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Die Maschinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren-Industrie : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Dr. Emil Treirich
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Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie.

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tung ganz trockenen Thones, wie folche in England in Verwendung zum Theile noch ftehen, haben fich keinen Eingang zu verfchaffen gewufst. Alle Ziegel­preffen im Prater waren beftimmt erdfeuchten oder genetzten Thon zu verarbeiten

In Oefterreich hat fich die Hertel'fche Ziegelpreffe, jetzt gebaut von der Mafchinenfabriks- Actiengefellfchaft in Nienburg an der Saale, am meiften eingebürgert. Diefelbe ift aber auch anderen Ortes und mit gutem Erfolge in Betrieb gefetzt worden und dürften über 350 Exemplare derfelben fchon in Thätigkeit fein.

Eine fchön gearbeitete Mafchine diefer Art zeigt unter Beibehaltung des alten Syftems einige Neuerungen im Detail, die erwähnenswerth find.

Einer der Hauptnachtheile des alten Syſtems der horizontalen Thonfchnei­der an der urfprünglichen Hertelmafchine, war die Lagerung der horizontalen Mefferwelle, die nur hinten am Antriebe doppelt gelagert, nach vornehin jedoch auf eine Länge von circa drei Fufs frei überhängend blieb. Dabei war es unver­meidlich, dafs die auch noch mit fchweren Meffern und Schaufeln belaftete Welle fich fenkte und nun die Schaufeln an der unteren Seite des Rumpfes der Mafchine aufliefen. Unterſtützt durch den fandigen Thon, der als Schleifmittel wirkte, nützten fich beide Theile rafch ab, viel Kraft des Antriebes ging verloren, und ein ewiges Auswechfeln der verbrauchten Schaufeln, endlich des ganzen gufseifernen Mantels, waren hievon die Folge.

Wenig nur war durch Anbringung eines Lagers geholfen, das, auf drei fchmiedeifernen Armen ruhend, welche ihrer Form nach dem durchtretenden Thone möglichft wenig Widerftand boten, durch eine Metallbüchfe gebildet wurde, in der die Welle lief. Der fandige Thon nützte auch diefes, übrigens ganz primitive Lager ab und beide, Welle fowohl als Büchfe, liefen fich bald oval aus. Das alte Uebel blieb.

Bei der jetzt ausgeftellten Mafchine ift die letztere Idee wohl beibehalten, jedoch anftatt auf den drei Armen ruht das Lager nur auf zweien, die der Länge nach eine Bohrung tragen. Sie dient zur Schmierung der Lagerflächen, die gegen das Eindringen von Thon mittelft einer Stopfbüchfenpackung gefchützt find.

Damit ift die Hertelmafchine wohl allein fchon um Vieles brauchbarer geworden, aber fie hat auch weiter in manchen Details gewonnen, ihre Theile find conftructiver geformt, mitunter leichter zugänglich gemacht, einige auch verftärkt, was ftellenweife fehr noth that. Auch der Abfchneidetifch hat einige Veränderungen erfahren, fowie die Lagerung der Zuführungs- und Quetfchwalzen für den aufgegebenen Thon. Während früher eine Trennung des austretenden Thonftranges fofort in vier Ziegelſtärken und zwei Abfchnitten gefchah, fchneidet jetzt die Mafchine quer durch den Thonftrang, der keine Abfälle mehr gibt. Diefe Querabfchneide- Vorrichtung, welche wir an den meiften Ziegelpreffen jetzt finden, ift jedenfalls der erfteren vorzuziehen, wenn auch mehr Kraft zum Abfchnitte erfor­derlich wird. Die Drähte am Mundftücke kommen leicht in Unordnung, reifsen oder geben zu Verftopfungen durch etwas unreineren Thon Anlafs.

Die Mafchine erzeugt per Arbeitsftunde bis 1500 Steine, benöthigt hiezu bei 10 Pferdeftärken an Betriebskraft.

Die Firma fcheint von dem, früher fehr empfohlenen Doppel- Walzwerke abgegangen zu fein, das in der Anordnung, wie wir fie kennen, auch wahrlich ein kraft- und raumverfchwendendes Ding war.

Im Allgemeinen aber gebührt Hertel, dem früheren Inhaber des Gefchäftes, das Verdienft, mit grofsem Eifer die Ziegelmafchine verbeffert und namentlich in Deutſchland und Oefterreich eingeführt zu haben.

Mannigfache Nachbildungen feiner Conftructionsweifen waren daher nicht zu vermeiden. Eine folche trafen wir denn auch in Oefterreichs Mafchinenhalle. L. Henrici in Wien hat das Hertel'fche Syftem adoptirt und ift für Ein­führung desfelben in Oefterreich feit Jahren thätig. Auf der diefsjährigen Aus­ftellung trat er mit einer felbftftändigen Conftruction des Abfchneideapparates