beigegeben.

Von öfterreichifchen Ausftellern haben wir Gebrüder Schmid& Comp. in Bregenz bereits erwähnt.

Bei den Tannwalder Webftühlen, welche in Böhmen ziemlich ver­breitet find, ift das Leder auf ein Minimum reducirt und meift durch Stahlfedern erfetzt. Der ausgeftellte 5fchäftige Cloth- oder Atlas ftuhl derfelben Firma ( k. k. priv. Tannwalder Baumwoll- Spinnfabrik) war mit Unterfchlag im Gange für 100er Kette und 120er Schufs; 75 Fäden per 4 Zoll. Die Tritt. vorrichtung kann mittelft Wechfelräder und zugehörigen Trittherzen auf zwei bis fünf Schäfte gewechfelt werden. Erwähnen wollen wir hier fchon den von der gleichen Mafchinenfabrik ausgeführten dritten Webftuhl mit einer einfachen Schaftmafchine, bei welcher die Bewegung der Platinen für die Schäfte und die Drehung des Jacquard cylinders von einem Excenter an der unteren Stuhl­welle erzielt wird.

* Vergleiche den officiellen Ausstellungsbericht vom Jahre 1867, Band IV, Seite 595; ferner Dr. H. Grothe: Spinnerei, Weberei und Appretur auf der Weltausftellung zu Paris 1867.( Julius Springer. Berlin 1868.)

** Ebendafelbft Seite 595, beziehungsweife Seite 88 und 89.