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Dr. Leander Ditfcheiner.
wenn der Tafterhebel noch auf dem Arbeitscontacte liegt, den Strom von B₁ unterbricht und das Kabel entladend mit der Erde in Verbindung fetzt.( Zetzſche a. a. O.)
In der Ausftellung der Adminiftration der franzöfifchen Telegraphen finden fich die Relais nach den Conftructionen von Boivin, Froment und d'Arlincourt, und ift namentlich diefes letztere durch feine fchon bewährte praktiſche Verwendbarkeit intereffant. Bei den bis jetzt faft allgemein angewendeten Relais bewegt fich ein Anker aus weichem Eifen oder magnetifirtem Stahl unter dem Einfluffe eines Elektromagnetes hin und her. Diefe Apparate haben nun bedeutende und bekannte Uebelſtände. Es behalten nämlich die Eifenkerne des Elektromagnetes eine gewiffe Menge Magnetismus, wenn der fie umkreifende Strom unterbrochen wird, wodurch die Entmagneti firung nicht augenblicklich erfolgt und dadurch die Translation verzögert wird. Dazu kommt, dafs die geringfte Aenderung der Stromftärke eine neuerliche Correction des Apparates nothwendig macht, da der remanente Magnetismus in den weichen Eifenkernen offenbar in demfelben Sinne variirt, als die Intenfität und die Dauer des Linienftromes. Die unvermeidlichen und bei langen Linien kräftigen Rückftröme bilden ebenfalls eine Urfache der Verzögerung für die in die Linie eingefchalteten Relais, und wenn es nicht gelingt, fie zu unterdrücken, fo kommen die Relais in unregelmässige Bewegung, welche nur zu oft die Translation unmöglich macht. Aber das Relais ift ein Apparat, deffen fich die Telegraphie nicht entfchlagen kann, und es ift ficherlich fehr vortheilhaft, einen Apparat zu haben, der unabhängig ift von dem Rückftrome und dem Einfluffe momentaner Schwankungen im remanenten Magnetismus der Eifenkerne.
D'Arlincourt fcheint diefes Problem gelöftzu haben, indem er die magnetifche Wirkung der Drahtfpulen benützt, um den Anker anzuziehen, und indem er die bei den gewöhnlichen Relais in Anwendung gebrachte entgegenwirkende Federkraft erfetzt durch den remanenten Magnetismus, welcher den Anker in feine frühere Lage zurückführt. Es fei E CD, Fig. 2, Tafel I, ein Elektromagnet mit weichen Eifenkernen. In dem Momente, wo der Strom die Drahtwindungen durchfliefst, wird das weiche Eifen magnetifch, in A bildet fich ein Südpol und in B ein Nordpol. Die Maxima der Wirkung der beiden magnetifchen Pole findet fich nun nahe den freien Enden der beiden Arme des Hufeifens; der Magnetismus bleibt auch im gleichen Sinne, nimmt aber ab, wenn man von den freien Enden gegen die Biegung, das ift, gegen die neutrale Linie des magnetifchen Eifens, geht. In der Nähe diefer neutralen Stelle E ift der Magnetismus der Eifenkerne nur fehr gering. Jede der Spulen C, D des Elektromagnetes repräfentirt für fich einen Magnet; für die Spule Cift der Nordpol oben, der Südpol unten, und umgekehrt für die Spule D, wie die Zeichnung angibt. Hinter den Drahtfpulen, ganz nahe von E, zwifchen zwei Wangen der weichen Eifenkerne, befindet fich das Südende eines magnetiſchen Ankers P, welcher um fein anderes Ende drehbar ift. Die beiden Schräubchen V und V begrenzen die Bewegung diefes Ankers. Wenn nun der Strom gefchloffen ift, fo befindet fich der Südpol unter dem Einfluffe von zwei Paaren von Kräften. Die Ausbauchung oder Wange des Armes B wirkt als Nordpol und zieht den Anker an, während jene von A als ein Südpol abftofsend auf P wirkt. Die Gefammtwirkung diefes erften Kräftepaares fucht fomit dem Anker eine Bewegung gegen die Schraube V zu ertheilen. Da aber dort in der Nähe der neutralen Stelle überhaupt der Magnetismus der Eifenkerne gering ift, fo wird auch das Beftreben des Ankers, fich gegen die Schraube V zu lehnen, nur gering fein. In Folge der magnetifchen Wirkung der Spulen felbft aber wird P gegen die Schraube V gezogen, indem der obere Theil der Spule C als ein Nordpol den Südpol von P anzieht, der obere Theil der Spule D aber als ein Südpol abftöfst. Die gemeinfchaftliche Wirkung diefer beiden Kräftepaare treibt auch, da erfichtlich die Wirkung der vom Strome durchfloffenen Spulen auf den Anker gröfser ift, als die Wirkung des Magnetismus an den der neutralen Stelle naheliegenden