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Dr. Leander Ditfcheiner.
noch im Gebrauche find; das Modell der erften Guttaperchapreffe zur Anfertigung ifolirter Leitungen mit Guttaperchahülle ohne Naht, mit welcher alle in grofser Zahl erbauten unterirdifchen Leitungen in Deutfchland und Rufsland( 1847 bis 1851) und jetzt noch alle fubmarinen Leitungen angefertigt werden und den doppelten Inductionsftrom- Erzeuger von Siemens( 1855), mit welchem durch wenige Elemente Inductionsftröme( zweiter Ordnung) erzeugt werden können, die mittelft Commutoren gleichgerichtet zur Erzeugung von Morfefchrift auf langen Linien dienen können.
Von den jetzt gebräuchlichen Apparaten und deren Einfchaltung findet fich die Schaltung einer Leitung mit Arbeitsftrom für zwei End- und eine Uebertragungsftation ohne Relais und ohne Localbatterie und die Schaltung einer Leitung mit Ruheftrom ebenfalls für zwei End- und eine Uebertragungsftation, wobei die Morfe- Schreibapparate direct in die Leitung gefchaltet und die Uebertragung nach dem Arrangement von Maron eingerichtet ift. Ferner ift eine Schaltung mit Hughes- Apparaten für zwei End- und eine Uebertragungsftation ausgeftellt; die Uebertragung findet theils mittelft Hughes- Apparates mit Benützung des automatifchen Stromwenders von Jaite, theils mittelft zweier polarifirter Relais unter Benützung von Zweigftrömen nach den Angaben von Maron ftatt, und endlich findet man die Ausrüftung einer Leitung mit dem automatifchen Schnellfchreiber von Siemens, beftehend aus dem Taftenfchriftlocher, Geber und Empfänger.
Ferner hat die deutfche Regierung die Apparate und Geräthe für Leitungsreviforen zufammengeftellt. Diefelben beftehen aus Etui und Werkzeug zur Unterfuchung unterirdifcher Leitungen, einem älteren und einem neueren Unterfuchungsgalvanometer, erfteres auf Stativ, letzteres mittelft Baumfchraube zu befeftigen, einem Differentialgalvanometer mit Baumfchraube, einem Tafchengalvanometer und aus allerlei Geräthe zu Leitungsrevifionen. Im Garten felbft waren die Leitungsvorrichtungen ausgeftellt.
Die königlich baierifche Telegraphenverwaltung exponirte ebenfalls eine Reihe von Apparaten und Conftructionstheilen zur Veranfchaulichung der hiftorifchen Entwicklung des baierifchen Telegraphenwefens. Darunter befand fich der Stöhrer'fche Doppelftift- Schreibapparat mit Relais und Taftatur ältefter Conftruction( 1849), ein folcher Doppelftift- Apparat und verfchiedene Morfe Reliefund Farbfchreiber aus der Werkstätte der baierifchen Telegraphenverwaltung und der Rotationszeiger- Apparat von Stöhrer( Siehe Kuhn ,,, Angewandte Elektricitätslehre Seite 875), der jedoch 1856 auf fämmtlichen baierifchen Linien befeitigt und durch magnetoelektrifche Zeigerapparate von Siemens und Halske erfetzt wurde, von welchen heute noch 371 in Betrieb find. Wir finden ferner auf diefer baierifchen Ausstellung eine Reihe von Leitungsconftructionen und Blitzableitern.
Eine der hervorragendften Stellungen im Gebiete der Telegraphenausftellung nimmt die bekannte Firma: Telegraphen- Bauanftalt von Siemens und Halske in Berlin, Markgrafenftrafse 94, ein. Inhaber diefer 1847 gegründeten Firma find die Herren Dr. Werner Siemens in Berlin, Dr. William Siemens und Carl Siemens in London. Die verfchiedenen gewerblichen Anlagen diefer Firma find die Telegraphen- Bauanftalt in Berlin von Siemens und Halske, die Specialfabrik für Alkohol- Mefsapparate von Siemens& Comp. in Charlottenburg, gemeinfchaftlich mit Louis Siemens dortfelbft, die Telegraphenanftalt in Sct. Petersburg mit Porcellanfabrik in Gorodok, die Telegraphenfabrik mit Guttapercha- KabelFabrik von Siemens Brothers in London und Woolwich( ausgeftellt in der englifchen Abtheilung), endlich das Gefchäft von Gebrüder Siemens in Tiflis mit Kupferbergwerk und Hüttenwerk in Kedabeg und Petroleumquellen urd Deftillation in Zarskoi- Kalodzie im Kaukafus. Das Berliner Gefchäft arbeitet mit circa drei Vierteln für den deutfchen Markt und mit je einem Achtel für den anderen europäiſchen und den überfeeifchen Markt. In Berlin und Charlottenburg werden circa 50 Perfonen Directions und Auffichtsperfonal, 610 Arbeiter über 16 Jahre,