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Die Maschinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren-Industrie : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Dr. Emil Treirich
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Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie.

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Handelt es fich um Verkleinerung geringerer Quantitäten, fo ift wohl immer noch in den Thonwaaren- Fabriken das Stampfwerk im Gebrauche.

Die oft noch übliche, recht primitive Conftruction desfelben aus Holz mit Daumenwelle, wird aber jetzt gewöhnlich erfetzt durch die ausfchliefsliche Anwendung des Eifens, wie wir fie an dem fchönen Pochwerke der fchon mehr­fach genannten Firma Selbach& Deiters in Mannheim finden.

Das fehr fchön gearbeitete Pochwerk hat fechs rotirende Stempel, je im Gewichte von 250 Pfund. Die Rofte find mit gelochten Stahlplatten garnirt und der Stampftrog durch einen gufseifernen zweitheiligen Auffatz verfchloffen, der durch angebrachte Thüren zugänglich gemacht wird. Namentlich für ftark ftau­bendes Materiale ift diefe Anordnung zweckmäfsig.

Die Auswechslung der abgenutzten gufseifernen Stempelfchuhe ift leicht vorzunehmen.

Der Apparat, welcher circa fünf Pferdeftärken zum Betriebe bedarf, leiftet je nach der Art des aufgegebenen Materiales fehr viel, immerhin aber viel weniger als die vorgenannten Hämmer.

Ganz nach demfelben Syfteme und gleichfalls mit einem rotirenden Stempel verfehen, fanden wir eine hübfche Anordnung bei Beyer frères in Paris, die allerdings auf der Ausftellung von denfelben zur Verkleinerung von Subftanzen angewendet wurde, die in der Chocoladefabrication Verwendung finden, welche wir aber dort auch empfehlen würden, wo es gilt, kleinere Quantitäten von Emails, Farbflüffen u. f. w. zu zerftampfen, die man auf die fonft üblichen grofsen Koller­werke nicht bringen kann.

Ein einziger Stempel, gehoben durch einen von der Hand oder mittelft Mafchine getriebenen Daumen an einer Welle, fällt in einen Mörfer. Während des Hubes erhält er eine rotirende Bewegung durch einfeitigen Angriff des Dau­mens an einen horizontalen Bund des Stempels. Um Reibung, Abnützung und Geräufch zu vermeiden, ift an diefen Bund eine Lederfcheibe ausgefteckt, welche alfo zwifchen den arbeitenden Eifentheilen bleibt. Auch beim Pochwerke von Selbach& Deiters wäre diefe Lederfcheibe zweckmäfsig einzufchalten.

Beyer bringt zudem recht finnreich angetriebene Sieb- und Schüttel­vorrichtungen, die in der Thonwaaren- Fabrication gleichfalls gute Verwen­dung finden können.

Glafurmühlen und folche zur Vermahlung trockenen Thones, waren auf der Ausftellung gar nicht vertreten, jedoch ift hieher eine Feldfpathmühle von A. W. Schmidt in Berlin zu zählen, die im Modelle ausgeftellt gewefen fein foll.*

Von neueren Apparaten für das Schlämmen des Thones war gar Nichts ausgeftellt, und doch weift die moderne Thonwaaren- Induftrie auch hierin manche Verbefferung der alten, primitiven Verfahrungsweifen auf, die zum Theile mit der Anwendung von Thon- Filterpreffen im Zufammenhange fteht.

Anftatt in Schlämmkaften oder fogenannten Rainen die Verdickung der Schlämmmaffe abzuwarten, wird immer häufiger, ja in der Porzellaninduftrie faft allgemein fchon, die Filterpreffe angewendet. Bei kurzen und darum auch poröfe­ren, fandigen Maffen functioniren diefe Apparate eben ganz vorzüglich. Anders ift diefs in der Terracottainduftrie und überall dort der Fall, wo es fich darum handelt, fehr fette Maffen zu entwäffern. Da finkt die Leiftungsfähigkeit der Preffen fehr herab und oft verfagen diefe Apparate ganz den Dienft. Man ift dann immer

* Dank der ganz unüberfichtlichen Ausftellungsweife der hier behandelten Mafchinen ift es dem Verfaffer nicht gelungen, obiges Modell aufzufinden. Eine directe briefliche Anfrage beim Ausfteller hierüber, fowie über die Wirkungsweife feines Apparates, blieb refultatlos, ganz ebenfo wie ein Erfuchen an den Vertreter der deutfchen Reichs commiffion, welcher den Ort der Aufftellung des Ob'ectes nicht zu wiffen vorgab.