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Mathematische und physikalische Instrumente : (Gruppe XIV, Section 1 und 2) ; Bericht / von Ferdinand Lippich ...
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Ferdinand Lippich.

gleicher Bogen greift in das Rädchen und drückt mittelft einer Spiralfeder den Hebel gegen die fixe Stahlfchneide. Ein todter Gang ift hiedurch befeitigt. Das Intervall zwifchen zwei Theilftrichen am Zifferblatt entspricht einer Dicke von 1/100 Millimeter. Diefes Inftrumentchen mifst eigentlich nicht den Durchmeffer, fondern eine Sehne des kreisförmigen Drahtquerfchnittes und überdiefs ift es nicht gleichgiltig, ob man den Draht näher oder entfernter vom Drehpunkte des Hebels zwifchen die Stahlfchneiden bringt.

Starke& Kammerer haben ein Sphärometer ausgeftellt, das fchon im Jahre 1858 nach einer Idee des Profeffor Strampfer ausgeführt wurde und an welchem mehrere fehr wefentliche Verbefferungen angebracht find. Durch die Achfe der durchbohrten Mikrometerfchraube geht eine Stahlnadel, die mit ihrem oberen Ende gegen einen Doppelfühlhebel wirkt, deffen Drehachfen am Kopfe der Schraube ihre Lager haben. Ihr eigenes Gewicht und das des Hebels drücken die Stahlnadel nach abwärts, fo dafs fie um ein Geringes aus dem unteren Ende der Schraube hervortritt. Nach erfolgtem Contact des Nadelendes mit der Unterlage bewirkt ein weiteres Abwärtsdrehen der Schraube fofort die Bewegung des Fühlhebels. Hiedurch wird der Contact vollkommen ficher ange­zeigt und der Druck, dem der zu meffende Körper ausgefetzt wird, ift nur fehr gering und überdiefs immer derfelbe, fobald die Ablefung immer bei derfelben Stellung des Fühlhebels gefchieht. Die drei Füsse des Sphärometers endigen nicht in Spitzen, fondern in kleine Stahlkugeln. In der That laffen fich wirkliche Spitzen nicht herftellen; je mehr man aber die ideelle Form einer Spitze erreicht, defto mehr Gefahr läuft man, durch das Inftrument die Platte oder Linfe, auf welcher es ruht, zu befchädigen. Läfst man hingegen die Spitzen ftumpfer, fo hat man Berührungsflächen von unregelmässiger und zum Theile nicht beftimmbarer Form. Diefer Umftand kann aber bei Meffung von Linfenkrümmungen einen merklichen Fehler verurfachen. Daher erfcheint das Anbringen der kleinen Kugeln, deren Radien man auf optifchem Wege zu beftimmen vermag, fehr zweckmäfsig. Die Füfse können an den drei Armen der Schraubenmutter verftellt werden und es find überdiefs dem Inftrumente Dreifüfse von verfchiedenen Dimenfionen bei­gegeben. Dasfelbe hat eine Empfindlichkeit von 1/2000 Millimeter.

Ganz in derfelben Weife hat auch Perreaux mit feinem Sphärometer einen Fühlhebel in Verbindung gebracht; er fpielt an einem Gradbogen, der mittelft Charnier vertical geftellt werden kann. Auch an diefem Inftrumente find die Füfse, die aber in Spitzen endigen, verftellbar. Seine Empfindlichkeit beträgt 1/4000 Millimeter und 1/1000 Millimeter läfst fich noch mit Sicherheit meffen. Ueber dasfelbe wurden feinerzeit im Kosmos, Band XXV, p. 264, Mittheilungen ver­öffentlicht.

Der Mefskeil von P. Schönemann in Halle dient zum Meffen kleiner Dicken, Durchmeffer cylindrifcher Körper etc. Denken wir uns zwei congruente, rechtwinkelige Dreiecke, von denen die Hypothenufe etwa fünfmal länger ift als eine der beiden Katheten, mit ihren Hypothenufen an einander gelegt. Das eine Dreieck fei auf der Unterlage befeftigt, das andere längs einer feften Schiene mit der längeren Kathete verfchiebbar. Werden die Hypothenufen von der Berührung aus bis in einen gewiffen Abftand gebracht, fo wird die Verfchiebung der Kathete längs der feften Schiene fünfmal gröfser fein. Keil und Schiene find refpective mit Nonius und Theilung verfehen. Von den beiden ausgeftelten Mefs­keilen war der eine aus Metall, der andere aus Glas. Aehnliche Mefsvorrich­tungen mit Keilnonius find übrigens fchon von Kleritj( Polytechn. Central­blatt 1869) und Hünich( Berg- und Hüttenmännifche Zeitung, Jahrg. 1867) ange­geben worden.

Wagen und Gewichte. Wohl kein Zweig der Präcifionsmechanik hatte in der Ausstellung fo reichliche und zugleich fo vorzügliche Leiftungen aufzu­weifen als die Fabrication von Wagen und Gewichten.