Chirurgifche Inftrumente.
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Double afpirateur. Diefer Apparat ftellt zwei fenkrecht neben einander ftehende Afpirateure a crémaillère dar, die an einer feften Unterlage fo nahe neben einander befeftigt find, dafs ein Zahnrad beide Pumpftangen in Bewegung fetzen kann. Diefes Bewegen der Pumpftangen erfolgt in entgegengefetztem Sinne, infoferne als beim Drehen des Zahnrades gleichzeitig eine Pumpftange hinauf und die zweite hinunter bewegt wird. Hiedurch faugt die eine Pumpe, während die andere gleichzeitig die früher aufgefogene Flüffigkeit austreibt. Vier Klappen vermitteln den richtigen Gang. diefes pneumatifchen Apparates. Hähne und Fixirftift fehlen natürlich an den Pumpen, dagegen ift die Stichcannüle mit einem Schliefshahne verfehen. Mit diefem Apparate erleidet das Auspumpen keine Unterbrechung, was bei den zwei früher erwähnten Modellen ftets der Fall fein mufs, nur wäre er kaum in die Gruppe jener Apparate zu zählen, bei denen das Vacuum vor der Operation bewerkstelligt wird, fondern gehört mehr in die erfte Gruppe, bei denen das Vacuum während der Operation erzeugt wird.
Der Afpirateur von Potain befteht aus einer beliebigen Flafche, die mit einem genau und gut paffenden Kautfchukftoppel verfchloffen wird. Eine Metallröhre durchbohrt den Stoppel und theilt fich aufserhalb des letzteren in zwei Arme, die mit Hähnen verfehen find. Ein Arm verbindet fich mittelft eines Kautfchukfchlauches mit einem feinen Stacheltroicart, der andere ebenfalls mittelft eines Kautfchukrohres mit einer Pumpe. Bei geöffnetem Pumpenhahne wird zuerft die Luft aus der Flafche gepumpt und in diefe ftrömt die Flüffigkeit fobald der Troicarthahn geöffnet wird. Die Menge der ohne Unterbrechung der Operation zu entleerenden Flüffigkeit variirt nach dem Inhalts quocienten der gewählten Flafche, wefshalb auch diefer Afpirateur zum Unterfchiede des Dieulafoy'fchen der Afpirateur a vide variable genannt wird. Die Vorzüge des Potain'fchen Afpirateur haben wir fchon erwähnt, fein Nachtheil im Vergleich zu Dieulafoy liegt darin, dafs man damit wohl auspumpen, aber nicht zugleich auch einfpritzen kann.
Modificationen diefer Afpirateure namentlich des Dieulafo y' fchen Afpirateur à encoche find vielfach vorgenommen worden, ebenfo eine des Potain'fchen von Chwat, ob mit Nutzen bleibt fehr in Frage, defshalb glaube ich auch alle diefe Varianten mit Stillfchweigen übergehen zu dürfen, denn das Princip bleibt fich doch bei allen gleich.
Aquapunctur nennt man ein Verfahren, welches darin befteht, mittelft eines kräftig getriebenen haardünnen Wafferftrahles die Haut punktförmig zu durchlöchern. Der Zweck ift die Hervorbringung eines Reizes, und findet es Anwendung bei Neuralgien, Paresen, kurz bei Leiden, bei denen eine ftärkere fogenannte Revulfion der Haut gewünfcht wird Der von Mathieu conftruirte Apparat befteht aus einer Druckpumpe mit langer Hebelftange, welche das Waffer unter ungeheuerem Drucke in ein langes und dünnes Zinnrohr treibt, das gleich einem Schlauche bewegt werden kann und welches mit einer oder zwei haarfeinen Oeffnungen endigt. Neuerer Zeit hat Mathieu den Apparat infoferne modificirt, als er ftatt der einfachen eine Doppelpumpe angebracht hat, welche durch eine einzige Hebelftange bewegt wird.
Mundfpiegel. Das grofse Arfenal von Apparaten zur gewaltfamen Eröffnung der Mundhöhle wurde durch ein neues Inftrument bereichert, welches feiner Conftruction und leichten Handhabung wegen Erwähnung verdient. Es befteht aus zwei nach vorne zu fehr dünn endenden, horizontal ftehenden Metallfpateln, von denen im Ruhezuftande die eine um einige Linien hinter der anderen zurückſteht. Das einfache, wie gefagt, vorne fehr dünne Blatt wird bei der Anwendung langfam und allmälig zwifchen den gefchloffenen Zahnreihen gefchoben. Drückt man nun die zwei fenkrecht abftehenden Handhaben des Inftrumentes zufammen, fo wird zuerft das rückftehende Blatt bis zum Niveau des zuerft eingedrungenen nachgefchoben, und hierauf erft entfernen fich beide parallel von einander. Die Gewalt, die man anzuwenden vermag, ift eine beträchtliche und die