Uhren.
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einander ohne weitere Nacharbeit verwechfelt werden können. Bedenkt man, dafs bei einem Echappement es auf 0.01 Millimeter ankommt, fo kann man fich vorftellen, mit welcher Präcifion die Mafchinen, womit die Beftandtheile erzeugt werden, gearbeitet ſein müffen.
G. Thomen in Waldenburg erzeugt Cylinder von gröfster Präcifion, und werden in deffen Fabrik die Uhren vom Rohftoff bis zum Repaffement angefertigt. 19 angle otsid- s
Die Firma Huguenin Charles in Locle erzeugt durchgehends AncréHemmungen von Stahl mittelft exacter Mafchinen, deren Beftandtheile noch in keinem Lande fo vollkommen hergeftellt werden, und man kann fich des Gedankens nicht erwehren, dafs diefe Schönheit und Präcifion der Arbeit, die höchfte Sorgfalt und Aufmerkſamkeit, das Refultat der vorhandenen Fachfchulen und Mufterwerkstätten ift. Wenigftens hatte man von einer folchen Entwicklung noch vor zwei Decennien auch in der Schweiz keine Ahnung.
Italien. Von den 9 Ausftellern, welche in der italienifchen Abtheilung das Uhrenfach vertraten, find die Firmen: Bezzi in Ravenna und Marcuel Domenico in Livorno, die ihre Chronometer nach engliſcher Art ausführen, zu erwähnen. Die Artikel find mit Fleifs und Eleganz gearbeitet. Die Uhrenbeftandtheile der Firma Granaglia Gebrüder, die Mafchinenarbeit nach Schweizer Art find, zeugen ebenfalls von beftimmtem Fortfchritte der Induftrie. Die Pendules von Mufine Oprandino in Turin zählen zu den Befferen der Art überhaupt. Dagegen zeigten die Thurmuhren von Macchini, Gebrüder Zeurina & Söhne und Gebrüder Bonfini nichts Hervorragendes. Grofse Aufmerkſamkeit wenden die Italiener aber ihren finnreich conftruirten elektriſchen Uhren zu, und leiftet das Land der galvanifchen Elektricität nächft Preufsen das Meifte in diefem Fache.
Scandinavien. Die Uhren von G. W. Linderoth in Stockholm und Thorell's Meteorograph mit aftronomifcher Uhr find fehr empfehlenswerth. Eine acht Tage gehende Uhr von Gebrüder Dupont in Rotterdam mit Grahamgang für eine Thurmuhr beftimmt, mit Zeiger- Laufwerk, um mehrere Zeigerblätter zu reguliren, zählt zu den guten Arbeiten. Man mufs offen geftehen, dafs insbefondere Schweden rüftig vorwärts arbeitet und wie auf fo vielen Gebieten auch in der Uhreninduftrie concurrenzfähig zu werden ftrebt. Es ift übrigens bemerkenswerth, dafs in Schweden viele Frauenhände in diefem Fach befchäftigt gested loss find und dafs es ganz felbftftändig etablirte Uhrmacherinen gibt.
Belgien. Das Land der ernften Mechanik, deren kleinfte Mafchinentheile oft nach 1000 Kilo dem Gewichte nach erft berechnet werden, befafst fich weniger mit Uhrenfabrication. Dennoch lieferte Antoin Gérard in Lüttich ein elektrifches Uhrenfyftem, welches von irregulären elektrifchen Strömen unabhängig ift. Jasper brachte eine elektrifche Wafferuhr mit Regulator in Verbindung, und Willequet Ivens in Gent eine Univerfaluhr, eine bereits veraltete Mechanik, welche aber immerhin auffordern mag, die kleinere Mechanik fortwährend zu cultiviren
Deutfchland. Im Fache der Grofsuhren- Induftrie fpielt Deutfchland eine hervorragende Rolle.
In die Augen fallend repräfentirte fich die badifche Schwarzwalder Expofition, wo aufser den erften Firmen: Ph. Haas& Söhne in St. Georgen, Winterhalder mit feinen beliebten Kukukuhren und Regulatoren, Berg mann Tafchenuhren, Fürderer, Jägler in Neuftadt und Ketterer in Vöhrenbach, fich Furtwangen mit 24 Collectiv- Firmen, Trieberg mit 4 Collectiv- Firmen, Villingen mit 7. und der Eifenbacher Gewerbe