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Dr. Emil Teirich.
höchftens jener transportable Apparat von Herlop, Wilfon und Budden in Newcaftle upon Tyne dienen könnte.
Auf einem gemeinfamen Fundamente, das auf vier Eifenbahn- Rädern montirt ift, fteht der Kollergang mit eifernen Quetfchwalzen und fixer Platte, welche direct durch eine, mit einem ftehenden Keffel vereinigte kleine Dampfmaschine mittelft Vorgelege angetrieben werden. Die ganze Zufammenftellung ift äufserft compendiös gedacht, doch möchte diefes enge Aneinanderftellen der gegen Staub und fonftige Verunreinigungen fehr empfindlichen Dampfmaschine mit dem Kollergange nur in den feltenften Fällen anzuempfehlen fein. Die Zugänglichkeit faft aller Theile der Mafchine ift geftört und der Raum für Aufgeben des Rohmateriales fowie für Entfernung des bearbeiteten fehr beengt.
Am eheften eignet fich eine folche Anordnung wohl als Mörtelmafchine und Bétonknete bei Bauten, wo der Vortheil der leichten Fortbewegung des Ganzen fehr zu Gunften diefer, fonft weniger zweckmäfsigen Conftruction spricht.
Kollergänge zur Verkleinerung der Glafurfchmelze, ehe fie auf die Mahlmühlen gelangt, waren gar nicht ausgeftellt worden.
Behufs der Verkleinerung von Quarz und Chamotte, ja felbft mit ausgezeichnetem Erfolge als Bearbeitungsmaschine für feuchten Thon, hat fich der Desintegrator bewährt, den in der Originalconftruction von Carr die Parifer Ausftellung zum erften Male zeigte. Bekanntlich befteht diefer höchft intereffante Apparat aus zwei bis drei horizontalen, in einander gefteckten Trommeln, an deren Peripherie Schlagftäbe aus Schmiedeifen, oder für fehr hartes Materiale aus Stahl eingefetzt find. Jede diefer Trommeln rotirt mit fehr bedeutender Gefchwindigkeit, aber ftets nach der entgegengefetzten Richtung wie die vorhergehende. Das zu verkleinernde Materiale wird in der Richtung der horizontalen Rotationsaxe aufgegeben, paffirt, durch Hunderte von Schlägen zerkleinert, die Trommelperipherien und gelangt in fehr rafcher Zeit in den Zwifchenraum derfelben mit einem, den ganzen Apparat umhüllenden Mantel, aus dem zweckmäfsig ein Paternofterwerk die verkleinerten Stoffe entfernt.
Die benöthigte Kraft für den Antrieb diefer Mafchine ift wohl bedeutend, die Abnützung aller ihrer Theile eine fehr empfindliche, dagegen aber auch ihre Leiftungsfähigkeit eine ganz erftaunliche.
Durch manche Verbefferung, namentlich der Lagerung hinfichtlich der ftark beanfpruchten Wellen, hat man diefem trefflichen Apparate, der fich befonders in Thonwaaren- Fabriken noch viel zu wenig Eingang verfchafft hat, gröfsere Stabilität und Dauerhaftigkeit zu geben gewufst.
Durch Vergröfserung des Trommeldurchmeffers ift es möglich geworden, die Umdrehungszahlen für die ftark beanspruchten Wellen zu reduciren, immer aber machen die gröfsten bis jetzt gebauten Desintegratoren von 1'500 Meter Diameter eine Umdrehungszahl von 400 bis 550 Touren, was einer enormen Umfangsgefchwindigkeit von circa 30 Meter entspricht. Bei folcher Arbeit benöthigt der Apparat dann freilich zwifchen 15 bis 20 Pferdeftärken zum Antriebe, leiftet dann aber auch 20.000 Kilogramm per Stunde, felbft bei einem fehr harten Materiale, da er im Gegenfatze zu anderen Pulverifatoren die härteften Körper am leichteften
zermalt.
Desintegratoren der bisher am häufigften angewandten Gröfse, von einem Durchmeffer von 1'00 Meter verarbeiten mit 7 Pferdeftärken Betriebskraft durchfchnittlich 7000 Kilogramm Rohmateriale zu Pulver von ganz bedeutender Feinheit.
Als Mifchapparat für verfchiedene Thonforten ift ein Desintegrator trefflich zu verwerthen, ebenfo als Vorbereitung für Maſchinen, die trockenen Thon zu verarbeiten oder für Ziegelpreffen, welche grubenfeuchtes Materiale zu formen haben. Namentlich kalksteinhaltige oder fchotterige Thonforten werden folcher weife, und zwar auch billig und zweckmäfsig gereinigt, refpective die ftörenden Beimengungen fo fehr vertheilt, dafs fie in der ganzen Maffe unfchädlich