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M. B. Rideli.
Fig. 2.
Prähiftorifcher Bronzewagen.
nämlich die Achfen, fowie die zwei Längenbalken beftanden aus gewalztem Bronzeblech, während die mit conifchen fowohl als jene mit flachen Köpfen verfehenen und zur Befeftigung an eine Unterlage erforderlichen Bronzenägel wegen der aufserordentlich genauen Uebereinftimmung in ihren Dimenfionen offenbar Mafchinennägel gewefen fein müffen.
Der Wagen hatte vier auf den ausgefchmiedeten Achfenftummeln rotirende Speichenräder aus Bronzegufs; aus Allem diefem ift aber erfichtlich, dafs die Anwendung von metallifchen Poutrellen und von metallifchen Rädern beim Wagenbaue fchon in der graueften Vorzeit bekannt war und dafs anderfeits zwifchen den damaligen Vorbildern der heutigen Engländer, nämlich den metallkundigen Etruskern und den auf einer verhältnifsmäfsig fehr tiefen Culturftufe ftehenden fteierifchen Kelten in der Bronzezeit ein recht lebhafter Austaufch von bronzenen Räderpaaren, gewalzten Bronzeblechen und Maſchinennägeln aus Erz gegen keltifche Bärendecken, Flachs u. f. w. ftattgefunden haben müffe.
Diefer Stretweger Wagen erlaubt aber den weiteren wichtigen Schlufs, dafs die anderen gleichzeitig gebrauchten Fuhrwerke ebenfalls einen hohen Grad von Vollkommenheit bereits erreicht haben mufsten, dafs fomit für den Anfang der Benützung des Wagens überhaupt, refpective für die Erfindung diefer Vorrichtung auf einen Zeitpunkt der Vergangenheit zurückgegriffen werden müffe, der viele Combinationen über den muthmafslichen Gang der Entwicklung des Menfchengefchlechtes zu erfchüttern im Stande wäre.
Einen directen Gegenfatz zu diefem bronzenen Wagen bildete der im Szeklerhaufe zur Ausftellung gelangte, in einem grofsen Theile Siebenbürgens allgemein in Verwendung ftehende Szeklerwagen, deffen Beftandtheile bis auf den eifernen Reibnagel und einige wenige eiferne Klammern durchwegs aus Holz ausgeführt waren und deffen Abbildung in Fig. 3 folgt.
Der Durchmeffer der vorderen Räder betrug o 800 Meter, jener der rückwärtigen Räder 0.900 Meter bei einem Radftande von 1500 Meter und einer Spurweite der rückwärtigen Räder von 1150 Meter.
Die Achfen diefes Wagens ebenfo wie die Radfelgen, die Wage und die Drittel waren aus Rothbuchen, während die Radnaben und die Speichen aus Eichenholz beftanden. Die vorderen Leixen ftanden fenkrecht auf dem Wendfcheit, die hinteren fenkrecht auf der rückwärtigen Achsfchale und gaben im Zufammenhange mit den übrigen Dimenfionen der Vermuthung Raum, dafs aus diefem Wagen fich nach und nach der nationale ungarifche ,, Sandlaufer" entwickelt haben müffe. Zwifchen den Leixen ftand der Kaften aus Fichtenholz und war darüber eine Rohrdecke angebracht.