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Dr. Hans Adler.
Sonden und vor Allem das v. Gräfe'fche Schmalmeffer, feine Cyftotome und Löffel.
Uns erfcheint diefe Purganz vom alten Ballafte fehr gefund und vortheilhaft, wir begrüfsen diefe Thatfache als einen wefentlichen Fortfchritt, namentlich infoferne wir darin den glorreichen Sieg der Extractionsmethode gegenüber der Niederlage der Reclinationsmethode auf allen Linien erkennen; fpeciell berührt uns die allgemeine Anerkennung des fchönen Vermächtniffes des unfterblichen Gräfe freudig.
Doch dünkt uns, dafs diefe Revolution manchmal zu weit geführt, vorzüglich nach Betrachtung eines fonft fehr gut componirten grofsen Etuis, in dem wir Gräfe's Schmalmeffer in 10, fage zehn Exemplaren, das ehrwürdige Beer'fche Lappenmeffer überhaupt gar nicht vorfanden.
In diefer Zeit der Gährung, des Kampfes der verfchiedenften Extractionsmethoden darf der einzelne Augenarzt felbft zu Nutz und Frommen derWiffenfchaft für feine Perfon verwerfen, was er nurmag; die Herren Inftrumentenmacher follen aber dem„ Augenetui" den Boden der Neutralität wenigftens auf Kriegsdauer zu bewahren trachten und nicht, wie ſpeciell in diefem Falle, durch vorfchnelles Abwerfen eines durch viele Decennien nicht grundlos als Souverän anerkannten, verdienftvollen, jedenfalls noch heute verwendbaren Inftrumentes einer jüngeren ärztlichen Generation die intereffante Gelegenheit benehmen, durch Selbftfchauen und Selbftprüfen fich ein eigenes Urtheil zu verfchaffen.
Ein Etui war durch den Preis( 5000 Francs) auffallend, vielleicht auch durch die fehr hübfchen, aber unpraktiſchen, viereckigen Perlmuttergriffe.
Wir fahen auch auf diefer Ausftellung fogenannte Augeninftrumente, die fo koloffal in ihren Maffen, fo plump in ihrer Mache waren, dafs wir uns unwillkürlich fragen mufsten, ob diefe Erzeugniffe nicht nach Angabe eines die AugenHeilkunde am gröfseren Säugethiere praktizirenden Thierarztes gefertigt
worden.
Diefe Erfcheinung rührt wohl daher, dafs faft alle chirurgifchen Inftrumenten- und Bandagenmacher auch Augeninftrumente felbft erzeugen, ein alter Ufus, von dem abgegangen zu fein, fo Mancher im Intereffe feines eigenen Renommés nicht bereuen wird; es wäre Vielen beffer, ohne eigene Mühe die als gut anerkannten Inftrumente jenes Collegen in den Verkehr fetzen, der aus der Verfertigung von Augeninftrumenten mehr oder weniger eine Specialität gemacht hat.
Dafs das Princip der Arbeitstheilung ein richtiges, dafs die fpecialiftifche Eintheilung des Gefchäftsbetriebes keine fchädliche Maxime, zeigt der Erfolg der drei erften Wiener Firmen nach jeder Richtung. Die mehr weniger bei jeder derfelben hervortretende, ſpecialiſtiſche Richtung hat nicht nur jedem einzelnen befriedigende materielle Vortheile, fondern auch die gleiche auszeichnende Beurtheilung der Jury verfchafft.
Eine derfelben hat wenig exponirt, die zweite es ganz correct unterlaffen, oculiftifche Inftrumente überhaupt auszuftellen.
Und fo reftirt eigentlich nur Thürriegel als erwähnenswerth, deffen Fabricate als die fchönften unter den öfterreichifchen, fich durch gute Ausftattung bei relativ billigem Preife hervorthun.
England und Amerika brachten keine, Deutfchland relativ nicht viele Augeninftrumente zur Ausftellung.
Reichhaltiger war Italien( vorzüglich durch Lollini), Rufsland, Dänemark( durch Nyrop) vertreten.
Der Glanzpunkt unferer Gruppe war in der franzöfifchen Abtheilung
zu fuchen.
Die beiden Parifer Häufer Mathieu und Collin überragen weitaus an Mannigfaltigkeit, Glanz, und Schönheit der ausgeftellten oculiftifchen Inftrumente ihre fämmtlichen Concurrenten. Die neuen Erfcheinungen in diefer