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Mathematische und physikalische Instrumente : (Gruppe XIV, Section 1 und 2) ; Bericht / von Ferdinand Lippich ...
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Optifche und akuftifche Apparate.

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wird mittelft eines Badefchwämmchens der ganzen Länge nach mit Schwefelfäure beftrichen, welche auf dem Drahte eine Reihe regelmäfsiger Tröpfchen bildet. Beim Erhitzen des Drahtes durch einen galvanifchen Strom finken nun die Tröpf­chen als feine Dampflinien quer durch die Pfeife herab. Man kann auch die in die Seitenwand einer Pfeife eingefetzten Brenner mit den Spitzen durch die Seiten­wand einer andern Pfeife in diefelbe quer hineinragen laffen. Tönt die erfte Pfeife, fo zeigen die Flammen die bekannten Erfcheinungen. Tönt die zweite Pfeife, fo verbreitern fich die Flammenbilder und diefe fchwingen nach der Länge der zweiten Pfeife hin und her. Tönen beide Pfeifen und geben fie Stöfse, fo erhält man den Eindruck einer Longitudinalwelle, indem die durch die zweite Pfeife oscillirenden Flammen vermöge der Wirkung der erften immer in anderen Lagen aufleuchten. ( Anzeiger der kaiferlichen Akademie der Wiffenfchaften in Wien, 1870. S. 43.)

Bei einer Syrene zu ftroboskopifchen Unterfuchungen ift an der rotirenden Achfe derfelben eine Scheibe mit äquidiftanden Löchern oder radialen Spalten angebracht von der gleichen Anzahl wie die Löcher der Tonfcheibe der Syrene Sieht man nun durch die Spalten der Papierfcheibe gegen einen gleichmässig rotirenden als ftrobofkopifche Scala dienenden weifsen Cylinder, der mit fchwarzen Längsftreifen überzogen ift, deren Zahl und Dichte gegen das andere Ende hin rafch abnimmt, fo bemerkt man die Streifen immer an jener Stelle ruhig, an welcher fie in der momentanen Schwingungszahl an der Syrene am Auge vorübergehen. Schwingende Körper mit dem Cylinder optifch zur Deckung gebracht zeigen an den Stellen, welche ihrer Schwingungszahl entſprechen, charakteriftifche Figuren. ( Akademifcher Anzeiger, 1872, S. 153.).

Hayek ftellte auch noch eine phoronomifche Wellenmafchine und den Mach'fchen Apparat zur Demonftration des Fermat'fchen Brechungsgefetzes, dafs das Licht bei der Brechung von einem Punkte zum anderen auf einem Wege kürzester Zeit gelange,( fiehe Carl's Repertorium, 1872) aus.

W. J. Hauck in Wien brachte aufser einigen Schulapparaten auch noch Stefan's Interferenzapparat. Bei diefem Interferenzapparate dient als Schall­quelle ein etwas dickeres Thermometerrohr von einem Meter Länge. Mittelft eines Korkes ift er in eine weitere Glasröhre( Schallröhre) fo gefteckt, dafs die eine Hälfte in der Röhre die andere aufserhalb derfelben ift. Diefe letztere wird mit einem feuchten Tuchlappen in longitudinale Schwingungen verfetzt, und bringt fomit die erftere, an deren Enden eine auf der Längenrichtung fenkrecht ftehende ohne Reibung in der weiten Röhre bewegliche Korkfcheibe angebracht ift, die Luft in der Röhre in Schwingungen. Durch ein eingeftreutes Pulver kann nun diefe Luftbewegung, wie von Kundt gezeigt wurde, nicht nur in der weiten Röhre, fondern in allen an diefe gefügten Röhren beobachtet werden. Beim Apparate von Stefan find zwei T- förmige Röhren durch zwei über ihre Querarme ver­fchiebbare U- förmige Röhren verbunden. Der Ausläufer der erften T- förmigen Röhre fteht mit der oben genannten Schallröhre in unmittelbarer Verbindung, während der Ausläufer der zweiten mit einer gleichweiten Röhre( Interferenz­röhre) durch Kautfchuck oder Kork verbunden ift. Das andere Ende diefer Röhre kann frei oder durch einen Korkftöpfel verfchloffen fein. Die Schallbewegung, die von der Schallröhre ausgeht, wird nun durch die U- förmigen Röhren in zwei Zweige getheilt, welche Zweige dadurch, dafs man die U- förmigen Röhren gleich oder ungleich tief in die Querarme der T- förmigen Röhre fchiebt, gleich oder ungleich find. Die Schallbewegungen der Zweige gehen nun durch den Ausläufer der zweiten T- förmigen Röhre in die angefetzte Glasröhre, fetzen fich dort zu einer refultirenden Bewegung zufammen, welche durch eingeftreutes Pulver ficht­bar gemacht werden kann. Ift zwifchen den beiden Zweigen kein Längenunter­fchied oder ein folcher von einer ganzen Anzahl Wellenlängen, fo erhebt fich das Pulver lebhaft in Schichten, ift diefer Längenunterfchied aber eine ungerade Anzahl halber Wellenlängen, fo bleibt das Pulver ruhig liegen. Die Schallröhre und die Interferenzröhre find horizontal und gerade übereinander, die beiden