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Musikalische Instrumente : (Gruppe XV) ; Bericht / von Eduard Schelle
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Eduard Schelle.

fein wie diefer, das Flötenregifter namentlich nicht gehörig ausgeglichen; 2. ein Harmonium mit 1 Manual, 3 Knieregiftern, Percuffion, 5 Spielen; 3. eine fogenannte Harmonie- Flûte, ein Spiel mit voix celefte, Tremolo, jeu doux; die Gebrüder Vittino aus Centallo Cuneo I Harmonium mit 1 Manual, 4 Spielen; Percuffion und grand jeu fehlen. Die Stimmen haben wenig Variationen, die Spielweife ift nicht übel. Zu den vorzüglichften und preiswürdigften Inftrumenten gehören die Harmoniums, welche die Firma Mafon& Hamlin in der amerikaniſchen Abtheilung ausftellte. Die Inftrumente zeigen in Folge der Anwendung von Saug­bälgen ftatt Stofsbälgen einen anderen Charakter, als die europäiſchen. Als eine fernere Eigenthümlichkeit ift zu bemerken, dafs jede Zunge in eine befondere Zelle verfetzt ift. Vermittelft einer angebrachten Feder öffnet fich die Zelle beim Niederdruck der Tafte und fchliefst fich wieder beim Zurückfpringen der Tafte. Durch die Einrichtung diefer centralen Druckklappen" ift eine fo fchnelle Anfprache des Inftrumentes bewirkt, welche der des Claviers gleich kommt. Die Zungen felbft find fein und zweckmäfsig geformt und mit grofser Sorgfalt aus­gearbeitet. Durch diefes Arrangement der Zungen in Zellen wird jener orgelartige Ton erzielt, welcher die amerikanifchen Harmoniums fo eigenthümlich gegenüber den europäiſchen unterfcheidet. Um eine möglichft grofse Kraft im Ton zu erzeugen, ift für eine entsprechende Erweiterung des Refonanzkaftens geforgt; die Erfin­dung eines folchen Refonanzkaftens gehört der Firma an und ift derfelben paten­tirt worden. Zu den mannigfaltigen Vorzügen, welche diefe Inftrumente aus­zeichnen, gehört auch eine Vorrichtung beim Crescendozug, der Automatic­Sweller, mittelft welchem der Druck mit den Füfsen nicht fo bemerkbar ift, wie bei dem bei uns gebräuchlichen Expreffionszug. Die Firma hat im Ganzen 9 Inftru­mente ausgeftellt: 1. ein Harmonium mit 2 Manualen, gelben blinden Profpect­pfeifen, 4 Spielen und 9 Zügen. Die Dispofition geftaltet fich folgendermassen: 1. Bourdon, 2. Diapafon- Bafs, 3. Diapafon- Trebble, 4. Hautbois, 5. Vox humana, 6. Principal- Bafs, 7. Principal- Trebble( Discant), 8. Coupler, 9. Automatic- Swell. Die hier vorkommende vox humana ift nur als eine Verbindungsftimme zu beach ten. Das Gehäufe ift gefchmackvoll verziert, von brauner Farbe und macht einen wohlgefälligen Eindruck; 2. Harmonium mit 2 Manualen, 6 Spielen, ebenfalls mit blinden Profpectpfeifen von gelber Farbe, auiserdem auch mit einem vollſtändigen Pedal. Das Inftrument enthält 12 Züge: Bourdon- Bafs und Bourdon- Trebble, Diapafon- Bafs, Diapafon- Trebble, Principal- Bafs, Principal- Trebble, Oboë- Bafs und Oboë- Trebble und Violoncell und Bourdon für Pedal, aufserdem eine Manual­und eine Pedalkoppel. Alle Manualftimmen find, wie aus der Dispofition hervor­geht, getheilt. Der Schwellerzug kann für jede Stimme ausfchliesslich gebraucht werden. Die Wirkung der Stimmen ift ganz vorzüglich und die Dispofition geftattet Mifchungen von wunderbarer Schönheit. Der Toncharakter erinnert ganz insbefonders an die Orgel. 3. Harmonium mit I Manual und 7 klin­genden Spielen. Diefes Inftrument ift nach Debain und Alexandre con­ftruirt und mit Stofsbälgen verfehen. Die Firma hat damit beweifen wollen, dafs fie auch mit dem europäiſchen Syftem vertraut ift. Es enthält Zügen: Grand jeu, Expreffion, 2 Züge Percuffion, Flûte und Coranglais, Bourdon und Clarinette, Clairon und Piccolo, Baffon und Oboë, Harpecoliene und Mufette, einen Baryton; die voix celefte bildet keine Schwebung zur Flöte, wie es fonft zu fein pflegt, fondern bildet eine felbftftändige Stimme, die vox america dagegen gibt eine Schwebung zum Baryton. 4. Harmonium mit I Manual und 2% Spielen. Die Zufammenftellung der Stimmen ift überaus fchön und ermöglicht eine grofse Mannigfaltigkeit an Tonmifchungen. Die übrigen Inftrumente, darunter I Harmonium mit 2 Manualen und 4 Spielen, reihen fich den obigen würdig an. Sie fuchen fämmtlich an Ausdrucksfähigkeit ihres gleichen und feffeln durch einen fympathifchen Ton. Der Preis diefer Harmoniums ift gegenüber dem Werthe der­felben fehr mäfsig zu nennen, denn er überfteigt nicht die Summe von 1800 fl. und geht herab bis zu 250 fl.

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