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Mathematische und physikalische Instrumente : (Gruppe XIV, Section 1 und 2) ; Bericht / von Ferdinand Lippich ...
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Aftronomifche Inftrumente.

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Centrifch mit der verticalen Umdrehungsachfe ift auf 6 noch eine Bouffole

angebracht.

Zum Einftellen auf das Object dient das in den Lagern der Ständer S und S ruhende Fernrohr F, welches eine Brennweite von 1180 Meter und eine Objectiv­öffnung von circa 100 Millimeter hat. Das Ocular ift mit einem Fadenmikrometer, das zwei gegen einander fenkrecht bewegliche Fäden hat, verfehen.

Die horizontale Drehachfe diefes Fernrohres bildet wieder ein Fernrohr f mit dem Oculare o und dem Objective O. Die optifche Achfe von ffteht zu jener von F fenkrecht und fällt mit der geometrifchen Achfe der beiden Ringe, mit denen Fin den Lagern ruht, zufammen. An der Ocularfeite von fift der zur horizontalen Drehachfe von F fenkrechte und zur Repetition eingerichtete Verticalkreis von 0.290 Meter Diameter angebracht, deffen Theilung mittelft Nonius bis auf 10 Secunden direct gelefen werden kann.

Die Neigung der horizontalen Drehachfe von F wird auf folgende Art ermittelt: Man collimirt zunächft Cauff( die entſprechenden Oeffnungen in dem Theodolithen 7 geftatten diefs); wenn man nun die Vifur mit 7 einmal auf das Bild des Kreuzungspunktes der Fäden inf, das andere Mal auf jenes in C einftellt, dabei jedesmal die Lefungen an der Libelle macht, fo ift die Differenz der beiden Lefungen gleich der Neigung der beiden Vifuren, demnach auch gleich der Nei­gung der optifchen Achfe von f gegen jene von C; die Neigung der optifchen Achfe von C kann leicht ermittelt werden, demnach ergibt fich auch die Neigung der horizontalen Drehachfe von F.

Das nun in feinen Haupttheilen befchriebene Inftrument foll hauptfächlich für Azimuthalbeobachtungen Anwendung finden; aufserdem wird es auch zu Stern­beobachtungen beim Meridiandurchgange oder bei der Paffage des erften Verti­cales empfohlen.

Die Meffung eines Horizontalwinkels, beziehungsweife eines Azimuthes gefchieht nun auf folgende Weife: Mit F wird das eine Object anvifirt, hierauf die optifche Achfe von 7 mit jener in f collimirt und die entsprechende Lefung M am Horizontalkreife von T gemacht. Wird dann der Wagen w fo lange gedreht, bis die Vifur von F das zweite Object trifft, die Collimirung von T mit f vorge­nommen und neuerdings die Lefung M' am Horizontalkreife von T gemacht, fo ift offenbar bei vollkommen horizontaler Lage der optifchen Achfe von f und bei voll­kommen genauer fenkrechter Stellung der optifchen Achfe von f zu jener von F der entſprechende Horizontalwinkel M'- M. Wie die Neigung der horizontalen Drehachfe ausgemittelt wird, ift fchon mitgetheilt worden; wie eine etwaige Nei­gung der horizontalen Drehachfe, oder ein Collimationsfehler in Rechnung genom­men wird, kann als bekannt vorausgefetzt werden.

Das genaue Einftellen der Vifur auf das Object gefchieht durch Mikrometer­fchrauben, welche die Lagertheile, in denen fruht, feitlich zu verfchieben geftatten.

Wenn man nun erwägt, dafs diefes Azimuthalinftrument aus nicht weniger als vier Fernrohren, beziehungsweife aus drei Inftrumenten, zufammengefetzt ift, von denen jedes, wenn es feinen Zweck erfüllen foll, mit der ihm eigenthümlichen Vollkommenheit gearbeitet ſein mufs; wenn man weiter den complicirten Vorgang bei der Winkelmeffung, die fchwere Handhabung desfelben und den fchwierigen Transport auf die einzelnen Stationen im Auge behält, fo wird man zu dem Schluffe gelangen, dafs diefes Inftrument den von feinem Erfinder angeftrebten Hauptzweck, den Azimuthalbeobachtungen einen gröfseren Grad von Genauigkeit zu geben, als diefes mit anderen Inftrumenten bisher zu erreichen möglich war, gewifs nicht erfüllt und von unferen compendiöfen Univerfalinftrumenten in allen Stücken, befonders was die zu erlangende Genauigkeit bei den Beobachtungen betrifft, weit überholt wird. Der Koftenpunkt dürfte noch mehr zu Ungunften für diefes Inftrument fprechen. Zu dem kommt noch, dafs die Theilung der Kreife an dem ausgeftellten Inftrumente fo unvollkommen war, dafs fchon das freie Auge die Mängel hierin erkannte. Ein Beweis für das Unpraktiſche diefer Conftruction.

5bnostre,