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Die Maschinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren-Industrie : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Dr. Emil Treirich
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Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie.

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Wir können hier nicht umhin, zu bemerken, dafs alle Angaben über den Kraftverbrauch der Ziegelmafchinen vage find und fehr variiren, je nach dem Materiale, welches verarbeitet werden mufs, dem Feuchtigkeitsgehalte und Aggregatzuftande desfelben( ob z. B. gewinterter Thon verarbeitet wird oder frifch gegrabener u. f. w.). Noch immer fehlen die fo wünſchenswerthen wiffen. fchaftlichen dynamometrifchen Verfuche mit Ziegelmafchinen, die anzuftellen wohl am eheften jenen Firmen zukäme, welche die Erzeugung der Ziegel­mafchinen zu ihrer Specialität gemacht haben. Hoffen wir, dafs wenigftens die Bemühungen des Vereins deutfcher Ziegelfabrikanten, welcher eben daran ift, in umfaffendfter Weife Daten über die Leiftungsfähigkeit der Ziegelmafchine zu fammeln, in diefer Richtung auch verlässliche Angaben, wenn auch nur annähernd, aus der Praxis erhalten. Freilich wird auch damit noch nicht Alles geleiftet fein, denn nur vergleichende Verfuche an einer und derfelben Mafchine können hier die gewünſchten Aufklärungen und jene Anhaltspunkte geben, die zu einer ficheren Conftructionsweife der noch ziemlich empyrifch gebauten Thonfchneider- Wellen fammt Rühr- und Prefsfchrauben führen.

Unferer Erfahrung nach leiden in den Ziegelfabriken die meiſten Ziegel­maſchinen Mangel an Betriebskraft.

Eine gute Formmafchine zur Herftellung von hohlen Verkleidungsziegeln war gleichfalls von Schmerber frères eingefandt worden. Diefelbe ift nach einem in Nord- Deutfchland vielfach gebrauchten Syfteme conftruirt. Ein Walzenpaar erfafst den, von einem Thonfchneider bereits vorbereiteten oder gefchlämmten Thon und drückt ihn durch ein Mundftück, das mit Bronceformen für Hohlfteine oder fonftige Façonziegel verfehen ift.

Die austretenden beiden Thonftränge( bei Hohlftein- Fabrication) gelangen auf einen, mit Gypswalzen garnirten Schneidetifch mit feftftehendem Transverfal­Schneidegatter, das 4 bis 5 Steine auf ihre beiläufige Länge bringt. Bekanntlich findet ein genaues Befchneiden und Adjuftiren der Steine erft fpäter, nach dem Uebertrocknen derfelben, ftatt.

Die Mafchine ift bei einem Preife von 1350 fl. fehr leiftungsfähig und bedarf nur einer Kraft von bis 3 Pferdeftärken zum Betriebe. Sie erzeugt bis 1500 Steine in der Arbeitsftunde.

Zu den Ziegelmafchinen der eingangs erwähnten Kategorie gehört Mo rand's Patent- Ziegelmafchine, ausgeftellt von Derham in Leeds. Diefelbe befteht aus einem verticalen Thonfchneider, der von oben und zwar mit einem Schneckenrade angetrieben wird. Diefe Arbeit, fowie die intermittirende Drehung des runden horizontalen Formtifches, welcher die verfenkten Ziegelformen enthält,. wird von zwei an den beiden Seiten des Geftelles der ganzen Mafchine anmon­tirten, fchiefliegenden Dampfmaschinen verrichtet.

Der Boden der Ziegelformen ift beweglich, wie ein Stempel geftaltet, der am unteren Ende ein kleines Laufrad trägt, das auf einer fchiefen Ebene läuft. Gelangt die Form bei Drehung des Tifches unter das, am Boden des Thonfchneiders angebrachte Mundftück desfelben, fo füllt fich die­felbe, da ihr Stempel am tiefften Punkt, an dem Beginne der ebenfalls kreisrund herumgelegten, fchiefen Ebene fteht. Beim Vorwärtsgehen des Tifches aber hebt fich der Boden der Form durch Auflaufen des Rädchens auf die fchiefe Ebene und drückt fo den fertig geprefsten Ziegel heraus. Eine Abftreichvorrichtung befördert ihn auf ein Tuch ohne Ende, von dem ein Arbeiter die fertige Waare abnimmt.

Die Mafchine wird auch ohne directen Dampfmafchinen- Antrieb gebaut und würde uns dann wahrfcheinlich beffer gefallen.

Wir haben fchon mehrfach Gelegenheit gehabt, uns gegen diefe, allerdings compendiöfe Conftructionsweife auszufprechen und müffen es auch hier wieder thun. Die Kraftübertragung mittelft Schneckenrad und Schraube ohne Ende ift aber auch ein Verwüften von Arbeit.